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Serial!
series • group • variation
visual narrative

 

 

 


Graphikzyklen von Orlik bis Uecker

28. September bis 19. Jänner 2013

Neudeggergasse 8/2, 1080 Wien

Öffnungszeiten/Opening Hours:

Di/Tues - Fr/Fri 12 - 19 Uhr
Sa/Sat 11 - 17 Uhr

1

Karl Rössing
1897-1987

Mein Vorurteil gegen diese Zeit  1927-1931

Aus: "Mein Vorurteil gegen diese Zeit" (Erstver- öffentlichung als Buch 1932), 26 von den erhaltenen Holzstöcken gedruckte und signierte Holzstiche, Publikation der Salzburger Landessammlungen Rupertinum (Hrsg. Otto Breicha) 1984, ca. 18 x 13 cm (leicht unterschiedliche Formate), Ex. 34/99

My objections to these Times  1927-1931

First published as a picture book in 1932 the remaining 26 woodblocks were printed in a limited edition of 99 copies in 1984. All prints signed and numbered by Karl Rössing. Published by Salzburger Landessammlungen Rupertinum (ed. Otto Breicha), ca. 18 x 13 cm (slightly varying sizes), Ex. 34/99

 
1   Titelblatt    
2   Die Partei (1)  
3   Ein Traum im deutschen
Märchenwald (3)
 
4   Schönheitskönigin (7)  
5   Revue und Theater (8)  
6   Einwandfreie Prozeßführung (10)   1 2 3 4 5 6
7   Der Ausstellungskritiker (13)  
8   Kunst der Werbung (15)  
9   Die öffentliche Meinung (16)  
10   Der Winkelredakteur (18)  
11   Irdisches Wohlergehen (22)  
12   "Dort steht der Schuldige" (26)   7 8 9 10 11 12
    Die Ziffern in Klammern geben die Nummerierung innerhalb der Mappe an.
   

Die Bilderzählung ohne erklärenden Text und mit meist offen sozialkritischem Inhalt wurde u.a. von Otto Nückel, Frans Masereel oder dem Amerikaner Lynd Ward gepflegt, aber neben George Grosz rechneten Rössings Bilder mit Abstand am schonungslosesten mit den politischen und sozialen Verhältnissen im Deutschland nach dem ersten Weltkrieg ab. Diese Bilder haben bis heute nichts an Schärfe verloren und wirken doppelt durch den Umstand, daß der Finger mit Absicht immer in die gleichen Wunden gelegt wird. Hier bedeutet Wiederholung - im Gegensatz zu Orliks (siehe Nr. 4) mildem und abgeklärtem Licht - Intensivierung.

     

2

Josef Achmann
1885-1958

 

 

Judith  1921

Holzschnitte, ca. 17,7 x 14, 7 cm (leicht unterschiedliche Formate) 4 Probedrucke zu Friedrich Hebbels "Judith"

Judith  1921

Woodcuts, ca. 17,7 x 14, 7 cm (slightly varying sizes) 4 trial proofs before the 1922 edition published 1922 in the German expressionist art journal "Die rote Erde".

   
   

Die Folge erschien 1922 in der Hamburger expressionistischen Zeitschrift "Die rote Erde", ohne Angabe über den Inhalt der Blätter. In Gerhart Söhns "Handbuch der Originalgraphik" werden die Blätter entsprechend mit Phantasietiteln geführt, ohne daß sich daraus irgendein Hinweis auf den inhaltlichen Zusammenhang der Blätter ergäbe. Die auf der Rückseite befindliche, handschriftliche Notiz "Zu Hebbels Judith" auf einem der hier ausgestellten Blätter gibt aber einen eindeutigen Hinweis auf den Zusammenhang mit Hebbels 1840 erschienenen Schauspiel. Dies läßt auch darauf schließen, daß es sich bei der Dargestellten um Achmanns Frau Magda Lena (eigtl. Magdalena von Perfall) handelt, die am Münchner Residenztheater engagiert war und dort die Rolle der Judith verkörpert haben dürfte.

Referenz: Gerhart Söhn, Handbuch der Original-Graphik (67201 - 20,21,22, 23), Düsseldorf 1989ff; Thomas Matuszak, Ruhelos und ohne des Schlafes Geschenk, Katalog der zwischen 1903 und 1932 edierten deutschen druckgraphischen Mappenwerke, illustrierten Bücher sowie Zeitschriften mit Originalgraphik im  Lindenau-Museum Altenburg, Leipzig 2000

 

3

Carl Rotky
1891-1977

sold

Salome  1922

4 Farblinolschnitte, ca. 16 x 14 cm (leicht unterschiedliche Formate), mit Bleistift bezeichnet und signiert, In originalen Passepartouts und Kartonmappe

Salome  1922

4 Color linocuts, ca. 16 x 14 cm (slightly varying sizes), inscribed and signed in pencil, original mounts and cardboard wrapper

   
   

Referenz: August Trummer, Carl Rotky - Das druckgraphische Werk (WVZ Nr.58), Graz o.J.

 

4

Emil Orlik
1870-1932

sold

 

Kleine Holzschnitte  1896-1899

34 Holzschnitte, z.T. in Farbe, unterschiedliche Formate, Ex. 66/100, in Originalpassepartouts, diese in Kartonkassette mit Elfenbeinschließen nach japanischer Art, gedruckt auf der Hand- presse von Julius RuckenbrodErschienen in der Pan-Presse/Otto v. Holten, Berlin 1920

Small Woodcuts 1896-1899

34 Woodcuts, partly colored, various sizes, Ex. 66/100, original mounts and cardboard case with ivory clasps in Japanese stile, printed on the hand press by Julius Ruckenbrod, published by Pan-Presse/Otto v. Holten, Berlin 1920

 

   
1   Der Anarchist   13   Problem   25   Aus London
2   Kleiner Kopf   14   Exlibris M L   26   Im Atelier
3   Spitz   15   Signum E.O.   27   Holländische Buben
4   Unterwegs   16   Mutter und Kind   28   Die Zeitung
5   Schnautzl   17   Karrenschieber   29   Schneiderwerkstatt bei
6   Klatschweiber   18   Exlibris E.O.       Orlik in Prag
7   Landschaft I   19   Der alte Schlossbrunnen in Karlsbad   30   Aus Grodek
8   Landschaft II   20   Böhmisches Dorf   31   Näherin
9   Rast der Slowenen   21   Der Judenfriedhof in Prag   32   Französin
10   Windhund   22   Altkleider-Händer   33   Londoner Tagediebe
11   Slowake   23   Ruthenen auf der Wanderung   34   Erinnerung an Seeseiten
12   Marktweib   24   Aus London        
                     
1 2 3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 32 33 34 Titelblatt Mappe

 

1896. Wir lebten als Nachbarn in München, mein Freund Pankok und ich. Beide Maler-Radierer. Eines Tages kam uns der Gedanke, einen kleinen Stempel in Holz zu schneiden - ein Monogramm - eine Marke, die als Trockenstempel unseren Radierungen eingeprägt werden sollte. Ein uns bekannter Holzschneider - besser gesagt Holzstecher, "Xylograph" - schenkte einige Stückchen Buchsbaumholz, drei ausrangierte Stichel und gab eine kurze Anweisung über die Handhabung des Werkzeuges und die Anfertigung von Handdrucken mit dem Falzbein.

Sogleich gingen wir an die Arbeit. Wir versuchten allerlei in die Rückseite der Holzstücke zu stechen (die Finger waren natürlich auch ungewollte Versuchsobjekte) und als der Stichel der Hand und dem Willen zu gehorchen begann - da machten wir beide anstatt der geplanten Stempel: je einen Farbenholzschnitt. Pankok mein Bildnis mit vier Farbplatten, ich den "Anarchisten". Mein Freund hat in der Folge noch einige Exlibris geschnitten, ich aber fand ein besonderes Gefallen an dieser Technik.

Das neue graphische Problem, die Lust an dem schönen Material haben mir so viel Freude gemacht, daß ich in den nächsten Jahren, 1896- 1899, eine größere Anzahl von Holzschnitten fertigte. Als ich ein Jahr später nach meiner schönen, alten Vaterstadt übersiedelte und auf der "Smetanka" in einem Vorort einen Turm zu einem Atelier umwandelte, begann ich auf eigene Faust, einem inneren Triebe folgend, dem Holzstock seine Eigenheiten abzugewinnen. Denn es war Neuland.

Zwar hatte ich bei Littauer in München einzelne Blätter von Valloton oder aus dem Alphabet von Nicholson gesehen - und von Otto Eckmann (dessen Nachfolger ich später in Berlin werden sollte) gab es einige Farbenholzschnitte in der Art der Japaner. Aber die Erfahrungen der Werkstatt wurden gehütet wie die dunkelsten Geheimnisse eines Alchimisten. Munchs Holzschnitte sah ich erst später. So sind diese Arbeiten, die hier in einer kleinen Auflage zum erstenmal gedruckt vorliegen (zum Teil mit mehreren Farbplatten gedruckt), die Ergebnisse meiner Versuche, eine verloren gegangene Kunstübung neu zu beleben.

Dem der Graphik Ergebenen entkeimen wie dem Lyriker die Motive aus Erlebnis und Stimmung. So auch diese kleinen Blätter. Der Dunstkreis des alten Prags, Wanderungen, Erlebtes und Nachklingendes haben hier auf dem Holzstock durch die einfache und zusammenhängende Sprache des Holzschnittes sich dargestellt. Aber mein ruheloses Wesen, die Freude am Handwerklichen, die mir die Natur zu Lust und Leid schenkte, führten mich dann 1900 nach Japan, und dort suchte ich in den Werkstätten der Holzschneider und Drucker die wunderbare Technik der Japaner zu erforschen und auf meine Weise zu verwenden.

September 1920, Emil Orlik

 

5

Hans Hartung
1904-1989

 

o.T.  1973/1976

5 Holzschnitte, mit Werknummern versehen und signiert, mit dem Trockenstempel der Erkerpresse

Untitled  1973/1976

5 Woodcuts, numbered and signed in pencil, with the blind stamp of Erkerpresse


   
H-8-1973 39,9 x 39,7 cm  Künstlerexemplar(H.C.)
H-13-1973 39,5 x 39,9 cm  Ex. 16/150
H-19-1973 39,9 x 39,9 cm  Künstlerexemplar (H.C.)
H-22-1973 39,8 x 40,2 cm  Künstlerexemplar (H.C.)
H-1-1976 59,7 x 39,9 cm  Künstlerexemplar (H.C.)
 
H-8-1973 39,9 x 39,7 cm  Artist's proof (H.C.)
H-13-1973 39,5 x 39,9 cm  Ex. 16/150
H-19-1973 39,9 x 39,9 cm  Artist's proof  (H.C.)
H-22-1973 39,8 x 40,2 cm  Artist's proof  (H.C.)
H-1-1976

59,7 x 39,9 cm  Artist's proof  (H.C.)
   
   

Hans Hartung, ein "Gegenstandsloser" der ersten Stunde, der 1935 nach Paris übersiedelte, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Art Informel. Im Amerika der Nachkriegszeit prägte man dafür den Begriff "Abstrakter Expressionismus". Im gleichen Jahr wie Ueckers Prägedrucke entstanden, leben Hartungs Holzschnitte bei aller "Coolness" der statt Titeln fungierenden Werknummern von der expressiven Wirkung der Linie und des Lichts, das im Gegensatz zu Uecker direkt aus dem Weiß des Papiergrundes zu kommen scheint.

 

6

Günther Uecker
* 1930

sold

Vom Licht  1973

12 Prägedrucke mit Text in Siebdruck, 51,5 x 102 cm (Blattformat), signiert, in Leinenmappe


Mit Texten von H. v. Bingen, Meister Eckhart,
N. v. Kues, J. Milton, J.J. Bodmer, Novalis, G.W.F. Hegel, I. Newton, M. Planck, A. Einstein, P. Scheerbart, E.W. Lotz, E. Lasker-Schüler,
L. Rubiner, J. Ortega y Gasset, H. Mack, O. Piene,
G. Uecker, J. Verheyen

About Light 1973

6 out of 12 embossings with text (screenprint), 51,5 x 102 cm  (sheet size), signed in pencil, original linen wrapper

With texts by H. v. Bingen, Meister Eckhart, N. v. Kues, J. Milton, J.J. Bodmer, Novalis, G.W.F. Hegel, I. Newton, M. Planck, A. Einstein, P. Scheerbart, E.W. Lotz, E. Lasker-Schüler, L. Rubiner, J. Ortega y Gasset, H. Mack, O. Piene, G. Uecker, J. Verheyen

   
   

Bei Ueckers im ursprünglichen Sinne des Wortes "farblosen" Blättern – und insofern stellen sie eigentlich keine „Graphiken“ mehr, gleichwohl „Hochdrucke“ dar - erzeugen Licht und Schatten die eigentliche „Zeichnung“. Der Lichteinfall spielt also eine entscheidende Rolle, starkes Umgebungslicht droht die Wirkung ihrer delikaten Textur auszulöschen. Ueckers Prägedrucke erzählen nicht nur vom Licht, sondern wirken, rückt man sie erst einmal ins rechte Licht, sowohl höchst materiell als auch ephemer, durch die Typographie der darin enthaltenen Texte konkret, durch die Inhalte diese Texte aber wieder metaphysisch-distanziert. Sie erwecken gleichzeitig den Eindruck von Ursprünglichkeit und Raffinement, von Leichtigkeit und Schwere, von Flüchtigkeit und Unbeweglichkeit. Darüber hinaus reizen sie zu Spekulationen über die Anfänge von Druckgraphik. Möglicherweise lagen diese in den Fußabdrücken der ersten Menschen und den von diesen aufgefundenen und gedeuteten Spuren der Tiere. Womit sich bei aller sonstigen Gegensätzlichkeit ein Kreis zu Orlik schließt: bei dessen Versuchen, Stempel herzustellen.

 

7

Salvador Dali
1904-1989

 

La Montée de Géryon (Der französische Titel ist irreführend: Es handelt sich bei der Szene um die Hände des Riesen Antäus)  zwischen 1959 und 1963

Hochätzung und Stich auf Kunststoff,
jeder 24,6 x 18 cm, 3 Zustandsdrucke aus einer der Vorzugsausgaben von "Dante, La Divine Comédie, L'Enfer", Editions d'Art Les heures claires, 6 Bände, Paris 1959-1963, Blatt 32

The Giant Antaios  between 1959 and 1963



Relief etching and engraving on synthetical,
each 24,6 x 18 cm, 3 state proofs from one of the luxury editions of "Dante, La Divine Comédie, L'Enfer", Editions d'Art Les heures claires, 6 Vol, Paris 1959-1963, print no. 32

   
   

Um 1960 schuf Dali über 100 Aquarelle zu Dantes göttlicher Komödie. Diese dienten als Vorlage zu Farbholzstichen, die unter Dalis Aufsicht von zwei französischen Meisterstechern unter Verwendung von mehr als 3500 Druckstöcken umgesetzt wurden (so jedenfalls die Legende, siehe NB). Bei manchen Motiven wurden bis zu 67 Platten - für jede Farbe eine eigene - passgenau übereinander gedruckt. Im fertigen Bild sieht man den seriellen Prozess also nicht mehr, wohl aber bei Aneinanderreihung der einzelnen Zustandsdrucke, die als Extrasuiten den verschiedenen Luxusausgaben beigefügt waren. Der hier gezeigte Ausschnitt einer solchen Folge von Farbzuständen, bei denen im jeweiligen Folgeblatt immer eine Farbe hinzugefügt wurde, gibt einen guten Einblick in den Additionsprozess beim Farbholzschnitt. In etlichen Fällen könnte man auch behaupten, daß die Zustandsdrucke in gewisser Weise reizvoller sind, als das fertige Ergebnis, da der Betrachter angeregt wird, sich das Fehlende in der Fantasie auszumalen.

NB: Nach neueren Erkenntnissen handelt es sich bei den von Editions d'Art Les heures claires verwendeten Platten nicht um Holzstiche (wie in der Literatur allgemein angegeben) sondern um teilweise durch fotografische Belichtung gewonnene, teilweise manuell manipulierte Hochdruckplatten aus Kunstharz (Bakelit). Siehe: http://www.dante-2000.de/xylograp.pdf

Referenz: Wolfgang Maier-Preusker, Dokumentation der Zustandsdrucke zu Dalis Farbholzstich "Luzifer", Wien 2005; Dorota Folga-Januszewska, Die Graphische Werkstatt, in: Salvador Dali als Illustrator, Olszanica 2005 (Abb. und Beschreibung der Druckstöcke zu "La Divine Comédie" S. 24)

 

8

Kurt Scheele
1905 - 1944

 

Hände  1936

9 Holzschnitte, jeder ca. 7,1 x 9,1 cm
Posthumer Tableaudruck der Galerie Bodo Niemann Berlin, Ex. 13/30 auf Japan

Hands  1936

9 Woodcuts, each ca. 7,1 x 9,1 cm, Posthumously printed and published by Galerie Bodo Niemann Berlin, Ex. 13/30 on Japanese tissue paper

   
   

Wenn man das Wort "holzschnittartig" benützt und "lapidar" meint, trifft man ziemlich genau den Stil von Kurt Scheeles Holzschnittwerk. Aus der Fläche gestaltet in entschiedenen, einfachen Formen. Langholzschnitt der frühesten Messer-handhabung nur mit zeitgemäßer Kunstauffassung [...] Unverwüstlicher Reiz der ersten primitiven Erfindung, die hier ganz befreit von der wirtschaftlichen Entwicklung und Drucktechnik in Bezug auf Massenauflage, Schnelligkeit, Billigkeit wiederentsteht, so schreibt Scheele über sich selbst für einen Lexikonartikel. Von Händen und den vielfältigen Möglichkeiten ihres Ausdrucks muß Scheele fasziniert gewesen sein, denn es finden sich auf Originaldrucken der dreißiger Jahre noch mehr Handformen, die ebenfalls tableauartig gedruckt wurden. Von den erhaltenen Stöcken stellte Bodo Niemann in den neunziger Jahren 10 Handdrucke her.

Referenz: Bodo Niemann, Kurt Scheele - Holzschnitte, Berlin 1992

 

9

Karl-Georg
Hirsch

*1938

 

Zu Literarischen Parodien  1980

20 Holzstiche, einer davon handkoloriert, jeweils 7,7 x 4,7 cm, zu einem Tableau gedruckt

Regarding literary Parodies  1980

20 wood engravings, one of them hand colored, each 7,7 x 4,7 cm, tableau print

   
   

Kerstin Hensel in ihrer Laudatio zur Verleihung des Gutenberg-Preises der Stadt Leipzig 2011 an Karl-Georg Hirsch: Hirsch ist kein Illustrator im Sinne einfacher Bebilderung, seine Grafiken sind keine Beigaben. Vielmehr trifft es das lateinische illustratio, das soviel wie „erleuchten“ heißt. Hirsch er- und durchleuchtet sein Zeitalter, dessen Finsternisse auch die unseren sind. Sein Blick ist scharf, satirisch, grotesk. Hirsch entspricht diesem Zeitalter, auch wenn sich dieses oberflächlich oft in dümmlicher Buntheit gebärdet. Karl-Georg Hirsch ist in seinen Werken ein bitterböser Tausendsassa. Kein Miesepeter, kein Weltverächter, kein Gefälligkeitsstichler – ein tüchtiger Teufelskerl voller Visionen, Gedankenblitzen und Provokationen.

Referenz: Hiltrud Lübbert, Karl-Georg Hirsch : Graphik und Literatur, Literatur und Graphik, Mölln/Leipzig 1998

 

10

Axl Leskoschek
1889-1976

 

Os demônios  (Die Dämonen) 1960

5 Holzstiche aus der Illustrationsfolge zu den "Dämonen" von F.M. Dostojewski, ca. 16,3 x 9,8 cm (leicht unterschiedliche Formate), erschienen in der brasilianischen Gesamtausgabe der Werke Dostojewskis bei Livraria José Olympio, Rio de Janeiro, 1960, Handdrucke auf Japan außerhalb der Auflage, mit dem Nachlass-Stempel

Demons  1960

Wood engravings, 5  illustrations for Demons by F.M. Dostoyevsky, ca. 16,3 x 9,8 cm (slightly varying sizes), published in the Brazilian edition of Dostoyevsky's complete works, edited by Livraria José Olympio, Rio de Janeiro, 1960, hand prints on Japan paper aside from the edition, estate stamp

   
   

Lange vor Karl-Georg Hirsch ein anderer genialer Buchillustrator: der Grazer Axl Leskoschek, ins brasilianische Exil gegangen und hierzulande fast vergessen. Erich Fitzbauer resümiert in seinem Band "Axl Leskoschek und seine Buchgraphik": So zeigt sich in Axl Leskoscheks illustrativem Werk die ganze Vielfalt und Vielschichtigkeit an Sujets, Einfällen und Techniken seiner freien Graphik und auch seiner Malerei, all dessen also, was heute, sofern es nicht verloren ging, in vielen Sammlungen zweier Erdteile verstreut ist: in Südamerika, wo Leskoschek durch sein Werk und Wirken beinahe Popularität erlangt hat, und in Europa, im besonderen in seiner Heimat Österreich, wo es noch gilt, einen österreichischen Holzstecher von Weltrang seinem Verdienste nach zu würdigen und damit eine große Dankesschuld abzutragen.

Referenz: Erich Fitzbauer, Axl Leskoschek und seine Buchgraphik, Wien 1979

 

11

František Kupka
1871-1957

 

L'instant, Promenade d'un trait blanc, Idéation, Bucolique 1921

4 Holzschnitte, ca. 12,5 x 10 cm (leicht unterschiedliche Formate), aus: Louis Arnould Grémilly, Frank Kupka, Paris 1922

L'instant, Promenade d'un trait blanc, Idéation, Bucolique 1921

4 Woodcuts, ca. 12,5 x 10 cm (slightly varying sizes), out of: Louis Arnould Grémilly, Frank Kupka, Paris 1922

   
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Be- oder erleuchten Hirsch und Leskoschek (siehe Nr. 9/10) literarische Inhalte, so ging der aus Ostböhmen stammende Kupka den umgekehrten Weg. 1894 nach Paris übersiedelt, malte er ab 1911 abstrakt. Seine Grafikzyklen, die 1926 in den 26 Blätter umfassenden "Quatre histoires de blanc et noir" kulminierten, können als Versuch gedeutet werden, den neu entdeckten Welten durch das Mikroskop Sprache zu verleihen.  So wie Bartók ab 1926 seinen "Mikrokosmos" zu musikalischen Miniaturen formte, ließ Kupka in seinen grafischen Miniaturen seine visuelle und verbale Fantasie in einem höchst persönlichen und poetischen Mikrokosmos schweifen.

Referenz: http://www.artbohemia.cz/21344-quelques-peintres--titul

 

12

Erika Giovanna Klien
1900-1957

 

Light in Glass  I-IV  1929-1932

4 Linolschnitte auf Japanpapier, ca. 40,5 x 23,8 cm (leicht unterschiedliche Formate), Aus: 12 Original-Linolschnitte, 1929-1932,  München, Galerie Pabst, 1986; jedes Blatt nummeriert 3/50. Erstdruck von den Original-Platten, die sich heute in der Universität für Angewandte Kunst in Wien befinden. Die Kassette erschien in einer einmaligen Auflage von 50 nummerierten Exemplaren. Provenienz: Sammlung Pabst, Zustand: perfekt

Light in Glass  I-IV 1929-1932 

4 Linocuts on Japanese paper, ca. 40,5 x 23,8 cm (slightly varying sizes), Out of: 12 Linocuts, 1929-1932, edited by Galerie Pabst, Munich 1986; each print numbered 3/50. First and last printing from the original plates, which were given subsequently to the University of Applied Arts Vienna. The portfolio was published in a limited edition of 50 numbered copies. Provenance: Pabst Collection, Condition: mint

   
  sold    
   

Anders als Günther Uecker (siehe Nr. 6) geht Erika Giovanna Klien, Hauptvertreterin des Wiener Kinetismus, das Licht quasi von der wissenschaftlichen Seite an. Wie bei Kupka erfährt aber auch bei ihr, bei aller Faszination durch die Wissenschaft, der Blick eine poetische Brechung. Die Blätter der Serie "Light in Glass" stellen keine technische Skizzen dar, sondern sind visueller Ausdruck einer poetischen Reflexion über die Wirkung von Licht. Und hier stimmen möglicherweise die Absichten von Hartung (5), Uecker (6), Kupka (11) und Klien überein. Ein Umstand, der ihre Arbeiten sozusagen zu einer "Meta-Serie" erhebt.

Referenz: Michael Pabst, Wiener Kinetismus, E.G. Klien, München 1986 (Katalog 16 der Galerie Pabst), www.sammlung-pabst.org

 

13

Hans Schmitz
1896-1977

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9 Linolschnitte  1921-1927

7 von 9 von den Originalplatten gedruckte und signierte Linolschnitte, herausgegeben von der Galerie Werner Kunze, Berlin 1972, Ex. 78/100

9 Linocuts  1921-1927

7 out of 9 linocuts printed from the original plates, published by Galerie Werner Kunze, Berlin 1972, Ex. 78/100

   
1 Titelblatt
2 Porträt Seiwert
3 Die Masse
4 Arbeiterpaar
5 Arbeiter
6 Arbeitergang
7 Arbeiterausbildung
8 Arbeiterfreizeit
1 2 3
4 5 6 7 8
   

Die Linolschnitte von Hans Schmitz aus den Jahren 1921 - 1927 erzählen in lakonischer und anti-expressionistischer, aber nicht weniger eindringlichen Manier als die von Karl Rössing (siehe Nr. 1) von Arbeiterschicksalen an den Maschinen von "Metropolis". Die Blätter wirken, obwohl sie über einen Zeitraum von 8 Jahren entstanden, als wären sie als Gruppe, oder wenn man so will, als Thema mit Variationen konzipiert worden. Diese Bilder erinnern, stellt man sich ein Motiv wie "Die Masse" vervielfältigt vor, an die von Otto Neurath und Gernd Arntz in den selben Jahren geschaffenen Bildstatistiken, in denen der Mensch zur Veranschaulichung von Massenphänomenen zum Strichmännchen reduziert wurde. Im Piktogramm hat diese Art der Serialisierung seine internationale Verbreitung und Vulgarisierung erfahren. Der Grafiker Arntz gehörte - so wie Hans Schmitz - auch zur Künstlergruppe der "Kölner Progressiven", deren Mittelpunkt der zu Beginn der vorliegenden Gruppe porträtierte Franz Wilhelm Seiwert war.

 

14

Hans Rudolf Bosshard
*1929

 

Zwölf Variationen über ein Würfelhema  1961/62

Mappe mit 12 Holzschnitten und 12 Typografien
Die Holzschnitte mit farbiger Tonplatte, jeder 30 x 30 cmEx. 28/40

12 Variations  on a Cube Theme  1961/62

Portfolio with 12 woodcuts and 12 typographies, the wood- cuts printed with a colored shading plate, each 30 x 30 cm, Ex. 28/40

   
Variation 1 Variation 2 Variation 3 Variation 4 Variation 5 Variation 6
Variation 7 Variation 8 Variation 9 Variation 10 Variation 11 Variation 12
   

Bosshards Herkunft als Typograf spiegelt sich auch in seinen zwölf Variationen über ein Würfelthema wieder. Ihr geometrisches Muster erhalten sie zwar durch streng logische Vorgangsweise, in der Wirkung fühlt man sich aber eher an die Figuren eines Schattenspiels oder an chinesische Kalligrafie erinnert. Die Variation stellt vielleicht das serielle Prinzip schlechthin dar, da per definitionem jede Wiederholung eine Abänderung erfährt. Eine solche Reihe kann - wie berühmte Beispiele aus der Musik zeigen -  zum Ausgangspunkt zurückführen, oder aber theoretisch unendlich sein.

 

  Bücher

 

     
Frans Masereel  Die Idee

83 Holzschnitte von Frans Masereel,
mit einer Einleitung von Hermann Hesse

Kurt Wolff Verlag, München1927


 
  Karl Rössing Mein Vorurteil gegen diese Zeit

100 Holzschnitte von Karl Rössing

Büchergilde Gutenberg, Berlin 1932

 
Otto Nückel Destiny

A Novel in Pictures
188 Bleischnitte von Otto Nückel

Farrar & Reinhart, New York 1930


 
Hap Grieshaber Kreuzweg

Meditationen von Stefan Kardinal Wyszyński, mit 14 doppelseitigen Farbholzschnitten von H. Grieshaber

Rembrandt Verlag, Berlin 1967


 
  anonym

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Album de la Revolucion Cubana

Mit 271 Klebebildern und Texten von J.M. Picart und Mario Jimenez

Revista Cinegrafico, Habana 1960


 
  Antonio Frasconi

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Kaleidoscope in Woodcuts

27 Holzschnitte von A. Frasconi
Harcourt, Brace & World,

New York 1968
 
         



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