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Zwischen Metropolis und Arkadien
Orte zwischen Traum und Realität 1850-1950
22.9. - 22.12.2017


Eröffnung: 22. September, 19 Uhr
English
Objekte/artworks

Die Romantik kannte Orte der Sehnsucht, erträumte Landidyllen, aber auch ideale Städte, wie sie z.B. im Werk Adalbert Stifters beschrieben werden. Im fortgeschrittenen 19. Jahrhundert führte die zunehmende Industrialisierung zu einer Verarmung der Landbevölkerung und in der Folge zur ersten großen Landfluchtbewegung. Das Anwachsen der Großstädte lässt neben dem wohlhabenden Bürgertum ein Lumpenproletariat entstehen. Kunst und Literatur reagieren auf die neuen Lebensumstände, die in Form der künstlerischen Bohème - die Not zur Tugend machend - auch gefeiert werden. Allerdings erleben zahlreiche Künstler, vor allem jene, die nach 1900 aus ländlichen Gebieten in die explosionsartig anwachsenden Städte ziehen, auch eine Art Schock und reagieren auf sehr unterschiedliche Weise.

Der Schriftsteller Alfred Döblin und der Maler und Zeichner George Grosz sind die bitterbösen Chronisten der von Korruption und Exaltiertheit brodelnden 4-Millionenstadt Berlin während der zwanziger Jahre, das letzterer hämisch "unser beschmiertes Paradies" nennt. Die Futuristen finden schon zu einer Zeit, als Grosz noch expressiv-realistisch zeichnet, teils in Herwart Waldens Sturm-Galerie ein Dach, um ihre im Amalgam zwischen Kubismus, Kinetismus und Dada angesiedelten Technologie- und Untergangsfantasien zu feiern. Der Russe Kasimir Malewitsch hält in seiner programmatischen Schrift "Die gegenstandslose Welt" fest, ein Künstler, der in der Stadt lebe, müsse zwangsläufig Themen der Technik aufgreifen, während ein Künstler am Land eben immer Kühe male. Malewitsch geht sogar so weit zu behaupten, daß der Künstler der Kühe in der Stadt unglücklich werden müsse, was es zu verhindern gelte. Die Brücke-Künstler, die aus dem eher beschaulichen Dresden nach Berlin übersiedelt waren, entwickeln einen eigenen Großstadtstil, bevor der Ausbruch des ersten Weltkrieges alles durcheinanderwirbelt. Ernst Ludwig Kirchner setzt sich in die Schweizer Alpen ab, um fortan hier sein Umfeld zu verewigen. Schon zuvor hatten die Münchner 'Neo-Romantiker' des "Blauen Reiter" Franz Marc und August Macke,  bevor sie ins Feld zogen um dort jung zu sterben, eine mehr der Utopie als der Realität geschuldete Vision der Natur zum Thema ihrer Bilder gemacht.

In der sich auch über das Ende des Krieges ausdehnenden Zeit des deutschen (und seiner Spielart des österreichischen) Expressionismus bleibt die Großstadt und ihre zunehmende Dekadenz während der Weltwirtschaftskrise ein Hauptthema. In Amerika wird die politisch dunkle Zeit der Prohibition während der zwanziger und dreißiger Jahre Thema des städtischen Expressionismus. Im Gegensatz dazu ist die künstlerische Darstellung expressiver und utopisch erträumter Landschaften als Rückzugsgebiet für den sowohl finanziell als auch geistig ausgebluteten Großstadtmenschen nicht nur für die Zwischenkriegszeit symptomatisch. Einige Künstler, allen voran Paul Gauguin, hatten noch vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges ihre Heimatstädte verlassen und als Ausdruck von Zivilisationsmüdigkeit ihr Glück im fernen Süden gesucht. Sie hielten ihre auf die Zurückgebliebenen exotisch wirkenden Eindrücke von fremden Völkern, Landschaften und Tieren in teils realistischer, öfter aber noch in expressiv bis surrealistisch überhöhter Weise fest.

Nach 1918 konnte die Beschäftigung mit Landschaft Ausdruck für Resignation oder auch Neuaufbruch sein. Im Laufe der zwanziger Jahre erfahren dann im Zuge der "Neuen Sachlichkeit" sowohl Stadt- als auch Landschaftsvision bei manchen Künstlern wie Georg Schrimpf oder Gerd Arntz eine Läuterung, fast bis zur Geometrisierung, wobei der Mensch zuerst zum Piktogramm mutiert um dann ganz zu verschwinden. Dies kann mit trockener Ironie oder großem Ernst verbunden sein. Mit Anbruch der Naziherrschaft wird jeglicher Expressionismus a priori mit dem Stempel "entartet" versehen. Doch noch während der alles verschlingenden Katastrophe des 2. Weltkrieges betreiben einige der "entarteten" Künstler, die das Exil im Heimatland der Auswanderung vorzogen, expressive Landschaftsdarstellung als eine Art von Eskapismus, und ein paar Schüler der ersten Expressionisten-Generation bieten Anfang der fünfziger Jahre als Landschaftsgestalter und missachtete Vertreter der Figuration der nun alles beherrschenden abstrakten Kunst von resigniert bis trotzig die Stirn.

Between Metropolis and Arcadia
Places between dream and reality 1850-1950


see artworks


The Romantic period was one of sentimentality, dreamy rural idylls but also ideal cities, as described in the work of Adalbert Stifter, for example. In the late nineteenth century, increasing industrialisation led to the impoverishment of the rural population and to the first major migration away from the countryside as a result. The growth of the cities gave rise to both a wealthy bourgeoisie and a lumpenproletariat. Art and literature reacted to the new living conditions, which were also celebrated – making a virtue out of necessity – in the form of an artistic bohemia. At the same time, many artists, particularly those who moved after 1900 from rural areas to the rapidly growing cities, experienced a form of shock to which they reacted in very different ways.

The writer Alfred Döblin and the painter and illustrator George Grosz were bitter chroniclers of Berlin during the 1920s with its four million inhabitants, a city seething with corruption and excitement. Grosz even described it sardonically as “our besmirched paradise”. At a time when Grosz was still drawing in the expressive realist style, the Futurists had already found a home in Herwart Walden’s Sturm-Galerie, where they could celebrate their technology and doom fantasies in a style combining Cubism, Kineticism and Dada. In his manifesto The Non-Objective World,the Russian Kasimir Malevich states that an artist who lives in the city must inevitably address technological themes, while an artist in the country will continue to paint cows. He even goes as far as to say that the cow artist would be unhappy in the city, which should be prevented. The Brücke artists, who had moved to Berlin from the more tranquil Dresden, developed their own urban style, before the outbreak of the First World War churned everything up. Ernst Ludwig Kirchner settled in the Swiss Alps, henceforth painting his surroundings. Earlier in the century the Munich neo-romantics Franz Marc and August Macke of the Blauer Reiter group depicted a vision of nature that was more utopian than realistic, before they were called up to fight – and die all too young – in the war.

After the war, the city and its increasing decadence during the world economic crisis remained a major theme in German Expressionism (and in its own way in the Austrian version). In the USA, the politically dark period of prohibition during the 1920s and 1930s was a subject of urban Expressionism. By contrast, the artistic portrayal of expressive and utopian landscapes as an escape for the financially and intellectually impoverished city dweller was symptomatic not only of the inter-war years. Even before the outbreak of the First World War, some artists, starting with Paul Gauguin, had left their homelands in an expression of their weariness with civilisation to seek their happiness in the distant south. They captured their impressions of foreign peoples, landscapes and animals in a realistic but also frequently exaggerated expressive or surrealistic style in a manner that appeared exotic to those left behind.

After 1918, a focus on landscapes was also sometimes an expression of resignation or hope for the future. In the trend towards New Objectivity during the 1920s, both urban and rural visions experienced a purification to the point of consisting of geometric forms, as seen in the works of artists like Georg Schrimpf or Gerd Arntz, in which humans were reduced to pictograms before disappearing altogether. This was done sometimes with dry irony and sometimes in great seriousness. When the Nazis came to power, all forms of Expressionism were labelled a priori “degenerate”. But during the all-consuming disaster of the Second World War some of the “degenerate” artists, who preferred exile in their own country to emigration, continued to paint expressive landscapes as a form of escapism, and in the early 1950s a few of the students of the first Expressionist generation turned their back in defiance or resignation on the all-conquering abstract art, portraying landscapes and remaining as disdained representatives of figurative art.

     
       
    Metropolis    
         

1

 

Honoré Daumier
1808-1879

Intérieur d'un omnibus  1864
Holzstich auf Zeitungspapier, 15,8 x 22,2 cm
aus: "Le monde illustré", 1864

100

2

Gustave Doré
1832-1883

Over London - By Rail  1872
Holzstich (Stecher Adolphe Francois Pannemaker)
auf Zeitungspapier, 19,7 x 24,5 cm
Erschienen im Supplement zu Harper's Weekly, 9. November 1872 als Folge 8 von "London: A Pilgrimage. By Gustave Doré and Blanchard Jerrold. To be Completed in Twelve Parts."

120

3

Heinrich Richter-Berlin
1884-1981

Centrum Berlin (Café Vaterland) 1919
Lithographie auf Maschinenbütten, ca. 22 x 18 cm
Blatt eines geplanten, aber nie veröffentlichten Mappenwerks "November-Gruppe 1919".  Die anderen Blätter, die als Einzeldrucke existieren, stammten von Hans Brass (siehe Kat. Nr. 8), Willy Zierath, Georg Tappert, Otto Nagel, Moriz Melzer (siehe Kat. Nr. 9), Cesar Klein, Paul Paeschke, Rudolf Grossmann, Hans Meid, Wilhelm Schmid und Otto Lange.
Die Novembergruppe wurde 1918 als Reaktion auf die Novemberrevolution in Berlin gegründet, zählte ursprünglich 170 Mitglieder und führte Künstler sämtlicher Avantgardebewegungen der Zeit zusammen.

300

4

Félix Vallotton
1865-1925

Cinq Heures (Fünf Uhr)  1901
Holzschnitt auf getöntem Velinpapier,  16,5 x 12,2 cm
Ex. 25/30, mit Bleistift signiert und nummeriert, sowie mit dem Prägestempel des Verlegers Sagot. Aus der 6-teiligen Serie "L'Éxposition universelle" von 1901.

3500

5

Frank Brangwyn
1867-1956

Straßenszene  um 1919
Holzschnitt auf Bütten, handkoloriert, 20,5 x 18 cm
Probedruck mit handschriftlicher Anweisung Brangwyns an seinen Drucker: "Blue to be as shown above/first print the orange then the blue./then print on top for no 3 the whole of the block/in a warm grey then for no 4 print only the part in black or blue as shown in the cut proof". Möglicherweise war das Motiv für den Gedichtband "Les Villes tantaculaires" von Émile Verhaeren (veröffentlicht 1919) bestimmt, der ganzseitige Holzschnitte Brangwyns enthielt, wurde dort aber nicht verwendet (siehe Kat. M 9).

650

6

George Grosz
1893-1959

Nächtliche Straße  ca. 1912
Kohlezeichnung auf Transparentpapier, ca. 28,5 x 15 cm
Signiert "Groß" und verso mit der Nachlassnummer „4 155 5“ bezeichnet.
Der gebürtige Berliner Georg Groß, der sich ab 1916 als Kriegsgegner demonstrativ den amerikanisierten Namen George Grosz zulegte, signierte diese Zeichnung noch mit "Groß". Grosz, der nach einer Kindheit in Hinterpommern (heute Polen) in Dresden studierte, kehrte 1912 nach Berlin zurück und legte mit zahlreichen Studien des Straßenlebens den Grundstein zu seinem Werk, das ihn als bedeutendsten Chronisten Berlins in der Zwischenkriegszeit ausweist. In dieser ersten Berliner Zeit seines Wirkens ist auch unsere Kohlestudie anzusiedeln, die noch den für die frühen Jahre typischen, weich geschwungenen, "krakeligen" Stil aufweist. Erst gegen 1915 sollte dieser dem später so typischen kantigen, verknappten  Stil der oft in Mappenwerken und Büchern fotolithographisch reproduzierten  Federzeichnungen ("Das Gesicht der herrschenden Klasse", "Ecce Homo" etc.) weichen.

auf Anfrage

7

Conrad Felixmüller
1897-1977

Hamburg  1917
Holzschnitt auf Japanpapier, 10,8  x 11,9 cm
Betitelt, datiert und signiert. Ex Stadtmuseum Dresden (getilgter Inventarstempel auf ehemaligem Untersatzkarton).
Einer von wenigen Handabzügen vor der Veröffentlichung in Franz Pfemferts Zeitschrift "Die Aktion" (Heft 37/38, Sept. 1917).

2500

8

Hans Brass
1885-1959

Lessingbrücke Berlin  1919
Holzschnitt auf Maschinenbütten, 19,7 x 25 cm
siehe Kat. Nr. 3

650

9

 

Moriz Melzer
1877-1966

Spreebrücke Berlin  1919
Lithographie auf Maschinenbütten, ca. 20,8 x 25,6 cm
siehe Kat. Nr. 3

450

10

Otto Heinrich Strohmeyer
1895-1967

Hochbahn  1925/1970
Linolschnitt auf Japanpapier, 28 x 20 cm
Mit dem Nachlass-Stempel und der Signatur von Strohmeyers Witwe. Nr. 4 aus "Hamburgische Abstraktionen", 11 Linolschnitte von Otto Heinrich Strohmeyer aus den Jahren 1925 bis 1926, gedruckt 1970 anläßlich des 75. Geburtstages des Künstlers von der Galerie am Klosterstern Hamburg als Handabzüge in einer Auflage von 50 Stück, Ex. 10

300

11

Charlotte Hilmer
1909-1958

Straßenmusikanten  um 1930
Holzschnitt auf Japanpapier, 54,7 x 37,2 cm
Zweifacher Signaturstempel am Blattunterrand.
Probedruck mit Handkorrekturen in schwarzer Farbe.
Charlotte Hilmer, geboren in Hamburg als Charlotte Weigel, studierte 1930 bis1933 bei Anton Kolig in Stuttgart und ist eine typische Vertreterin der sogenannten "Verschollenen Generation". Nach einer regen Ausstellungstätigkeit mit neuen Werken in der Nachkriegszeit geriet Hilmer nach ihrem frühen Tod schnell in Vergessenheit. Neben den wenigen, dem Expressionismus verpflichteten Schwarz-Weiss-Holzschnitten gibt es auch Farbmonotypien aus den dreißiger Jahren von ihr. Im Zentrum steht immer der Mensch und seine Umgebung, sei sie urbaner oder ländlicher Natur. Blätter von Charlotte Hilmer sind selten.

900

12

Jan Wiegers
1893-1953

Café Duval  1925
Holzschnitt auf Japanpapier, 39,1 x 26,3 cm
Posthume Auflage mit Signaturstempel rechts unten.

300

13

Willem Anthonie (Wim) Oepts
1904-1988

Straßenszene  um 1927
Holzschnitt auf dünnem Japanpapier, 19,3 x 24,8 cm
Nummeriert "No. 2." und signiert "Wim Oepts".
Oepts, der in seinem angestammten Beruf Maschinentechniker war, wurde von Charley Toroop (der Tochter Jan Toroops) in die Amsterdamer Kunstszene der zwanziger Jahre, der Künstler wie  John Rädecker, Gerrit Rietveld oder Kurt Schwitters angehörten, eingeführt.

750

14

Wilhelm Traeger
1907-1980

Wien 1932 - Zeitungsstand  1932
Linolschnitt auf Büttenpapier,  ca. 32,3 x 45 cm
aus: Wien 1932, Mappe mit 10 signierten und nummerierten Linolschnitten, Nr. V/X der Vorzugsausgabe zum 70. Geburtstag von Wilhelm Traeger, hrsg. von der Edition Tusch, Wien 1977

Mappe komplett
1800

15

Cary Hauser
1895-1985

Im Aufzug  1921
Holzschnitt auf Büttenpapier, ca. 13,8 x 10,8 cm
Signiert. Eines von 500 Ex. Aus dem "Buch der Träume". Neuauflage von 1976 der Galerie Pabst Wien/München des erstmals 1921 in kleiner Auflage erschienen Buches. Gedruckt von den Originalstöcken bei Profildruck Wien unter Aufsicht des Künstlers.

150

16

Cary Hauser

Büßerinnen  1921
Holzschnitt auf Büttenpapier, ca. 14 x 10,5 cm
Siehe vorige Katalognummer.

150

17

Max Thalmann
1890-1944

By the Canal  1924
Holzschnitt auf Velinpapier, 17 x 14,3 cm
Signierter Probedruck Nr. "28" für das geplante Mappenwerk "Amerika im Holzschnitt" im Verlag Eugen Diederichs, das wohl in der Verlagswerbung angekündigt, aber nie veröffentlicht wurde. Von den 30 Motiven, die es enthalten sollte, sind 28 in wenigen Probe- oder Einzeldrucken erhalten. "Amerika im Holzschnitt. Vom Rhythmus der neuen Welt" erschien schließlich 1927 bei Diederichs in einer Buchausgabe mit verkleinerten Reproduktionen der beiden Zyklen "Amerika im Holzschnitt" und "Rhythmus der neuen Welt". Extrem selten.

900

18

Otto Rudolf Schatz
1900-1961

Brooklyn Bridge  1936/37
Tuschpinselzeichnung über Abdruck bzw. Frottage von Holzstock,
ca. 32 x 46 cm, monogrammiert.
O. R. Schatz, berühmt sowohl für seine sozialkritischen Holzschnitte  und Darstellungen menschenleerer Industrielandschaften aus den zwanziger Jahren als auch für seine Farbgemälde von New York, schuf diese Reisestudie über einem Hintergrund, der die Düsternis der Szene verstärkt und dessen experimentelle und im Werk von Schatz wohl einmalige Behandlung dem Blatt einen besonderen Reiz verleiht. Schatz zog zu diesem Zeitpunkt die Emigration in die USA in Betracht, kehrte aber dann doch ins Vorkriegswien zurück. Gerade bei den Bildern von New York steht bei Schatz im Gegensatz zu Grosz oder Masereel, bei denen es fast immer um den urbanen Menschen in Beziehung zur ihn umgebenden Masse geht, menschenleere Architektur im Vordergrund. Nicht zuletzt deswegen sind seine Bilder aber auch Allegorien auf die Einsamkeit des Menschen inmitten urbanen Trubels.

3500

19

Wassily Masjutin
1884-1954

Wettlauf mit der Zeit  1942
Holzschnitt auf Papier, ganzflächig auf Trägerpapier kaschiert,
19 x 7,2 cm
Schlussillustration aus dem Buch "Wettlauf der Zeit" von Fritz Meixner, erschienen 1942 in der Serie "Die neue Bücherei" im Wiking Verlag Berlin.
In Fritz Meixners Groschenroman wird wohl zum ersten Mal in der Geschichte öffentlich die Möglichkeit angesprochen, mit der Sprengung eines New Yorker Wolkenkratzers weltweit "ein Zeichen zu setzen". Man schreibt das Jahr 1942 und in dieser, in flüssigem Kolportagestil geschriebenen Science-Fiction-Geschichte wird mit keinem Wort erwähnt, daß man sich im Krieg befindet, noch daß sich das Erzählte um "Fiction" handeln könnte. Die Deutschen sind die Guten, sie haben nur das Wohl der Welt im Sinn und ziehen deswegen aus aller Welt die besten Forscher an, die sich in weitläufigen unterirdischen Raumfluchten bzw. auf einer nicht näher definierten unbewohnten Insel mitten im Meer der Entwicklung einer mysteriösen Maschine widmen. Bis kurz vor Schluss wird der Leser darüber im Unklaren gelassen, was mit dieser Maschine bezweckt wird, nur daß sie dem "Guten" und "Richtigen" dient, welches, wie man kurz vor Schluss erfährt, in der Beseitigung der amerikanischen Lügenpresse in Gestalt der Tageszeitung "New York Star" besteht. Und so wird eines frühen Abends das mitten in Manhatten befindliche Redaktionsgebäude besagten "New York Stars" lange vor Al-Kaida und ganz ohne Flugzeuge, einfach durch die Fernwirkung mysteriöser "Wellen" mitsamt der Belegschaft unter weltweitem Applaus dem Erdboden gleichgemacht. Goebbels hätte es nicht besser erfinden können.

100

         
    Arkadien    
         

20

Monogrammist G.K.

Meerlandschaft mit Wanderer  um 1850
Wasserfarbe auf Aquarellpapier, 24,8 x 34,8 cm (Blatt)
Monogrammiert. Im originalen Biedermeierrahmen.

900

21

Camille Corot
1796-1875

Souvenir d'Ostie  1855
Cliché-verre auf Salzpapier, 28,6 x 36,4 cm (Blatt)
In der Glasplatte signiert. Ex. 145/150 der Edition Le Garrec 1921; mit dem Stempel der Herausgeber Sagot et Le Garrec verso und der handschriftlichen Nummerierung.

1200

22

Auguste Lepère
1849-1918

Sonntag vor den Thoren von Paris  (Bucolique moderne) 1901
Farbholzschnitt auf Chine-collé, 26,3 x 38,9 cm
Im Stock bezeichnet "ALepère/Paris 1901", auf Karton montiert, dieser mit typographischer Bezeichnung "Sonntag vor den Thoren von Paris (Bucolique moderne) Farbiger Originalholzschnitt von A. Lepère". Aus: Jahresmappe der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien 1901

250

23

Lucien Pissarro
1863-1944

In the Field  1894
Farbholzschnitt mit Golddruck auf Japanpapier, 11,5 x 7,7 cm
Auf Blattunterrand mit Bleistift betitelt "The Queen of the Fishes". Eines von 20 Ex. neben der Buchauflage von: Margaret Rust, "The Queen of the Fishes", mit 12 Farbholzschnitten von Lucien Pissarro, erschienen in 150 Ex. bei der Eragny Press, London 1894.

650

24

Arthur Illies
1870-1952

Motiv aus Schwartau  1904
Kaltnadelradierung auf Velinpapier, 13,4 x 9 cm
Mit dem Prägestempel des Künstlers. Exemplar außerhalb der Auflage von 14 nummerierten Abzügen aus dem Vorbesitz von Gustav Schiefler (siehe auch Kat. Nr. 37 und 39). Illies bearbeitete hier die Zinkplatte ohne Anwendung von Säure mit Sandpapier, Nadel und anderen Instrumenten.

800

25

Hugo Henneberg
1863-1918

Weitenegg  um 1903
Farbholzschnitt auf Velinpapier, 20,2 x 20,6 cm
Mit dem Nachlass-Stempel verso. Probedruck. Dem Format nach möglicherweise als Vorlage für den Jahrgang 1903 der Zeitschrift "Ver Sacrum",  der in diesem Jahr zahlreiche Reproduktionen von Farbholzschnitten der Wiener Sezessionskünstler enthielt,  geplant. In diesem Jahrgang wurden von Henneberg insgesamt 6 Farbholzschnitte reproduziert, worunter sich aber keine der Ansichten aus der Wachauserie befinden. Hugo Henneberg wurde vor allem als Fotograf und in Beziehung mit der Technik des sogenannten Gummidrucks, der Fotografie und Stimmungsmalerei zu vereinen vermag, berühmt.  Er fertigte aber auch Holzschnitte für die Werkstatt von Carl Moll an, die letzterer mit seiner eigenen Signatur versah.

900

26

Rose Friedrich
1877-1953

Landgut mit Pappeln  um 1900
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 14,5 x 20 cm
unsignierter  Probedruck

600

27

Hans Neumann
1873-1957
 

Badefreuden  1903
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 24 x 17 cm
Bezeichnet, datiert und signiert.

750

28

Hermann Kosel
1896-1983

Südbahnhotel Semmering Austria  ca. 1932
Lithographie auf Plakatpapier, 93,4 x 61,1 cm
Druck von Christoph Reisser‘s Söhne, Wien. Das im Historismus-Stil 1882 errichtete Südbahnhotel, seinerzeit eines der größten Hotels auf dem Kontinent, war auf dem Anfang der dreißiger Jahre entstandenen Werbeplakat für den traditionellen Hotelgast wohl kaum noch wiederzuerkennen. In der Zwischenkriegszeit hatte das Hotel  zahlreiche Erweiterungsbauten erhalten, wobei es laufend modernisiert wurde. Dem Einbau einer Garage und der Umgestaltung des Eingangsbereiches in Sinne der "Neuen Sachlichkeit" folgte 1932 als Markstein das von den Otto-Wagner-Schülern E. Hoppe und O. Schönthal entworfene Hallenbad, das durch bewegliche Glasfenster im Sommer zum Freibad umfunktioniert werden konnte. Es ist nicht schwer zu erraten, daß vor allem diese neue Errungenschaft auf dem Plakat beworben werden sollte.

950

29

Arthur Segal
1875-1944

Vom Strande (Nr. 4)  1912
Holzschnitt auf Velinpapier, 19,8 x 24,8 cm
Aus: Vom Strande, Acht Original-Holzschnitte von Artur Segal, Erstes der graphischen Eine Mark-Flugblätter von A. R. Meyer, Berlin-Wilmersdorf, 1913

300

30

Hans Otto Schönleber
1889-1930

Blütenbaum  1926
Holzschnitt auf Japanpapier, 30,1 x 49,5 cm
Signiert, betitelt und nummeriert 7/50.

900

31

Paul Gauguin
1848-1903

L'Enlèvement d'Europe (Die Entführung der Europa)  1898/1899
Holzschnitt auf Japanpapier, ca. 24 x 23 cm
Einer von 25 Abzügen aus 1928 von Pola Gauguin mit dessen eigenhändiger Signatur. Verso mit dem Stempel der Sammlung Henri Marie Petiet, der Pola Gauguin zu seinem engeren Bekanntenkreis zählte und dieses Blatt sicher von ihm persönlich erhalten hatte.

5000

32

Wenzel Hablik
1881-1934

Turmfalke  1909
Radierung auf Kupferduckpapier, 19,5 x 19,5 cm
Aus dem Radier-Zyklus "Schaffende Kräfte", erstmals erschienen 1909. Vorliegend posthumer Druck der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg mit Nachlass-Stempel verso.

180

33

Ewald Mataré
1887-1965

Weide (XXVII B)  1928
Farbholzschnitt auf Japanbütten, ca. 20,4 x 26,3 cm
In Bleistift betitelt und signiert. Einer von wenigen Handdrucken.

5500

34

Richard Seewald
1889-1976

Der Hirte  1918
Holzschnitt mit Schablonenkolorierung, 23,9 x 17,8 cm
Erschienen in: "Genius - Bilder und Aufsätze zu alter und neuer Kunst", erstes Buch, Kurt Wolff Verlag, München 1919.

sold

35

Gerd Arntz
1900-1988

Viehwagen  1924
Holzschnitt auf dünnem Japanbütten, 20,6 x 27,8 cm
Signiert und datiert  in Bleistift  „Arntz 24“ und betitelt sowie bezeichnet „Viehwagen (12 Dr)“. Einer von wenigen, raren Handdrucken.

3000

36

Hans Neumann
1873-1957

Jungbullen auf der Weide  1908
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 25,5 x 18 cm
Datiert, bezeichnet und signiert.

750

37

Ernst Ludwig Kirchner
1880-1938

Mondnacht (Selbstporträt mit Ziehharmonika   1924
Holzschnitt auf Velinpapier, 17,7 x 12,6 cm
Einer von zwei bekannten Abzügen; Probedruck für eine geplante Veröffentlichung in Will Grohmanns Buch "Zeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner" (erschienen 1925), die dann aber unterblieb. Der erste Besitzer dieses Blattes war Gustav Schiefler, der das erste Verzeichnis des grafischen Werkes von E. L. Kirchner verfasste (erster Band 1926). Das Motiv gibt einen Teil des 1924 mit dem gleichen Titel entstandenen Ölgemäldes wieder, das sich heute im Städel Museum in Frankfurt/Main befindet.

8000

38

Franz M. Jansen
1885-1958

Zwei Menschen-Bilder (Leitlied)  1922
Holzschnitt auf Maschinenbütten, 31,5 x 24,9 cm
Erstes Blatt (Illustration zum Textblatt "Leitlied") aus einem Konvolut von 40 unsignierten Einzelblättern zu Richard Dehmels Epos "Zwei Menschen" (1903).
Text des Leitliedes: "Öffne still die Fensterscheibe, die der volle Mond erhellt; zwischen uns liegt Berg und Feld und die Nacht, in der ich schreibe. Aber öffne nur die Scheibe, schau voll über Berg und Feld, und hell siehst du, was ich schreibe, an den Himmel schreibe: Wir Welt!"
Die ursprünglich 44 Holzschnitte, 5 Textschnitte und 23 Varianten umfassende Folge ging auf eine Begegnung zwischen Jansen und Dehmel im Jahre 1913 zurück und sollte als Mappenwerk im E. A. Seemann Verlag erscheinen, wozu es aber nie kam. Ein Teil der Auflage soll dennoch gedruckt worden sein, und es ist anzunehmen, daß die hier vorliegenden Blätter dieser nicht verlegten Auflage zuzurechnen sind. Jansen selbst stellte wenige eigenhändig entworfene Mappen mit signierten Handdrucken zusammen.
Ansicht der anderen Blätter auf Anfrage.

Konvolut:
900

39

Karl Schmidt-Rottluff
1884-1976

Russischer Wald  1918
Holzschnitt auf Velinpapier, 20,1 x 26 cm
Signiert und mit der Werknummer "1829" bezeichnet. 
Provenienz: Nachlass Gustav Schiefler (siehe auch Kat. Nr. 37)

8500

40

Carl-Heinz Kliemann
1924-2016

Große Havellandschaft  1948
Farbholzschnitt, 39,2 x 49,2 cm
Signiert. Blatt 6 der Mappe "7 Farbholzschnitte".  Einer von 15 Handabzügen. Kliemann war so wie Heinrich Wildemann (siehe Kat. Nr. 44 Büro/Bibliothek) ein Schüler Karl Schmidt-Rottluffs.

1800

 

Addendum

     

41

Margarete Hamerschlag
1902-1958

Im Hof  um 1928
Holzschnitt auf Japanpapier, 29,7 x 41 cm
Probedruck. Provenienz: Nachlass M. Hamerschlag
Ausgestellt in: Die bessere Hälfte, Jüdische Künstlerinnen bis 1938; Jüdisches Museum Wien vom 4.11.2016 bis 1.5.2017,

1800

42

Conrad Felixmüller
1897-1977

November  1947
Holzschnitt auf Japanpapier, 12,3 x 9,9 cm
Betitelt und signiert. Am Blattunterrand bezeichnet: "Malerei bei Gabelentz in Schloss Poschwitz".
Einer von 5 Probedrucken zur Folge "Jahr des Malers", erschienen als Jahresgabe 1970/71 der A. Oelschlägerischen Buchdruckerei, Calw im Schwarzwald.
Im Vorwort erklärt Felixmüller das Motiv: "Im November male ich bei meinem langjährigen Kunstfreund Hanns-Conon von der Gabelentz den Park des Schlosses seiner Väter." Gabelentz war seinerzeit Direktor des Lindenau-Museums im thüringischen Altenburg, das eine der weltweit größten Sammlungen an Grafikmappen des deutschen Expressionismus beherbergt.

600

43

Giorgio de Chirico
1888-1978

L'énigme de la fatalité  1911-14/1975
Farblithographie in 8 Farben auf Bütten, 64 x 46 cm
Ex. V/XXV mit dem Trockenstempel des Verlegers A. Caprini, Roma. Signiert. Das Motiv ist eine exakte, stark vergrößerte Wiederholung einer Zeichnung aus einem Manuskript Chiricos, das in seinen Pariser Jahren zwischen 1911 bis 1914 entstand und sich im Besitz von Paul Éluard befand.

2800

44

Heinrich Wildemann
1904-1964

Zwei Menschen in Landschaft  um 1940
Holzschnitt auf Büttenpapier, 35 x 29 cm
Einer von wenigen Handdrucken. Mit dem Nachlass-Stempel verso. Wildemann war ein Schüler Karl Schmidt-Rottluffs (siehe Kat. Nr. 39). Sein Werk wurde zum Großteil bei einem Bombenangriff während des 2. Weltkrieges zerstört.

750

45



Monogrammist VK

Fantastische Gebirgslandschaft  1922
Holzschnitt auf Velinpapier, 44,8 x 54,4 cm

300

 

 

Vitrinen:

 

 

 

 

Metropolis

 

 

M1





anonym

Album Photographique Éxposition 1900
Leporello mit 18 Fotografien in Lichtdruck, A. Taride Editeur, Paris 1900
Die Fotos zeigen Orte des Weltausstellungsgeländes 1900 in Paris. Der Eiffelturm stand schon seit der Weltausstellung von 1889.

50

M2


Otto Rudolf Schatz
1900-1961
Josef Luitpold
1886-1966

Die neue Stadt  1927
Text von Josef Luitpold. Bild- und Textholzschnitte von O. R. Schatz.  Druck auf  Bütten mit Schöpfrand. Druck der Buchdruckwerkstätte G.m.b.H. Berlin, Büchergilde Gutenberg, Berlin 1927

500

     


 

M3

Frans Masereel
1889-1972
Arthur Holitscher
1869-1941

Der Narrenbaedeker  1925
Aufzeichnungen aus Paris und London.
Text von Arthur Holitscher und 15 Holzschnitte sowie Einbandzeichnung von Frans Masereel.  S. Fischer, Berlin 1925 (EA)
Auf Einspruch des Baedeker Verlages musste nach Veröffentlichung der Titel in "Narrenführer" geändert werden. Daher gelangte nur ein Teil der ersten Auflage in den Verkauf.

100

M4


Frans Masereel
1889-1972


Business-man  1920
Holzschnitt auf Maschinenbütten, 20,6 x 16,3 cm
in:  Genius - Bilder und Aufsätze zu alter und neuer Kunst.  
Hrsg. von Carl Georg Heise und Hans Mardersteig, Druck der Offizin Haag-Drugulin Leipzig, Kurt Wolff Verlag, München 1920.
Mit 5 ganzseitigen Originalgrafiken auf Extrapapieren mit rückseitiger typographischer Bezeichnung und zwar: die Lithographie "Tröstung" von Georg Ehrlich sowie die Holzschnitte "Mädchenkopf" von Erich Heckel, "Kopf" von Max Kaus, "Business-man" von Frans Masereel und "Kopf" von André Rouveyre. Weiters 7 Holzschnitte von Frans Masereel zum Textbeitrag über Frans Masereel  von Henry van de Velde sowie "Ein Besuch bei Kirchner - Eine Holzschnittfolge in elf Bildern" von Nele van de Velde.

600

     


 

M5

 

Otto Rudolf Schatz
Josef Luitpold

Die Rückkehr des Prometheus  1927
Josef Luitpold: Die Rückkehr des Prometheus, 31 Gedichte. Einbandentwurf, Titelseite, 12 ganzseitige sowie 21 Textholzschnitte von Otto Rudolf Schatz; Buchmeisterverlag Berlin, 1927; Erstausgabe
Praktisch druckfrischer Zustand.

70

M6

 

Otto Nückel
1888-1955

Destiny  1930
A Novel in Pictures. 188 Bleischnitte von Otto Nückel
Farrar & Reinhart, New York 1930

200

M7

 

Curt Swan
1920-1996

Superman  1977-1979
4 Hefte des im Juni 1938 erstmals als Comic präsentierten Superhelden, der Metropolis (=New York) seit damals vor diversen Schurken zu beschützen hat und nebenbei ein bürgerliches Leben führt.

15
je Heft

M8

Marcel Słodki
1892-1943
Hans Janowitz
1890-1954

Asphaltballaden  1924
Mit 16 (4 ganzseitigen) Original-Lithographien von Marcel Slodki.
Die Schmiede, Berlin 1924
Der Pole Marcel Słodki, der u.a. Mitarbeiter in Franz Pfemferts "Die Aktion" war und ab 1924 in Paris lebte, wurde 1943 von den Nazis nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.

200

M9

Frank Brangwyn
1867-1956
Émile Verhaeren
1855-1916

Les Villes tantaculaires  (Die ausufernden Städte) 1919
20 Gedichte von Émile Verhaeren, erstmals publiziert in 1895. Mit einer ganzseitigen Lithographie und 47 (davon 4 ganzseitigen) Holzschnitten von Frank Brangwyn; Helleu & Sergent Éditeurs, Paris 1919. Eines von 230 Ex. auf Arches Bütten.
Gedichtdyptichon zusammen mit "Les Campagnes hallucinées" (siehe Kat. Nr. A5), in dem Verhaeren die Verelenden der Großstädte in symbolträchtiger Sprache zu seinen Helden macht. Eine Art poetischer Vorläufer zu "Blade Runner". Dazu passend die dunklen Bilder von Straßenschluchten und undefinierbaren Menschenmassen des Frank Brangwyn, nicht allzu weit entfernt von Gustave Dorés London (siehe Kat. Nr. 2), doch mit der Übersteigerung des dort noch vorherrschenden Realismus ins Expressive. Im Jahre 1900 hatte London bereits über 5 Millionen Einwohner, Berlin wuchs zwischen 1871 und 1920 von 800.000 auf fast 4 Millionen Einwohner. Verhaerens Übersetzer Stefan Zweig über Verhaeren: "Gerade das Unruhige und Geschäftige, das Verwirrte und Atemlose, das Gehetzte, Eifernde, Fiebernde, Brünstige, das babylonisch Verwirrte reizt ihn an. In alle Länder ist damals Verhaeren gefahren...unkundig der Sprache und nur horchend auf die Stimme der Stadt selbst, auf das fremde, finstre Rauschen, auf die Meeresbrandung der europäischen Metropolen."

350

     


M10

Václav Mašek
1893-1973
V.L. Majakovskij
1893-1930

150.000.000  1925
Erschienen bei V. Petr (Edice Atom), Prag 1925. Erste Ausgabe auf Tschechisch (Übersetzung Bohumil Mathesius). Die Illustrationen sind Zinkhochätzungen nach Zeichnungen von Václav Mašek, die Vorder- und Rückseite des Einbandes Linolschnitte.
Die russische Originalfassung des berühmten Gedichtes erschien 1921.  Majakovskij schildert dort seine Visionen eines Endkampfs zwischen Kapitalismus und Sozialismus in einem apokalyptischen Chicago der zwanziger Jahre, in dem selbst die Augenbrauen der Menschen elektrisch hochgezogen werden.

300

M11

Max Pechstein
1881-1955

An alle Künstler  1919
Mit Beiträgen u.a. von Johannes R. Becher, Ludwig Meidner, Max Pechstein ("Was wir wollen") und Walter Hasenclever. Umschlagzeichnung von Max Pechstein. Berlin 1919
Eines von vielen, aber vielleicht das berühmteste und eines der frühesten Manifeste aus dem Umkreis der Novembergruppe (siehe Kat. Nr. 3, 8, 9). Mit Abb. nach Grafiken u.a. von César Klein, Lyonel Feininger, Heinrich Richter-Berlin und Georg Tappert.

300

M12




Karl Rössing
1897-1987

Irdisches Wohlergehen  1928
Aus: "Mein Vorurteil gegen diese Zeit" 1927- 1931. Erstveröffentlichung als Buch 1932 in der Büchergilde Gutenberg, wobei die Holzstiche dort nur reproduziert wurden. Hier als Mappe mit 26 von den erhaltenen Holzstöcken gedruckten, signierten und nummerierten Holzstichen. Publikation der Salzburger Landessammlungen Rupertinum 1984, Ex. 34/99

Mappe
komplett
1500

 

 

Arkadien

 

 

A1

 

Franz Hölzlhuber
1826-1898

Ansichten der Kronprinz Rudolf-Bahn  1876
"Ansichten der Kronprinz Rudolf-Bahn längs der Strecke von Kastenreith durch's G'säus bis Selzthal-Liezen. Mit besonderer Berücksichtigung der hohen Gebirge wie sich dieselben vom Waggon aus repräsentiren. Nach der Natur aufgenommen und gezeichnet von Franz Hölzlhuber." Druck und Verlag von L. C. Zamarski, Wien 1876;  30-fach gefaltetes Leporelloalbum, bestehend aus 10 lithographierten Tafeln, diese jeweils ca. 13 x 47 cm; Variante mit blauer und oranger Tonplatte.

450

A2

Rockwell Kent
1882-1971

Rockwellkentiana  1933
Few words and many pictures by R.K. and, by Carl Zigrosser, a bibliography and list of prints; Harcourt, Brace and company, New York 1933. Druck der Lakeside Press. Texte und Verzeichnis des grafischen Werkes von Rockwell Kent, der das Buch selbst gestaltet hat.

60

A3



Otto Rudolf Schatz
1900-1961

Zwölf Holzschnitte  1923
12 in Passepartouts montierte Original-Holzschnitte von Otto Rudolf Schatz. Alle auf dünnem Japan-Bütten (unterschiedliche Formate) und mit Blaustift monogrammiert ORS. Mappe mit Marmorpapierbezug. Vorwort von  Erika Tietze-Conrat. Thyrsos-Verlag, Leipzig und Wien 1923

1800

A4




Ernst Ludwig Kirchner
1880-1938

Ausstellung von Graphischen Arbeiten von E. L. Kirchner  1920
Katalog für die Ausstellung in der Kunsthandlung Ludwig Schames in Frankfurt/Main 1920. Mit drei Originalholzschnitten (davon einer auf dem Umschlag). Aus dem Besitz des Bonner Kunsthistorikers Heribert Reiners (mit seinem Namenszug auf dem Vorsatz).

1400

A5






Georges Braun
Émile Verhaeren

Les Campagnes hallucinées  1926
Mit Illustrationen von Georges Braun. René Kieffer, Paris 1926
Halbledereinband mit Marmorpapierbezug. Originalbroschur mit ornamentalem Titel eingebunden. Eines von 1000 Ex. auf Velinpapier.
(Siehe Beschreibung Kat. M9)

80

A6




Otto Mueller
1874-1930

Badende  1920
Lithographie auf Velinpapier, ca. 17,5 x 14 cm
In: Kurt Pfister, Deutsche Graphiker der Gegenwart, Verlag Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1920; mit ganzseitigen Original-Lithographien von Lovis Corinth, Max Liebermann, Käthe Kollwitz, August Gaul, Rudolf Grossmann, Alfred Kubin, Paul Klee, George Grosz, Otto Mueller, Max Unold, Karl Caspar, René Beeh, Adolf Schinnerer, Ludwig Meidner, Max Beckmann sowie Original-Holzschnitten von Ernst Barlach, Richard Seewald, Heinrich Campendonk, Erich Heckel, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, Lyonel Feininger und Conrad Felixmüller. Die Radierungen wurden in Lichtdruck wiedergegeben.
Kurt Pfister schreibt in der Einleitung: "Das graphische Blatt verwirklicht Harmonie zwischen Anschauung und Gestalt, Wirklichkeit und Idee, Welt und Form...immer ist es Ganzheit und Improvisation zugleich, fließendes Gewebe und erstarrte Substanz. Tiefsinniges Gleichnis einer Zeit, die zum Monument strebt und im Entwurf sich erschöpft."

3800

   

   


A7




Georg Schrimpf
1889-1938

Zwei weibliche Akte in üppiger Vegetation  1918
Holzschnitt auf Velinpapier, 13 x 18,2 cm
In: Das Kunstblatt, hrsg. von Paul Westheim. Heft 3, März 1918
Mit Textbeiträgen u.a. von P. E. Küppers (Nachruf auf Paula Modersohn-Becker) und O. M. Graf (Brief über Georg Schrimpf).

250

A8

Richard Seewald
1889-1976
Publius Vergilius Maro
70-19 v. Chr.

Bucolica  1923
Publius Vergilius Maro: Bucolica, Hirtengedichte; Deutsch von Theodor Haecker; mit zwanzig Holzschnitten (davon 10 ganzseitig) von Richard Seewald. Euphorion Verlag, Berlin 1923. Eines von 600 Ex. auf Antik Bütten. Von Seewald im Impressum signiert.

200