galerie hochdruck


"Von der Dekoration zur Expression"

Wie das Medium den Ausdruck bestimmt : Holz- und Linolschnitte zwischen Jugendstil und (abstraktem) Expressionismus.

17. April 2012 - 28. Juli 2012

Neudeggergasse 8/2, 1080 Wien

Öffnungszeiten/Opening Hours:

Di/Tues - Fr/Fri 12 - 19 Uhr
Sa/Sat 11 - 17 Uhr

1

Peter Behrens
1868-1940

Der Kuss  1898
Farbholzschnitt auf Japanbütten, 26,9 x 21,3 cm (Stock)
aus: Pan IV/2, 1898, mit der typografischen Bezeichnung am unteren Blattrand

Diese "Ikone" des Jugendstils wurde in der von Otto Julius Bierbaum und Julius Meier-Graefe herausgegebenen Kunst-und Literaturzeitschrift "Pan", die von 1895 bis 1900 in Berlin erschien, als originalgrafische Beilage veröffentlicht.

Referenz: Gerhart Söhn, Handbuch der Original-Graphik (52902-6), Düsseldorf 1989ff; Hans H. Hofstätter, Jugendstil - Graphik und Druckkunst, St. Gallen 2003 (S. 138 f.)

2

Alwin Carstens
1906-1982

sold

Ohne Titel  um 1968
Farbholzschnitt, 38 x 56 cm (Stock), mit dem Nachlass-Stempel verso, dort als "Nr. 40" bezeichnet

Alwin Carstens experimentierte, wie einige andere Künstler der sechziger und siebziger Jahre auch (siehe Nr. 14), mit verschiedenen Materialien für die Druckstöcke seiner subtilen großformatigen Farbholzschnitte. Für das vorliegende Blatt verwendete er höchstwahrscheinlich eine Hartfaserplatte, die er monotypieartig einfärbte. Zu Carstens gibt es bislang leider so gut wie kein Referenzmaterial.

3

Friedrich König
1857-1941

 

Faun  um 1899
Farbholzschnitt, signiert, 14,2 x 12,1 cm (Stock)

Friedrich König war einer jener Wiener Secessionskünstler, die eine Vielzahl grafischer Beiträge zur Zeitschrift der Secession "Ver Sacrum" lieferten. Normalerweise wurden die Holzschnitte dort von Zinkklischees abgedruckt. In der sogenannten "Gründerausgabe" befanden sich allerdings vom Originalstock gedruckte Beilagen, die signiert waren. Es könnte sich bei dem vorliegenden Blatt um ein Alternativ-Blatt für den ebenfalls von König stammenden "Alchimisten" (siehe Nr. 50) handeln, der in der Gründerausgabe des Ver Sacrum II/1899 beigelegt war.

Referenz: Christian M. Nebehay, Ver Sacrum 1898 - 1903, München 1979

4

Hans Grundig
1901-1958

Kleines Mädchen auf der Straße  1930
Holzschnitt, 20,4 x 28,8 cm (Stock)
(Von Lea Grundig?) betitelt, signiert und datiert, am Blattunterrand von der Frau des Künstlers, Lea Grundig, nochmals signiert und mit "Nachlass" bezeichnet

Referenz: Lea Grundig, Über Hans Grundig und die Kunst des Bildermachens, Berlin 1978

5

Horst Janssen
1929-1995

sold

Der Morgen  1957
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 25,2 x 35,7 cm (Stock)
Erstdruck der Galerie Brockstedt aus dem Jahr 1987 von den Originalstöcken unter Aufsicht Horst Janssens

Siehe auch Nr. 59

Referenz: Hans Brockstedt, Horst Janssen Holzschnitte 1957-1961 (H27), Hamburg 1987

6

Maximilian Kurzweil
1867-1916

Der Polster  1903
Farbholzschnitt auf Japanbütten, 28,6 x 25,7 cm (Stock)
Veröffentlicht von der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst Wien, auf einem grauen Untersatzblatt mit typographischer Bezeichnung montiert

Die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst in Wien gab zwischen 1898 und 1931 nicht nur die Zeitschrift "Die graphischen Künste" heraus, sondern auch Jahresmappen (deren Titelvignette von Kolo Moser gestaltet wurde) mit Originalgraphik. Aus der Mappe des Jahres 1903 stammt das vorliegende Blatt. Henrike Junge schreibt in ihrem Buch "Wohlfeile Kunst": Die Gesellschaft erkannte die Originalgraphik als kühne und behende Pfadfinderin, die den Wegen der allgemeinen Kunstbewegung vorauseilend ihren Fuß auf Gebiete setzt, die dem Leben von der Kunst erst abgerungen werden müssen.

Referenz: Henrike Junge, Wohlfeile Kunst, Mainz 1989
Hans van der Grinten (Hrsg.), Die Frühzeit des modernen Holzschnitts, Museum Schloß Moyland 1993

7

Heinrich Ehmsen
1886-1964

Furien  1912
Linolschnitt auf Japanpapier, 26,5 x 28,1 cm (Stock)
Betitelt, signiert und datiert

Ehmsen, ein Schüler von Peter Behrens (siehe Nr. 1), zog nach seinem Studium in Düsseldorf und einem Aufenthalt in Paris 1911 nach München und wurde dort maßgeblich vom Kreis des "Blauen Reiter", dessen Initiatoren Wassily Kandinsky und Franz Marc waren, beeinflusst. Im Gegensatz zum ein Jahr später entstandenen folgenden Blatt (Nr. 8) von Dagobert Peche, das mit seinen dekorativen Elementen zwischen Jugendstil und Art Deco steht, weist das Blatt von Ehmsen eindeutig in Richtung Expressionismus.

Referenz: Peter Kruska, Heinrich Ehmsen - Zeichnungen und Druckgrafik aus dem Bestand der Heinrich-Ehmsen-Stiftung, Kiel 2003

8

Dagobert Peche
1887-1923

sold

Engel  1913
Holzschnitt auf Japanpapier, 40,7 x 30,2 cm (Stock)
Betitelt, signiert und datiert

Dagobert Peche war neben Josef Hoffmann und Kolo Moser einer der wichtigsten Entwurfzeichner für die Wiener Werkstätte und stand dem deutschen Werkbund nahe. Eigenständige Originalgraphik stellt in seinem Oeuvre neben seinen Entwürfen für die angewandte Kunst eine zahlenmäßig eher kleine Gruppe dar und ist entsprechend selten. (Siehe auch Nr. 7)

Referenz: Peter Noever (Hrsg.), Dagobert Peche and the Wiener Werkstätte, New Haven/London 2002

9

Ernst Ludwig Kirchner
1880-1938

sold

Porträt Erich Heckel  1905
Holzschnitt, 13,5 x 10,7 cm (Blatt)
Probedruck

Es gibt nur noch eine zweite Grafik Kirchners mit einer ganzseitigen Porträtdarstellung Heckels aus dem Jahr 1906. Es handelt sich dabei um eine Radierung. Bei einem späteren Holzschnitt aus dem Jahr 1913 handelt es sich um den Titelholzschnitt der unveröffentlichten "Chronik der Künstlergruppe Brücke", auf dem die vier letzten Brückemeister dargestellt sind: Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff und Otto Mueller. Heckel ist im rechten oberen Eck zu sehen. Am 27. Mai 1913 erklärte die Gruppe, ausgelöst durch die von den Freunden als einseitig empfundene Darstellung Kirchners in der "Chronik", öffentlich ihre Auflösung.

Die in den Folgejahren vor allem von Kirchner gegen Heckel gerichtete Feindschaft ist legendär. Vor allem warf Kirchner Heckel immer wieder vor, daß dieser ihn kopiere. Schiefler durfte daher in den ersten Werkkatalog der Graphik Kirchners (1924 erschienen) auch nur aufnehmen, was Kirchner ausdrücklich erlaubte. Der Holzschnitt mit dem Porträt Heckels von 1905 wurde offenbar nicht autorisiert oder Kirchner hatte die wenigen bis dato gedruckten Exemplare bereits vernichtet. Dementsprechend handelt es sich bei dem vorliegenden Exemplar um eine große Rarität.

Der Druck weist eindeutig Werkstattspuren auf, es könnte sich also um so etwas wie einen Probedruck handeln. Dafür spricht, daß er bis an den Plattenrand beschnitten ist. Allerdings wäre auch möglich, daß Kirchner mit der Entfernung des Blattrandes und einer sich dort möglicherweise befundenen Signatur seine eigenen Spuren als Erschaffer des Blattes verwischen wollte, es aber dennoch zunächst selbst behielt. Bis zum Schluß seines Lebens deuten Bemerkungen Kirchners auf eine äußerst ambivalente Beziehung zu Heckel hin, den er abwechselnd als Scharlatan und als großen Könner bezeichnete.

Wie auch immer die Geschichte des vorliegenden Blattes zu beurteilen ist, es stellt ein außerordentliches Zeugnis der Freundschaft zweier (später berühmt gewordener) junger Künstler dar, als diese ganz zu Beginn der Brücke-Zeit noch unverbraucht und offenbar sehr eng war. Heckel war zur Entstehungszeit des Porträts 22, Kirchner 25 Jahre alt.

Referenz: Annemarie und Wolf-Dieter Dube, Ernst Ludwig Kirchner - Das graphische Werk, München 1991

10

Hans Neumann
1873-1957

Badefreuden  1903
Farbholzschnitt, 24 x 17 cm (Stock)
Datiert und signiert

Die Brüder Ernst und Hans Neumann waren vor allem Gebrauchsgrafiker, die nicht nur Plakate entwarfen, sondern vor allem auch als Illustratoren für die Münchner Zeitschrift "Jugend", auf die das Wort "Jugendstil" zurückgeht, arbeiteten. Sie schufen darüber hinaus - meist in Handdrucken - eine bedeutende Anzahl von Farbholzschnitten, die sich als eindeutig von der Wasserfarben-Technik, aber auch von den besonderen Bildausschnitten des japanischen Farbholzschnittes inspiriert zeigen. Durch seine Ausstellungstätigkeit in München und Dresden, wo Hans Neumann 1906 gleichzeitig mit der "Brücke" ausstellte, wurde er auch für den jungen Kirchner ein Begriff.

Im Gegensatz zu den Arbeiten der Brücke-Künstler weisen die Holzschnitte Neumanns kaum jemals expressionistische Züge auf, hingegen wirken sie fast im Sinne der viel später populär gewordenen "Neuen Sachlichkeit" für ihre Zeit sehr modern.

Referenz: Magdalena M. Moeller (Hrsg.), Frühe Druckgraphik der Brücke, München 2005

11

Max Pechstein
1881-1955

sold

Betrachtung, Am Wasser  1906
Holzschnitt, 15,9 x 21,5 cm (Stock)
Im Stock monogrammiert
Aus der Mappe "Dresden 1907", hrsg. von der Kunstanstalt W. Hoffmann in Dresden, Mappe B

Mappenwerke waren vor allem für Sammler sogenannter "Originalgrafik" - also von den Originalstöcken gedruckter Blätter auf hochwertigem Papier - seit dem Ende des 19. Jahrhunderts en vogue, die einzelnen Beiträge dazu allerdings meist von sehr unterschiedlicher künstlerischer Qualität. Der junge Max Pechstein lieferte mit seinem an der Schwelle zwischen Jugendstil und Expressionismus stehenden Holzschnitt ein Jahr nach Gründung der Künstlergruppe Brücke in Dresden eine beeindruckende Talentprobe ab.

Referenz: Günter Krüger, Das druckgraphische Werk Max Pechsteins, Tökendorf 1988

12

Hede Jahn
1885 - 1935

sold

Schloss Liechtenstein (Sternberg in Mähren) 1913
Farblinolschnitt, 50,3 x 35,3 cm (Stock)
Aus der Jahresmappe 1913 der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien
Am Blattunterrand typographisch bezeichnet

Siehe auch Nr. 6

Referenz: Henrike Junge, Wohlfeile Kunst, Mainz 1989, S. 397

13

Emma Schlangenhausen
1882-1947

sold

Landschaft  1918
Holzschnitt, 27,6 x 39,1 cm (Stock)

Schlangenhausen steht in ihren figurativen und oft mystisch-verklärten Holzschnitten (siehe auch Nr. 66) den Künstlerinnen des Wiener Kinetismus nahe, die - ähnlich wie die Futuristen oder die englischen Künstler des Vortizismus - Bewegung sichtbar machen wollten. Emma Schlangenhausens Figuren sind meist von Strahlenkränzen umgeben und trotz beinahe geometrisch zu nennender Anlage der Flächen geraten ihre Motive dadurch oft in heftige Vibration. Schlangenhausen lebte zusammen mit ihrer Freundin und Schülerin Helene Taussig ziemlich zurückgezogen in Salzburg, woher vermutlich auch das vorliegende Motiv stammt.

Referenz: Sabine Plakolm-Forsthuber, Künstlerinnen in Österreich 1897-1938, Wien 1994

14

Johannes Wanke
1923-2005

sold

Felder  1983/84
Holzschnitt auf Offsetpapier, 49,8 x 64,8 cm (Blatt)
Signiert, aus dem Zyklus "Schostakowitsch", Handdruck

Veronika Birke: So wie die Farbe in der Malerei Wankes Bedeutung gewann, so verdichtete sich auch der Einfluß der Musik, der den weitgespannten Wandel von einem gegenständlichen Expressionismus zu einer weitgehend unliterarischen intuitiven Malerei in Schwarz erkennen läßt. Das Gleiche könnte man auch über die späten Holzschnitte Wankes sagen, deren expressive Kraft sich nicht aus der Sichtbarmachung des Materials Holz mit seiner bei den frühen Expressionisten so beliebten Faserstruktur ergibt, sondern die durch die Verwendung von Holzfaserplatten mit glatter Oberfläche als Druckstock einen fast schwebenden und "entmaterialisierten" Eindruck erwecken.

Referenz: Veronika Birke, Johannes Wanke Holzschnitte 1948 - 1992, Wien 1992

15

Lyonel Feininger
1871-1956

sold

Gelmeroda  1920
Holzschnitt auf Japanpapier, 33,3 x 24,6 cm (Stock)
Druck vom Originalstock, herausgegeben vom Print Club of Cleveland, The Spiral Press, New York 1958 (Print Club Publication No. 36), 1 von 10 Ex. der Vorzugsausgabe auf "Sekishu Natural Japanese handmade paper"

Dieser Holzschnitt wurde erstmals in der ersten Meistermappe des Bauhauses 1923 veröffentlicht. Feininger, Sohn eines Musikerehepaars, der mit sechzehn nach Deutschland kam und im Jahr darauf mit seinem Studium an der Königlichen Akademie in Berlin begann, galt in Deutschland als Amerikaner und in den USA nach seiner Rückkehr im Jahr 1937 als Deutscher. Der Print Club of Cleveland, der in engem Zusammenhang mit dem Cleveland Museum of Art 1919 gegründet wurde, existiert heute noch. Der Holzstock zu "Gelmeroda" war ein Geschenk von Julia Feininger, der Frau des Künstlers, an den Print Club.

Referenz: Gerhart Söhn, Handbuch der Original-Graphik (210-1), Düsseldorf 1989ff, Leona E. Prasse et al.,  The Print Club of Cleveland 1919 - 1969, Cleveland 1969 (S. 86)

16

Leo Frank
1884-1959

sold

Herbstnachmittag  1908
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 28 x 22,8 cm (Stock)
Signiert

Die Zwillingsbrüder Hans und Leo Frank, geboren 1884 in Wien, wo heute noch in der Hirschengasse im 6. Bezirk eine Gedenktafel an sie erinnert, verdankten ihre handwerklichen Fähigkeiten einerseits der Ausbildung an der Anfang des 20. Jahrhunderts schlagartig an Bedeutung gewinnenden Wiener Kunstgewerbeschule, andererseits dem Vorbild durch den als Graveur und Ziseleur tätigen Großvater. Aus der Welt ihrer Südtiroler Vorfahren bezogen sie ihre meist der Landschaft verpflichteten Motive. Interessant an den Brüdern ist die Tatsache, daß sie praktisch nur für ihre Farbholzschnitte bekannt sind und daß sie typische Kinder einer Zeit sind, in der es vor allem in Wien zu einer weitreichenden Befruchtung und Beeinflussung "absoluter Kunst" durch "angewandte" Techniken kam, wie sie beispielsweise als Luxus-Produkte der "Wiener Werkstätte" berühmt werden sollten. Von diesen sind die Franks stilistisch weit entfernt. Ähnlich wie die Brüder Neumann (siehe Nr. 10), Walther Klemm (siehe Nr. 65), Daniel Staschus (siehe Nr. 17) oder Emil Orlik absorbierten sie die Technik des japanischen Farbholzschnittes und machten diesen für die europäische Kunst nutzbar.

Referenz: Claus Jesina, Die Maler-Familie Frank, Wien 2003

17

Daniel Staschus
1872-1953

Alte Mühle  um 1910
Farbholzschnitt, 18 x 15,8 cm (Stock)
Probedruck

Siehe vorige Nummer

Referenz: Hans van der Grinten (Hrsg.), Die Frühzeit des modernen Holzschnitts, Museum Schloß Moyland 1993

18

Otto Heinrich Strohmeyer
1895-1967

Kran  1925/1926
Linolschnitt, 28,2 x 20 cm (Stock)
Mit dem Nachlassstempel, Bezeichnung "Aus dem Nachlass" und Unterschrift "J. M. Strohmeyer", hrsg. von der Galerie am Klosterstern, Hamburg 1970 zum 75. Geburtstag des Künstlers

Merkwürdigerweise scheint Strohmeyer weder in einem der größeren Künstlerlexika auf, noch wurde ihm bisher eine Monografie gewidmet, obwohl seine Arbeiten um nichts schwächer als die seiner berühmten englischen Kollegen Claude Flight, Cyril Power oder Sybil Andrews aus der sogenannten "Grosvenor School" der zwanziger und dreißiger Jahre sind. Nur ein Artikel in untenstehendem Referenzbuch widmet sich bisher ausführlicher dem Künstler, für den "Großstadt und Bewegung [...] zu den prägenden Erfahrungen der Epoche, ergänzt durch seine persönliche Neigung zur Musik" gehören. Strohmeyer stellte immerhin zusammen mit Erich Heckel (siehe Nr. 54) in der legendären Münchner Kunsthandlung Goltz aus, die auch für den "Blauen Reiter" von Bedeutung werden sollte. Mit Kandinsky verband Strohmeyer das Interesse für Abstraktion und Synästhesie.

Referenz: Rainer Stamm/Daniel Schreiber (Hrsg.), Bau einer neuen Welt, Architektonische Visionen des Expressionismus, Köln 2003

19

Hans Hartung
1904-1989

H-8-1973  1973
Holzschnitt, 39,9 x 39,7 cm (Blatt)
Künstlerexemplar, Signiert und mit H.C. ("Hors Commerce") bezeichnet

Frage: Was haben ein japanischer Stoffmuster-Entwurf von 1903, ein Holzschnitt von Jacoba Heemskerck von 1918 (siehe Nr. 21) und ein Holzschnitt von Hans Hartung aus den Siebzigern gemeinsam? Antwort: De Stijl !
Satz Nr. 1 des 1918 veröffentlichten Manifests lautet:
Es gibt ein altes und ein neues Zeitbewusstsein. Das alte richtet sich auf das Individuelle. Das neue richtet sich auf das Universelle.

Statt "das Universelle" hätte Hartung vielleicht "das Informelle" gesetzt.

20

Japanisch

  sold

Textil- oder Tapetenmuster  1903
Farbholzschnitt, 15,4 x 11,8 cm (Stock)
Erschienen in der Zeitschrift "Shin-Bijutsukai"

"Shin-Bijutsukai" bedeutet so viel wie "Neue Kunst-Vereinigung", eine von vielen japanischen Vereinigungen des beginnenden 20. Jahrhunderts, die sich zur Aufgabe gesetzt hatten, die Werke ihrer Mitglieder in Ausstellungen zu präsentieren und dadurch die Künstler gezielt zu fördern. Nicht nur in der Formulierung ihrer Ziele und Aktivitäten könnten sie für eine der europäischen Sezessionsbewegungen Pate gestanden, sondern diese auch durchaus stilistisch beeinflusst haben.

Referenz: Helen Merritt, Guide to Modern Japanese Woodblock Prints 1900-1975, Honolulu, 1992

21

Jacoba von Heemskerck
1876-1923

sold

Ohne Titel  1918
Farbholzschnitt, 14,8 x 20 cm (Stock)
Erschienen in: Expressionismus - Die Kunstwende, hrsg. von H. Walden, Verlag Der Sturm, Berlin 1918 (Museumsausgabe)

Siehe Nr. 19

Referenz: Ralph Jentsch, Illustrierte Bücher des deutschen Expressionismus, Stuttgart 1989

22

Carl Otto Czeschka
1878-1960

sold

Am Bache  1919
Farbholzschnitt, 32,5 x 47 cm (Stock)
Im Stock monogrammiert und datiert, mit Bleistift signiert
VIII. Jahresgabe der Freunde Graphischer Kunst, Leipzig 1920

Czeschka, einer der wichtigsten Gestalter der Wiener Werkstätte (siehe auch Nr. 8), ist der schönste Beweis, daß man auch mitten in der Hochblüte des Expressionismus noch dekorativ arbeiten konnte. Die im Verlag Gerlach und Wiedling 1909 erschienenen "Nibelungen" mit seinen Illustrationen gelten als eines der schönsten Bücher des Jugendstils. Ähnlich wie im Werk Hans Neumanns (siehe Nr. 10) verschmelzen im Werk Czeschkas Kunst und Gebrauchsgrafik.

Referenz: Gerhart Söhn, Handbuch der Original-Graphik (51008-1), Düsseldorf 1989ff

23

Josef Achmann
1885-1958

Lesende am Fenster  1921
Holzschnitt, 36,3 x 21,6 cm (Stock)
Probedruck
Provenienz: Sammlung Pabst

Achmann lebte durch seine Heirat mit der Schauspielerin Magda Lena, die am Münchner Residenztheater engagiert war, in gesicherten finanziellen Verhältnissen und war nicht darauf angewiesen, seine Bilder zu verkaufen. Dies mag der Grund dafür sein, daß er seine Grafiken nur für einen kleinen Freundeskreis druckte. Die Seltenheit der Blätter verzögert auch ihre Anerkennung als wichtiger Beitrag zur Grafik des deutschen Expressionismus. 1917 hatte er mit niemand geringeren als George Grosz, Max Pechstein (siehe Nr. 25) und Erich Heckel (siehe Nr. 54) ausgestellt.

Referenz: Veit Loers, Josef Achmann (1885-1958) - Gemälde und Graphik, Regensburg 1979

24

Lovis Corinth
1858-1925

sold

Brudermord (Kain und Abel)  1919
Holzschnitt auf Japanpapier, 31,9 x 40,1 cm (Stock)
Zustandsdruck, mit dem Nachlassstempel des Ateliers Corinth
Unikat

Der Holzschnitt spielt im druckgrafischen Werk Corinths eher eine untergeordnete Rolle, umso beeindruckender sind allerdings die experimentell anmutenden, fast bis zur vollständigen Abstraktion gehenden Resultate (siehe auch Nr. 41). Die Auflage auf Japanpapier dieses Holzschnittes betrug nur 15 Exemplare, im vorliegenden Fall handelt es sich allerdings um einen Zustandsdruck vor der Auflage vom unvollendeten Druckstock, der zu Zwecken der Überprüfung des Schneideprozesses angefertigt wurde. "Zustandsdrucke" sind daher von "Probedrucken" zu unterscheiden, da bei letzteren ein Abzug von der vollendeten Platte gemacht wird, um die Druckqualität zu überprüfen, nicht aber unbedingt, um noch Änderungen an der Platte vorzunehmen. Im Werk so manchen Grafikers/in (wie z.B. Edvard Munch oder Käthe Kollwitz) verschwimmen die Begriffe aber insofern, als nach jeder Auflage oder eventuell sogar nach jedem einzelnen Druck Veränderungen an der Platte vorgenommen wurden. Man spricht dann generell von einzelnen "Zuständen", welche ihrerseits wieder zu unterscheiden sind von den Veränderungen der Platte durch druck- und zeitbedingte Abnutzungen.

Referenz: Karl Schwarz, Das graphische Werk von Lovis Corinth, Berlin 1922 (H373)

25

Max Pechstein
1881-1955

withdrawn

Zwiesprache  1920
Farbholzschnitt, 40,3 x 32 cm (Stock)
Signiert und datiert
Provenienz: Sammlung Pabst

Eine druckgrafische Ikone des Expressionismus, passend zur Ikone des Jugendstils "Der Kuss" von Peter Behrens (siehe Nr. 1). Pechstein verarbeitete in einer Reihe von Holzschnitten und Lithographien die Erlebnisse seiner Südseereisen. Von den Brücke-Künstlern ist er derjenige, der am wenigsten Berührungsscheu mit der dekorativen Wirkung seiner Bilder hatte (siehe auch Nr. 11).

Referenz: Günter Krüger, Das druckgraphische Werk Max Pechsteins, Tökendorf 1988 (H 228)

26

Hans Haffenrichter
1897-1981

withdrawn

 

Tanzschild  1923
Linolschnitt, 23 x 30 cm (Blatt)
Betitelt, datiert und signiert und mit "Handdruck" bezeichnet
Provenienz: Sammlung Pabst

Bauhauslehrer Feininger (Nr. 15) trifft Bauhausschüler Haffenrichter. Interessant im Zusammenhang mit dieser Ausstellung sind auch die Parallelen bzw. Unterschiede zwischen den Künstlern des Bauhauses und der Wiener Kunstgewerbeschule (inklusive Wiener Werkstätte), die diesem zeitlich vorausging. Ihnen beiden gemeinsam könnte der im Bauhaus-Manifest (1919) von Walter Gropius enthaltene Satz sein: Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmaßung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern errichten wollte!

Referenz: Michael Pabst, Hans Haffenrichter - Retrospektive zum 90. Geburtstag des Bauhauskünstlers, München 1987 (Katalog der Galerie Pabst Nr. 18)

27

Karl Schmidt-Rottluff
1884-1976

sold

Frauenkopf  1915
Holzschnitt, 17,2 x 24 cm (Stock)
Aus: Genius, Zeitschrift für alte und werdende Kunst, Erstes Buch 1919, Kurt Wolff Verlag, Leipzig
Verso mit typografischer Bezeichnung:
Karl Schmidt-Rottluff / Kopf. Original-Holzschnitt 1915.

Zum Teil mehrbändige, almanachartige Bücher mit originalgrafischen Beilagen wie der "Genius", der auch Holzschnitte von Franz Marc, Erich Heckel, Max Kaus oder Richard Seewald enthielt, erfreuten sich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Die zumeist auf besserem Papier und mit erstaunlich hoher Druckqualität produzierten Blätter, die zwischen den Textseiten eingeheftet waren, stellten und stellen bis heute einen hohen Kaufanreiz dar. Wer allerdings auch noch im Genius nachliest, wird darin z.B. den wichtigen, von Ernst Ludwig Kirchner unter dem Pseudonym "Louis de Marsalle" verfassten Artikel über seine eigenen Zeichnungen finden.

Referenz: Ralph Jentsch, Illustrierte Bücher des deutschen Expressionismus, Stuttgart 1989 (Nr. 72)

28

Thilo Maatsch
1900-1983

sold

Ohne Titel  1924
Holzschnitt, 11,3 x 15,2 cm (Stock)
Signiert und datiert (späterer Druck)

Thilo Maatsch, der gerade am Beginn seiner Wiederentdeckung steht, war Mitglied der sogenannten "Novembergruppe", die nach der deutschen Novemberrevolution 1918 benannt wurde. Die erstaunlich hohe Anzahl der Mitglieder bezog Künstler aus unterschiedlichen Gruppierungen wie dem Bauhaus, den Futuristen, den Dadaisten, Mitgliedern des deutschen Werkbundes und Künstlern aus dem Umfeld des Sturmherausgebers Herwarth Walden bzw. des Herausgebers der "Aktion" Franz Pfemfert ein. Sie sahen sich selbst als radikal und revolutionär, und ihr Ziel  war - wen wundert es nach den Vorstößen der Sezessionisten - die Vereinigung von Kunst und Volk. Hier trafen sie auf einer Ebene mit ihren russischen Kollegen und deren hochgesteckten Zielen nach der Oktoberrevolution 1917 zusammen. Doch auch die Novembergrüppler hatten ihre Not mit dem auch für die russischen Künstler zum Verhängnis gewordenen Satz eines ganz und gar unkünstlerischen Lenins, daß, wer Hunger habe und keine Schulbildung, sich auch nicht für Kunst interessiere.

Referenz: Bodo Niemann (Hrsg.), Novembergruppe, Berlin 1994

29

Utagawa Kunisada
(1786-1864)

sold

Kabukischauspieler mit Blumenperücke (Ichikawa Ebizô V) um 1835
Farbholzschnitt, 37,6 x 25,6 cm (Blatt), rechte Seite eines Dyptichons aus der Serie "Shiki no uchi" (Die vier Jahreszeiten), Blatttitel "Fuyu" (Winter)
Stempelsignatur: Gototei Kunisada ga, Verleger: Maruya Jinpachi

Kunisada, von dem man bis heute über 20.000 Vorzeichnungen zu Einblatt-Holzschnitten und hunderte von Holzschnittbüchern verzeichnet hat, war damit sicher einer der erfolgreichsten Druckgrafiker aller Zeiten. Er löste bereits im 19. Jahrhundert eine hitzige Debatte über Qualitätsfragen bei westlichen Sammlern japanischer Kunst aus. Spätestens ab der Pariser Weltausstellung 1867 wurde der Einfluß des japanischen Farbholzschnittes zunächst auf die französische und dann vor allem auf die Kunst des Jugendstils und des Expressionismus zu einem bedeutenden Motor für die Moderne. In den anti-naturalistischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, wie der Aufgabe der Raumillusion zugunsten von geometrisierender Flächenaufteilung und Farbplan, der Aufgabe der anatomischen Richtigkeit zugunsten expressionistisch überhöhter Geste oder der zunehmenden Ornamentalisierung bis zur gänzlichen Abstraktion spiegelt sich dieser Einfluß wieder.

Referenz: Friedrich B. Schwan, Handbuch Japanischer Holzschnitt, München 2003, S. 246 ff.; Peter Pantzer/Johannes Wieninger, Verborgene Impressionen - Japonismus in Wien 1870-1930, Wien 1990; www.kunisada.de; www.kabuki21.com

30

Curt Stoermer
1891-1976

sold

"Der Gastfreund"  Nr. 5 aus der Mappe  1911
Holzschnitt, 19,5 x 17,5 cm (Stock)
Signiert und datiert
Mappe mit einem Titelblatt und sieben montierten, handsignierten und datierten Holzschnitten von Curt Stoermer. Ex. 22 der Vorzugsausgabe mit Handabzügen des Künstlers auf Japan, erschienen im Horen-Verlag Worpswede-Charlottenburg, o.J. (1911)

Stoermer, der mit Heinrich Vogeler und Karl Schmidt-Rottluff befreundet war, veröffentlichte seine ersten Holzschnitte in Herwarth Waldens Berliner "Sturm" und gilt als Vertreter des Worpsweder Expressionismus. Aus seinen Figuren ist alles Individuelle verschwunden, seine Gesichter haben etwas Maskenhaftes und erinnern eher an tierische Urformen als an Menschen. Die expressionistische Überhöhung in der Bewegungsdarstellung seiner Figuren läßt einerseits einen Anknüpfungspunkt zu den Kabuki-Darstellungen zu, läßt aber andererseits auch die körperlichen Deformationen eines Francis Bacon vorausahnen.

Referenz: Curt Stoermer 1891 - 1976, Lübeck 1991

31

Hans Orlowski
1894-1967

sold

Knaben auf der Straße  1920
Holzschnitt, 25,1 x 19,8 cm (Stock)
Signiert, datiert und als "Selbsthanddruck 5" bezeichnet sowie mit der Werknummer 54 versehen

Als Orlowski 1918/1919 bei Philipp Franck in Berlin studierte, war die Stadt ein Hauptort des deutschen Expressionismus. Im Allgemeinen gilt Ernst Ludwig Kirchner als der bedeutendste Chronist des Berliner Straßenlebens der zwanziger Jahre, aber Orlowski hatte seinen ganz eigenen Blickwinkel auf intime Details des Urbanismus. Orlowski holt fast immer eine oder höchstens zwei Personen sehr nahe an den Betrachter, während sich das eigentliche Geschehen im Hintergrund abspielt. Fast möchte man meinen, er wäre durch die gerade aufblühende filmische Technik des Close-Up inspiriert worden.

Referenz: Elisabeth Rücker/Günter und Ursula Feist, Der junge Hans Orlowski, ein deutscher Expressionist. Unbekannte Blätter von 1915 bis 1923 aus einer DDR-Privatsammlung, Nürnberg 1978

32

Karl Jakob Hirsch
1892-1952

Madonna  1917
Holzschnitt koloriert, 13,5 x 10,5 cm (Stock)
Nummeriert und signiert

Hirsch wurde vor allem durch seine Veröffentlichungen in Franz Pfemferts, die sozialen Mißstände der Zeit anprangernden Zeitschrift "Die Aktion" (siehe Nr. 28) bekannt. Neben seinen  Radierungen sind aber vor allem die handkolorierten Holzschnitte kleine - und dies ist vor allem auf das fast immer kleine Format zu beziehen - Meisterwerke der Druckgrafik. Hirsch beweist vor allem ein untrügliches Gefühl für eine subtil ausbalancierte Verteilung heller und dunkler Flächen über ein Gesamtformat, wobei durch die Kolorierung oft der Eindruck von bunter Bleiverglasung entsteht und das Figürliche weitgehende Abstraktion erfährt. Mit dem nächsten Blatt von Kolo Moser hat Hirsch die rhythmisch-ornamentale Strukturierung durch das Schwarzliniengeflecht gemeinsam - freilich ist dieses bei Moser jugendstilmäßig organisch, bei Hirsch im Sinne des Expressionismus anorganisch-amorph ausgelegt.

Referenz: Peter Elze, Karl Jakob Hirsch - Das druckgraphische Werk, Worpswede 1994

33

Kolo Moser
1868-1918

Tanz  1902
Zinkklischee-Druck (?) nach Farbholzschnitt, ca. 15,4 x 14,9 cm (Stock)
Aus: Ver Sacrum, Jahrgang V, 1902, Heft 18, S. 270

Hexen, Nixen und Parzen bevölkerten die Illustrationen des Wiener Werkstätte Mitbegründers Kolo Moser zu einem Artikel über Rudolf von Alt im Ver Sacrum (siehe auch Nr. 3). Und auch der "Tanz" gehört zu diesem Zyklus von Illustrationen, neben denen jeweils das Wort "Original-Holzschnitt" prangt. Der Umstand, daß es vom Druckergebnis her oft unmöglich zu unterscheiden ist, ob ein Druck von einer Holzplatte oder einem davon hergestellten Zinkklischee gemacht ist (was im Ver Sacrum ohne weitere Bezeichnung beides vorkam), veranlasste Hans Hofstätter im Zusammenhang mit Jugendstilgraphik nicht von Druckgraphik, sondern allgemein von Druckkunst zu sprechen, denn es handelt sich um eine wesentliche Erweiterung unserer Vorstellung von Druckgraphik. Der "Originalität" von Mosers Illustrationen tut dies keinen Abbruch.

Referenz: Maria Rennhofer, Koloman Moser - Leben und Werk 1868-1918, Wien 2002 (S. 64); Maria Rennhofer, Kunstzeitschriften der Jahrhundertwende in Deutschland und Österreich 1895-1914, Wien/München 1987 (S. 119); Hans H. Hofstätter, Jugendstil - Graphik und Druckkunst, St. Gallen 2003 (S. 15 f)

34

Heinrich Ehmsen
1886-1964

Leben und Tod  1911
Holzschnitt auf Japanpapier, 41,5 x 27,1 cm (Stock)
Signiert und datiert, am Blattunterrand von fremder Hand bezeichnet "Leben und Tod"

Siehe Nr. 7

Referenz: Peter Kruska, Heinrich Ehmsen - Zeichnungen und Druckgrafik aus dem Bestand der Heinrich-Ehmsen-Stiftung, Kiel 2003

35

Franz Marc
1880-1916

sold

Schöpfungsgeschichte I  1914

Holzschnitt auf Japanpapier, 23,9 x 19,9 cm (Stock)
Aus der 3. Bauhausmappe von 1925. Mit doppeltem Trockenstempel des Bauhauses und dem Stempel sowie der Bestätigungssignatur von Maria Marc verso

Die wenigsten Holzschnitte von Marc sind signiert, da er 1916 erst 36-jährig, im ersten Weltkrieg fiel. Hier über sein Leben oder seine Bedeutung für den "Blauen Reiter" zu schreiben, erübrigt sich. Weniger bekannt sein dürfte allerdings, daß als eine der Nachfolgepublikationen des Almanachs "Der blaue Reiter" eine illustrierte Bibelausgabe geplant war, zu der Marc, Kandinsky, Heckel und Kubin Originalgrafiken beisteuern sollten. Dieses Projekt war in der Planungsphase bereits relativ weit fortgeschritten, als es durch Kandinskys Abreise nach Russland und Marcs frühen Tod zum Abbruch kam. Marc  sollte die Illustrationen zur Schöpfungsgeschichte beisteuern und in diesem Zusammenhang ist wohl der vorliegende Holzschnitt zu sehen.

Referenz: Klaus Lankheit, Franz Marc Katalog der Werke, Köln 1970
Heinz Peters, Die Bauhaus-Mappen, Köln 1957

36

Norbertine Bresslern-Roth
1891-1978

Stürzender Steinbock  um 1922
Farblinolschnitt auf Japanpapier, 20,1 x 25,1 cm (Platte)
Signiert und mit "Handdruck" bezeichnet

Im Gegensatz zu Franz Marc lag es Norbertine Bresslern-Roth fern, sich in ihren Tierdarstellungen der Abstraktion anzunähern und in ihnen mehr eine Idee als die reale Darstellung zu sehen. Aber obwohl Bresslern-Roth einen Gutteil ihrer Virtuosität dem akribischen Naturstudium verdankt, sind ihre Linolschnitte, für die sie hauptsächlich berühmt ist, keineswegs als naturalistisch zu bezeichnen. Sie sind in der restlosen Ausnutzung sämtlicher Möglichkeiten des Mediums, in ihren perfekten Proportionen, den am Jugendstil geschulten dekorativen Elementen sowie der expressionistischen Zuspitzung des Ausdrucks in ihrer Art fast zeitlos.

Referenz: Malcolm C. Salaman, Masters of the Colour Print 7 - Bresslern Roth, London 1930

37

Paul Émile Colin
1867-1949

Le cheval au bain  1902
Holzschnitt, 9,1 x 12,2 cm (Stock)
Nummeriert und signiert

Paul Colin wurde vor allem für seine für die Pariser Shows von Josephine Baker angefertigten Plakate berühmt. Der impressionistische Effekt des vorliegenden kleinen Holzschnittes ist vermutlich nicht nur eine Folge des an der französischen Malerei geschulten Auges Colins, sondern verdankt seine Entstehung auch der Tradition des im 19. Jahrhundert fast ausschließlich angewandten Verfahrens des Holzstichs, bei dem mit einem Grabstichel ganz nach Art des Kupferstichs feine Linien in eine Stirnholzplatte gestochen werden. Die Zeichnung wird also von den weißen Linien gebildet und nicht von schwarzen Flächen, wie dies z.B. bereits für die in die Zukunft weisenden flächigen Holzschnitte Vallottons gilt. Nun ist Colins Arbeit kein Holzstich im eigentlichen Sinn, sondern er steht an der Schwelle einer Zeit, in der die Druckgrafik durch zahlreiche Experimente und Kombinationstechniken einen ungeheuren Innovationsschub erhielt.

Referenz: Karen C.C. Dalton/Henry Louis gates jr., Josephine Baker and Paul Colin: African American Dance seen through Parisian Eyes in: Critical Inquiry, Vol. 24/4, Chicago 1998

38

Eva Choung-Fux
geb. 1935

sold

Ohne Titel  1976
Farbholzstich auf Japanbütten, 38,8 x 36,8 cm (Stock)
Nummeriert, datiert und signiert

In untenstehendem Katalog werden die Arbeiten von Choung-Fux, die sie selbst expressis verbis als "Farbholzstiche" (siehe vorige Nummer) bezeichnet, unter "Technisches zur Arbeit" folgendermaßen charakterisiert: Druckträger: Buchenverbundholz / Werkzeug: verschiedene Grabstichel / Papier: ungebleichtes und gebleichtes, handgeschöpftes Japanpapier / Farben: Windsor and Newton Ölfarben / Druckmaschine: Kniehebel-Handdruckpresse / Art der Auflage: Edition Variable (Unikatsequenzen)
Die künstlerische Beschäftigung mit Druckgrafik setzt eben auch die Liebe zum Material voraus.

Referenz: Kurt Ingerl (Hrsg.), Österreichische Holzschneider heute, Wien o.J. (1980)

39

Kurt Schwitters
1887-1948

sold

Ohne Titel  1919
Holzschnitt, 18,9 x 12,1 cm (Stock)
Aus: Das Kestnerbuch, hrsg. von Paul Küppers, Heinrich Böhme Verlag, Hannover 1919

Einer der wenigen Holzschnitte von Schwitters, dem zu seiner dadaistischen Botschaft das Medium der Collage passender erschien. Aber neben den im Kestnerbuch sonst noch publizierten Holzschnitten von Barlach, Feininger, Heckel, Plünnecke und Viegener nimmt sich das Blatt von Schwitters wie ein frecher, surrealistischer Scherz aus. Rückblickend wurde aus dem Scherz nach 1945 hochseriöse Kunst. Schon Kandinsky hatte am Beispiel der  Brücke-Künstler kritisiert, die  Bildthematik des Expressionismus würde sich allzu oft in "Tänzerinnen" und dergleichen erschöpfen. Für Arp und Lissitzky war der Expressionismus nichts weiter als ein "falscher Hase, das metaphysische deutsche Beefsteak".

Referenz: Gerhart Söhn, Handbuch der Original-Graphik (130-12), Düsseldorf 1989ff, Ralph Jentsch, Illustrierte Bücher des deutschen Expressionismus, Stuttgart 1989 (Kat. 53)

40

A.R. Penck
geb. 1939

Olympia  1988
Farbholzschnitt, 74,6 x 55,3 cm (Stock)
Signiert

Der zu den "Neuen Wilden" zählende Penck (eig. Ralf Winkler), gebürtiger Ostdeutscher und öffentlicher Befürworter der deutschen Vereinigung zu DDR-Zeiten, hatte wenig Berührungsängste mit Gebrauchsgrafik. Nachdem er 1980 in den Westen übersiedelte, schuf er ein Jahr vor der Wiedervereinigung diesen großformatigen Farbholzschnitt anläßlich der Olympiade in Seoul, deren Organisatoren auch eine "Olympiade der Kunst" ausgerufen hatten.

41

Lovis Corinth
1858-1925

sold

Rückwärts gebeugter weiblicher Akt  1919
Holzschnitt, 25,2 x 23,3 cm (Stock)
Signiert

Siehe auch Nr. 24

Referenz: Karl Schwarz, Das Graphische Werk von Lovis Corinth, Berlin 1922 (H369)

42

Curt Stoermer
1891-1976

Osiris  um 1910
Holzschnitt handkoloriert, 19,5 x 17,5 cm (Stock)
Nummeriert und signiert

Siehe Nr. 30

Referenz: Curt Stoermer 1891 - 1976, Lübeck 1991

43

Erika Giovanna Klien
1900-1957

Lichtbrechung II  um 1930
Linolschnitt auf Japanpapier, 41 x 23,9 cm (Platte)
Aus: 12 Original-Linolschnitte, 1929-1932,  München, Galerie Pabst, 1986 (Nr. 3/50)
Erstdruck von den Original-Platten, die sich heute in der Universität für Angewandte Kunst in Wien befinden. Die Kassette erschien in einer einmaligen Auflage von 50 nummerierten Exemplaren.

Erika Giovanna Klien, Hauptvertreterin des Wiener Kinetismus, befasst sich in ihren  Blättern mit den Themen der Bewegung des Menschen, dem Vogelflug oder der Brechung des Lichts. Der Begründer des Kinetismus, Franz Čižek, der auch die legendäre Jugendkunstklasse an der Wiener Kunstgewerbeschule leitete, definierte den Kinetismus als eine vom griechische Wort "kinein" abgeleitete Kunstrichtung, deren Ziel es sei,  dem Betrachter mit dem Dargestellten den Eindruck rhythmisch strukturierter Bewegung zu suggerieren. Die Serienaufnahmen mit Studien des menschlichen und des tierischen Bewegungsablaufs von Eadweard Muybridge aus dem späten 19. Jahrhundert könnten dabei Pate gestanden haben.

Provenienz: Sammlung Pabst

Referenz: Michael Pabst, Wiener Kinetismus, E.G. Klien, München 1986 (Katalog 16 der Galerie Pabst), www.sammlung-pabst.org

44

Roy Lichtenstein
1923-1997

Polemic  1959
Holzschnitt auf dickem Japanpapier, 25,2 x 52,3 cm (Blatt)
Schutzumschlag für: Polemic, a journal of contemporary ideas, Vol. IV, No. 1, 1959
Gedruckt vom Original-Holzstock

Schrauben, Nägel, Ketten, Büroklammern: es gibt nichts, von dem der Holzstock in der Hand Lichtensteins verschont geblieben wäre. Hier war noch ein anderer, dunklerer und beinahe böser Lichtenstein unterwegs als in den späteren Siebdrucken der Pop Art - eben ein "Polemisierender". Mary Lee Corlett: For a brief time in the late 1950s, Lichtenstein was a latecomer to the abstract expressionist style. This is visible in his last two prints of that decade. Both were made for 'Polemic,' a literary-art journal published by the student council at Adelbert College, Western Reserve University in Cleveland, Ohio.

Referenz: Mary Lee Corlett, The Prints of Roy Lichtenstein: A Catalogue Raisonné 1948-1997, Hudson Hills Press 2002

45

Hans Neumann
1873-1957

sold

Möven  1919
Farbholzschnitt, 33,8 x 23,7 cm (Stock)
Im Stock monogrammiert, datiert, signiert und als "Originalholzschnitt" bezeichnet sowie mit Ortsangabe "München" versehen
Aus: VIII. Jahresgabe der Freunde Graphischer Kunst, Leipzig 1920

Siehe Nr. 10

46

Erika Giovanna Klien
1900-1957

Vogelflug  um 1930
Linolschnitt auf Japanpapier, 35 x 25,5 cm (Platte)
Aus: 12 Original-Linolschnitte, 1929-1932,  München, Galerie Pabst, 1986 (Nr. 3/50)

siehe Nr. 43

47

Franz Herberth
1907-1973

Ohne Titel  1955
Farblinolschnitt auf Büttenkarton, 22,4 x 36,4 cm (Platte)

Franz Herberths als Linolschnitte kaum erkennbare, kleine Wunderwerke der Druckkunst möchte man im Gegensatz zu Giovanna Klien nicht als "kinetistische" sondern als "kinetische" Kunst bezeichnen. Sie versuchen nicht, Bewegung vorzutäuschen, sondern erleben den Zustand ihres höchsten Glücks in der absoluten Balance des In-sich-selbst-Ruhens. So gesehen stehen sie fast der Zen-Philosophie nahe, und Herberth war so bescheiden, daß er seine Drucke selten signierte.

Referenz: Erika Patka (Hrsg.), Franz Herberth - Neue Dimensionen der Druckgrafik um 1950, Wien 2003

48

Artur Sahlén
1882-1945

Bacchustag  1912
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 18 x 32 cm (Stock)
Im Stock monogrammiert und datiert, betitelt, signiert und als "Orig. Träsnitt" bezeichnet

Referenz: Thieme/Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 29/30, S. 315, Leipzig 1999

49

Wilhelm Laage
1868-1930

Die Stumpfsinnigen  1898
Farbholzschnitt auf Bütten, 22,5 x 25,7 cm (Schwarzstock)
Signiert, Druck von 1907

Wilhelm Laage gehörte zu den führenden Vorläufern des deutschen Expressionismus. Alfred Hagenlocher: Als Erneuerer des Holzschnitts in Deutschland steht er, in Verwandtschaft zu Edvard Munch, in der vordersten Reihe des Aufbruchs zum 20. Jahrhundert.

Referenz: Alfred Hagenlocher, Wilhelm Laage - Das Graphische Werk, München 1969 (17 III)

50

Friedrich König
1857-1941

Der Alchimist  1899
Farbholzschnitt, 16,1 x 13,8 cm (Stock)
Signiert
Aus: Gründerausgabe des Ver Sacrum II

siehe auch Nr.3

Referenz: Christian M. Nebehay, Ver Sacrum 1898 - 1903, München 1979

51

František Kupka
1871-1957

sold

Promenade d'un trait blanc  1921
Holzschnitt auf papier vergé antique, 12,5 x 10 cm (Stock)
Aus: Louis Arnould Grémilly, Frank Kupka, Paris 1922

Man könnte es dem musikalisch und synästhetisch begabten Kupka zutrauen, daß sein "weißer Strich" auf den Wolken-, Haar- und Dampf-Formationen von Lenz, König und Heckel "spaziert" wäre.

Referenz: http://www.artbohemia.cz/21358-promenade-d-un-trait-blanc

52

Maximilian Lenz
1860-1948

Ohne Titel  1903
Farbholzschnitt, 14,2 x 13,1 cm (Stock)
Aus: Max Klinger Beethoven XIV. Kunstausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession, April-Juni 1902, gedruckt bei Adolf Holzhausen in Wien

Siehe Nr. 33

53

Friedrich König
1857-1941

Ohne Titel  1903
Holzschnitt, 15,1 x 14,2 cm (Stock)
Aus: Max Klinger Beethoven XIV. Kunstausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession, April-Juni 1902, gedruckt bei Adolf Holzhausen in Wien

Siehe Nr. 33

54

Erich Heckel
1883-1970

sold

Segelboot  1907
Holzschnitt, 15,9 x 21,7 cm (Stock)
Aus: Zeitschrift für Bildende Kunst, 55. Jg., 1919
Druck vom Originalstock

Ursprünglich für die 3. Jahresmappe der Künstlergruppe Brücke 1908 geschaffener früher Holzschnitt Heckels.

Referenz: Annemarie und Wolf-Dieter Dube, Erich Heckel - Das Graphische Werk Band 1, New York 1974

55

Oskar Kokoschka
1886-1980

sold

Die Träumenden Knaben  1908
Strichätzung auf Papier, 10,3 x 8,7 cm (Platte)
In der Platte monogrammiert, zusätzlich mit Bleistift monogrammiert
Original auf braunen Kraton aufgezogen

Titelvignette zum gleichnamigen Buch, herausgegeben von der Wiener Werkstätte. Ein Großteil der Auflage blieb unverkauft und wurde mit anderem Einband 1917 vom Kurt Wolff Verlag in 275 Exemplaren noch einmal aufgelegt.

Referenz: Werner J. Schweiger, der junge Kokoschka, Wien 1983

56

Léopold Survage
1879-1968

Ohne Titel  1934
Holzschnitt, 22,4 x 16,4 cm (Stock)
Als "épreuve d'essai négative 1/2" bezeichnet, signiert und datiert

Survage, aus dem russisch besetzten Finnland stammend aber in Paris lebend, "fut melé à la grande bataille cubiste" - war also laut Roger Avermaete im großen Kampf der Kubisten engagiert.

Der Ausdruck "épreuve négative" weist darauf hin, daß eine Hochdruckform in Art eines Tiefdruckes verwendet wurde, wobei die Farbe in die Vertiefungen gebracht, die Platte saubergewischt und die Farbe dann in einer Presse aus dem Papier gesaugt wurde. Der normale Abdruck kam also von den hochliegenden Flächen per Handdruck und der "negative" von den tiefliegenden in der Druckpresse. Im vorliegenden Fall aber - was der "positive" Druck, der seitenverkehrt ist, beweist - wurde von einem fertigen Abzug von der Holzplatte einfach ein Abklatsch hergestellt. Deswegen auch der zarte Farbauftrag. Es handelt sich also um eine seitenrichtige Monotypie in nur zwei Exemplaren.

Referenz: Claire Leighton Woodengravings and Woodcuts, London 1932 (über das Negativverfahren), Roger Avermaete, La gravure sur bois moderne de l'occident, Paris 1928 (S. 274)

57

Gerhard Marcks
1889-1981

Finstere Wolke  1961
Holzschnitt, 35,4 x 24,6 cm (Stock)
Signiert

Marcks, eigentlich Bildhauer, hinterließ ein umfangreiches Holzschnittwerk, das bis auf seine Zeit als Bauhauslehrer in den zwanziger Jahren zurückreicht und ihn sein ganzes Leben bis zum Tod im Jahre 1991 begleitete. Noch zur Jubiläumsausstellung zu seinem neunzigsten Geburtstag schuf Marcks einen großformatigen Linolschnitt für ein originalgrafisches Plakat der Galerie Nierendorf in Berlin.

Referenz: Kurt Lammek, Gerhard Marcks - Das druckgraphische Werk, Stuttgart 1990

58

Erich Buchwald-Zinnwald
1884-1972

sold

Sternenhimmel über Zinnwald  1915
Farbholzschnitt, 30,5 x 40,1 cm (Stock)
Betitelt, signiert und datiert sowie mit "Originalholzschnitt Handdruck" bezeichnet

Kasimir Malewitsch schrieb sinngemäß, wer auf dem Land lebe, fände zu einer anderen Formsprache als ein Städter, selbst im Falle beide malten abstrakt.
Erich Buchwald, ein Dresdner, der aufs Land zog, um dort zu bleiben, nahm den Namen der ihn inspirierenden Landschaft an. Das trifft auch noch für Malewitsch und das gleiche Jahr zu, in dem Buchwalds vorliegender Farbholzschnitt entstand und Malewitsch eine Ikone des 20. Jahrhunderts schuf. Während Buchwald Sterne sah und diese in schönster Jugendstilmanier zu einem dekorativen Reigen formte, attestiert Malewitsch der russischen Nacht "absolute Schwärze". Wo  wohl das "Schwarze Quadrat" seinen Ursprung nahm?

Referenz: Hans van der Grinten (Hrsg.), Die Frühzeit des modernen Holzschnitts, Museum Schloß Moyland 1993

59

Horst Janssen
1929-1995

sold

Speicherstadt  1958
Farbholzschnitt, 89,3 x 65,4 cm (Blatt)
Nummeriert, signiert und datiert
Variante mit braunem Holzstock
Erstdruck der Galerie Brockstedt aus dem Jahr 1979 von den Originalstöcken unter Aufsicht Horst Janssens

Als der amerikanische Fotograf Will McBride ins zerbombte Nachkriegsdeutschland kam, um dort seine berühmten Schwarz-Weiß-Fotoserien für den "Stern" zu schaffen, stellte er fest, daß - von den neonfarbenen USA der 50s in den deutschen Winter kommend - alles grau war: die Menschen, die Häuser, die Landschaft. Alle Farbe war ausgelöscht, dafür gab es eine unendliche Zahl grauer Töne und Schattierungen. Keine Beschreibung könnte besser auf Janssens "Speicherstadt" von 1958 passen. (Siehe auch Nr. 5)

Referenz: Hans Brockstedt, Horst Janssen Holzschnitte 1957-1961, Hamburg 1987 (H14, dort ohne braunen Holzstock)

60

Oskar Dalvit
1911-1975

Ohne Titel  50er Jahre
Farbholzschnitt auf schwarzem Papier, 44,1 x 31,1 cm (Blatt)
Signiert

Oskar Dalvit: Es ist mir immer wichtig gewesen, mannigfaltige Aspekte zur Einheit zu verdichten und die beiden Pole Gefühl und Intellekt ins Gleichgewicht zu setzen. Sie sind die Schalen der Waage, welche, auf eine "Mitte" bezogen, Gewähr bieten, daß diese Einheit sich einst zur zusammenfassenden Ganzheit kristallisieren wird.

Referenz: Oskar Dalvit, Oskar Dalvit, Bern 1950, Alfons Rosenberg (Vorw.), Oskar Dalvit Graphik, Zürich 1971

61

Heine Rath
1873-1920

Eisblumen  um 1910
Farbholzschnitt und Prägedruck, 20,8 x 29,8 cm (Stock)
Signiert, veröffentlicht von der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien, Vorzugsausgabe

Der Prägedruck ist eigentlich ein sehr altes Druckverfahren, allerdings nicht in Zusammenhang mit Papier. Schon im Mittelalter wurde es z.B. zur dekorativen Gestaltung von Pracht-Ledereinbänden verwendet. Wenn man an Grafik denkt, denkt man zunächst einmal im Gegensatz zur Malerei an ein gänzlich flaches Ergebnis. Bei der Lithografie trifft das auch tatsächlich zu, aber schon beim Kupferstich oder der Radierung spricht man von sogenannten "Graten", an deren Vorhandensein oder Fehlen man den Abnutzungsgrad der Metallplatte erkennen kann. Druckgrafik, besonders der Holzschnitt und natürlich auch der Prägedruck mit seinen interessanten Licht-und Schatteneffekten, schließt aber durchaus auch räumliche und haptische Aspekte mit ein.

62

Klaus Süß
geb. 1951

Sommer  1987
Farbholzschnitt auf schwerem Karton, 50 x 70 cm (Blatt)
Rückseitig betitelt, signiert und datiert und als "Probe" bezeichnet

Auch in den Holzschnitten des aus Chemnitz stammenden Klaus Süß, den man als echten Spätexpressionisten bezeichnen könnte, spielt die greifbare Materialität eine Rolle (siehe vorige Nummer). Durch pastose Farbaufträge beim Druck erzielt er Effekte, die mehr an ein gemaltes Ölbild erinnern als an das, womit man normalerweise vielleicht das Wort "Druckgrafik" verbindet.

Referenz: http://www.grafikbrief.de/kuenstler/kuenstler.php4?num=7

63

Broncia Koller-Pinell
1863-1934

Leid  um 1908
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 29 x 30 cm (Stock)
Mit dem Nachlass-Stempel

Als Broncia Koller auf der von Gustav Klimt initiierten "Kunstschau" 1908 in Wien ausstellte, galt das als offizielle Bestätigung ihrer Zugehörigkeit zum Klimt-Kreis. Das Verzeichnis der Graphik-Künstler in Raum 21 und 23 der Schau, wo auch die Farbholzschnitte Kollers gezeigt wurden, liest sich wie ein "Who's Who" der Wiener Kunstszene um Secession, Kunstgewerbeschule und Wiener Werkstätte. Auch Frank (siehe Nr. 16), Czeschka (siehe Nr. 22) und Klemm (siehe Nr. 65) waren dort übrigens zu sehen.

Referenz: Sabine Plakolm-Forsthuber, Künstlerinnen in Österreich 1897-1938, Wien 1994, Tobias Natter (Hrsg.), Broncia Koller Pinell, Wien 1993, Agnes Husslein-Arco (Hrsg.), Gustav Klimt und die Kunstschau 1908, München 2008

64

Japanisch

sold

Entwurf für einen Kimono  um 1900
Farbholzschnitt, 22,3 x 32,3 cm (Stock)

Durch die Weltausstellungen in Wien 1873, Paris 1889 und 1900, Mailand 1906 aber auch durch die VI. Ausstellung der Wiener Sezession 1900 war Japan nicht nur bei Künstlern in aller Munde. Der stilistische Einfluß Japans auf den Jugendstil, aber z.B. auch auf die Entwicklung der abstrakten Kunst in Europa war weitreichend. Künstler wie Emil Orlik fuhren nach Japan, um sich im japanischen Farbholzschnitt unterweisen zu lassen. Das Blatt von Walther Klemm (siehe nächste Nummer), der durch Emil Orlik zum Holzschnitt und an die Wiener Kunstgewerbeschule kam, ist ein schönes Beispiel für die Faszination, die Japan auf die Sezessionskünstler zu Beginn  des 20. Jahrhunderts ausübte.

65

Walther Klemm
1883-1957

Silberreiher  zwischen 1903 und 1910
Farbholzschnitt, 24,9 x 19,6 cm (Stock)
Signiert und als "Handdruck" bezeichnet

Siehe vorige Nummer

Referenz: Walter Scheidig, Walther Klemm als Graphiker, Dresden 1959

66

Emma Schlangenhausen
1882-1947

Tröstung  um 1918
Holzschnitt, 38,3 x 23 cm (Stock)
Betitelt und signiert

Siehe Nr. 13

67

Vlastislav Hofman
1881-1970

sold

Maria  um 1918
Holzschnitt (Linolschnitt?), 17,5 x 13,9 cm (Stock)
Am Blattunterrand von fremder Hand bezeichnet "Vlastislav Hofman Prag"
Probedruck

Hofmann war ein typischer Vertreter des tschechischen Kubismus, der in fast allen Kunstsparten, außer vielleicht der Musik, heimisch war. Er war Maler, Architekt, Designer, Grafiker, Bühnenbildner und schrieb kunsttheoretische Artikel u.a. für den Almanach "Musaion", der von Karel Čapek redigiert wurde.

Referenz: Gerhart Söhn, Handbuch der Original-Graphik (27808-2), Düsseldorf 1989ff,  http://www.vlastislavhofman.cz

68

Erich Buchholz
1891-1972

sold

Großer Kreis mit kleinem Kreis  1919/20
Holzschnitt auf hauchdünnen Japanpapier, 23,3 x 20,2 cm (Stock)
Monogrammiert, datiert und mit "Hand" bezeichnet

Neben seinen Holzreliefs, die er meist in den Farben rot, schwarz und Gold bemalte und die zum Stärksten gehören, was die geometrische Abstraktion der zwanziger Jahre zu bieten hat, druckte Erich Buchholz seine Holzschnitte gern mit Ölfarben auf hauchdünnes Japanpapier. Nicht nur die dadurch entstehenden und mit der Zeit orange vergilbenden Fettränder, sondern auch das durch die Feuchtigkeit gekrumpfte Papier geben den Blättern, wie dem vorliegenden, einen über reine Flächenkunst hinausgehenden dreidimensionalen Reiz. Fast wäre man geneigt zu glauben, Buchholz hätte in diesen Blättern dem Papier Reliefcharakter abzwingen wollen.

Referenz: Uwe Sachsofsky, Erich Buchholz, Bern 2004

69

Walter Wahlstedt
1898-1972

Er, der Kommende  1923
Linolschnitt handkoloriert, 24 x 15 cm (Bildausschnitt)
Signiert, datiert, nummeriert und betitelt
Druck und Kolorierung von 1966

 

 

 


 

download

home news geöffnet/open about contact/imprint links press tour

archiv/achives/webkataloge