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Politische und gesellschaftskritische Grafik von der Reformation bis heute


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ab 27. September 2019

Zu allen Zeiten, wo religiöse, politische und gesellschaftliche Umbrüche die Tagesordnung verstärkt bestimmten, traten Künstler als Kommentatoren und Überbringer von Bildbotschaften für oder gegen bestimmte politische und religiöse Systeme, für oder gegen bestimmte gesellschaftliche Anliegen auf. Kulminationspunkte in der Vergangenheit waren dabei Zeiten von Krieg, Revolution oder religiösen Auseinandersetzungen mit ihren ständigen Begleitern Gewalt, Machtmissbrauch und Korruption. Die Druckgrafik, die im Laufe des 20. Jahrhunderts zur Dokumentation des tagespolitischen (nicht aber unbedingt des gesellschaftspolitischen) Geschehens beinahe zur Gänze von der Fotografie abgelöst wurde, spielte dabei in der Übermittlung von vervielfältigbaren Bildbotschaften an eine möglichst breite Bevölkerungsschicht eine zentrale Rolle.

Maximilian I. war der erste Politiker, der Bildpropaganda bewusst für seine Zwecke einsetzte und dabei die besten Künstler seiner Zeit (Dürer und Umkreis) beschäftigte. Cranach warb für Luther und die Reformation, Legionen von Künstlern bebilderten, seit man Papier in Europa Anfang des 15. Jahrhunderts zu bedrucken begann, die Anliegen der katholischen Kirche und wurden dementsprechend auch für die Gegenreformation instrumentalisiert. Waren die zahlreichen Schlachtenbilder der aus 192 Holzschnitten zusammengesetzten „Ehrenpforte“ Kaiser Maximilians I. noch Beweis für die Kriegstüchtigkeit des Feldherren und also Apotheose des Krieges, so illustrierte Jacques Callot als erster, wenn auch quasi aus der distanzierten Sicht eines „Kriegsberichterstatters“, in seinen „Grandes misères de la guerre“ die Schrecken des (dreißigjährigen) Krieges. Rembrandt lieferte fast zeitgleich sehr persönliche und berührende Darstellungen von Krüppeln, die eben dieser Krieg hervorbrachte. In Goyas Kriegsbildern fällt vollends die Distanz zwischen Künstler und dem ihn umgebenden schrecklichen Geschehen. Kraft seiner offensichtlichen persönlichen Betroffenheit ermöglicht Goya auch noch dem heutigen Betrachter ein direktes empathisches Erlebnis. Das Gleiche gilt später vor allem auch für die deutschen Expressionisten (wie Max Beckmann oder Otto Dix) und ihre Aufarbeitung der Kriegserlebnisse während des 1. Weltkrieges.

Die europäischen Revolutionen, angefangen von der Französischen Revolution 1789, boten reichlich Bildthemen für teilweise anonym bleibende Künstler und Karikaturisten. Nur wenige hielten sich derart lange in gleicher Qualität und erlangten solche Berühmtheit wie Honoré Daumier (allein seine zeichnerische Produktion, die für den Druck und für diverse Zeitschriften bestimmt war, umfasst ca. 5000 Motive über einen Zeitraum von rund 50 Jahren!). Daumier geißelte die bald nach der Französischen Revolution einsetzende repressive Restauration und war mitunter sehr kreativ in der Erfindung leicht durchschaubarer Symbole für bestimmte Personen des politischen Lebens, um auf diese Weise der hartnäckigen Zensur zu entgehen. Nachdem naturgetreue Abbildungen der Physiognomie des Königs verboten worden waren, wurde die stattdessen abgebildete Birne (frz. im übertragenen Sinne für „Trottel“) legendär. Daneben bebilderte Daumier mit seinem sarkastischen Blick das Gesellschaftsleben seiner Zeit. Die kurze Phase der Zensurfreiheit in der Folge der Wiener Revolution von 1848 veranlasste Johann Nestroy zu seinem direkt auf die Ereignisse der Revolution bezogenen Stück „Freiheit in Krähwinkel“. Man verabsäumte es nicht, die Erstausgabe entsprechend zu bebildern. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges hingegen machte so manche Zeitschrift, die zuvor mit beißenden Karikaturen politische Opposition betrieben hatte, zu einem Anwalt der Kriegshetzer, Verunglimpfung des Feindes noch in der eigenen Niederlage 1918 mit inbegriffen (wie im Falle des „Simplicissimus“).

Die russische Revolution zu Anfang des 20. Jahrhunderts machte teilweise sehr junge Künstler zu Bildpropagandisten für die Bolschewisten, als diese ihre Anliegen — nicht zuletzt dank der in ihrem Auftrag arbeitenden Künstler — noch überzeugend vermitteln konnten. Später richtete sich die stalinistische Repression (und die sie begleitende Bildpropaganda) oft genau gegen diese Künstler, von denen sich viele wohl lieber den neuen Anforderungen anpassten, da alles andere lebensgefährlich werden konnte. Das neue Medium Film, das sich, kaum als neue Kunstform aus der Taufe gehoben, in Russland bald als Propagandamittel der ersten Wahl etablierte, führte in Form des Filmplakates auch im grafischen Bereich zu einer neuen Blüte.

Die im Gefolge der Novemberrevolution in Deutschland 1919 entstandene „Novembergruppe“ sorgte für einen Zusammenschluss zahlreicher kritischer Künstler. Käthe Kollwitz war sich nicht zu schade, in eindringlichen Bildern für Spenden für die Hungeropfer in Russland zur Zeit des dort wütenden Bürgerkrieges zu werben. George Grosz und die technisch als Neuerung eingeführten Fotomontagen von John Heartfield stehen für die Anprangerung der Verbindung von Großkapital, Politik und Militär in der Zwischenkriegszeit und im aufkommenden Nazismus. Einige Künstler lieferten auch noch aus dem Exil flammendes Bildmaterial gegen Nationalsozialismus und  Faschismus. An dieser Stelle muss die in Europa zu wenig bekannte "Taller de Gráfica Popular" (Werkstatt für populäre Grafik) genannt werden, ein Zusammenschluss kritischer mexikanischer Künstler, deren Leiter der zweite Bauhausdirektor Hannes Meyer zeitweise während seines mexikanischen Exils 1939-1949 war. Während dieser Zeit entstanden zahlreiche, die Verbrechen der Nationalsozialisten anklagende Einzelgrafiken und mit Grafiken ausgestattete Broschüren im von Meyer mitbegründeten Verlag "La Estampa Mexicana".

Nach dem zweiten Weltkrieg waren es vor allem die sechziger und siebziger Jahre (Stichworte: Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegung), die mit Ihren Studentenrevolten aber auch schon mit dem einsetzenden Bewusstsein für Umweltprobleme für beeindruckendes (kritisches) Bildmaterial sorgten. Klaus Staeck mit seinen Plakat- und Postkartenkampagnen, die er auch noch als über Achtzigjähriger fortsetzt, ist hier zu nennen. Eine ganz eigene Bildsprache brachte teilweise die DDR hervor. Einige Künstler, die es (aus welchen Gründen auch immer) vorzogen, ihre Kunst trotz widriger Umstände weiterhin in ihrem Land auszuüben und die es schafften, mit dem Regime über längere Zeit nicht in Konflikt zu geraten (und im gegenteiligen Falle auch ziemlich schnell dem Auge der Öffentlichkeit entzogen worden wären), fanden Andeutungen, Metaphern und Symbole, die — wenigstens aus heutiger Sicht — für den mitdenkenden Betrachter Rückschlüsse über die wahren Verhältnisse im Land zuließen. In vielen Fällen dürfte es wohl aber auch zu vorauseilender Selbstzensur gekommen sein, um erst gar nicht in den Verdacht auf Systemkritik zu geraten, wovon zurückgezogene oder verworfene Blätter Zeugnis ablegen. Andererseits war wohl in vielen Fällen gar keine Systemkritik beabsichtigt, wo die Zensur paradoxerweise dennoch einschritt.

Heute scheint Kunst — zumindest in Europa — weitgehend politikbefreit zu sein. Das hat mit Sicherheit auch mit der zunehmenden Kommerzialisierung von Kunst und deren Stellenwert als Handelsware zu tun. Es ist verständlich, dass man sich als Künstler sämtliche Interpretations- und nicht zuletzt Verwertungsmöglichkeiten für seine Arbeit offenhalten will. Ambivalenz und Deutungsvielfalt sind sicher Grundmerkmale von Kunst. Trotzdem gibt es das geflügelte Wort vom „Gewissen“ des Künstlers. Es sollte wenigstens die Frage erlaubt sein, ob er sich aus dem gesellschaftspolitischen Diskurs komplett herausnehmen darf bzw. in welcher Form er sich einbringen kann, auch wenn das nur zu bestimmten Zeiten geschieht, wie das z.B. auf Picasso zutrifft, der im spanischen Bürgerkrieg klar im humanitären Sinne Stellung bezog, später aber seine ganz eigene, weitgehend unpolitische Mythologie entwickelte. Wir freuen uns umso mehr, unserer als historischen Überblick mit Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert konzipierten Ausstellung auch einige ganz aktuelle Beispiele jüngerer Künstler hinzufügen zu können.

Entstehungsdaten:

1513 1517 1519 1520 1523 1630 1633 1790 1800 1814 1833 1834 1843
1848 1849 1863 1871 1872 1915 1917 1918 1919 1920 1921 1922 1923
1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1936 1937
1938 1939 1948 1949 1950 1967 1968 1970 1973 1975 1976 1977 1979
1983 1984 1987 1992 1994 1995 2002 2009 2014 2017 2018 2019  

Künstler:

Gerhard Altenbourg, Gerd Arntz, Atelier Populaire, Heiner Bauschert, Leonhard Beck, Alberto Beltrán, Jacques Callot, Lukas Cranach d. Ä., Lászlo Dállos, Honoré Daumier, Constantino Escalante, Shepard Fairey, Conrad Felixmüller, Alistair Fuller, Jari Genser, Anatoli Golownja, Arwed D. Gorella, George Grosz, Hans Grundig, Olaf Gulbransson, Carry Hauser. John Heartfield, Karl Jakob Hirsch, Daniel und Hieronymus Hopfer, Franz M. Jansen, Joachim Keller, Käthe Kollwitz, Kosch, Elke Krystufek, Erwin Lang, Alfred Le Petit, Gabriel Fernández Ledesma, Hieronymus Löschenkohl, Lucebert, Filippo Tommaso Marinetti, Václav Mašek, Frans Masereel, Michail Matorin, Wolfgang Mattheuer, Alberto Beltrán, Leopoldo Méndez, László Moholy-Nagy, Dimitri Moor, Detlev Moosdorf, Clément Moreau  (=Carl Meffert), Max Pechstein, Petrarcameister, Lili Réthi, Luis Quintanilla, Rembrandt, Karl Rössing, Otto Rudolf Schatz, Kurt Scheele, Klaus Staeck, Louis Szapary, Willi Tegtmeier, Taller de Gráfica Popular, Rolf Tillmann, Hector Tobar, Roland Topor, Wolf Traut, Nazim Ünal Yilmaz
           

1

Wolf Traut

Feldzug gegen Lüttich 1482/83
Holzschnitt, zwischen 1512 und 1517.
Druck der 3. Ausgabe von Adam von  Bartsch, A. Mollo & Comp., Wien 1799. Eine der Schlachtendarstellungen aus der „Ehrenpforte Kaiser Maximilians I.“
„Wer ime (= sich) im leben kain gedechtnus macht, der hat nach seinem tod kain gedechtnus, und demselben menschen wird mit dem glockendon vergessen.“ (Maximilian I. im „Weisskunig“, siehe nächste Nr.)

 

200

2

Leonhard Beck

Botschaft an den Hermelinkönig
Holzschnitt, 1513.
Aus: „Der Weisskunig“, Ausgabe Adam von  Bartsch, Wien 1775. „Der Weisskunig“ ist die unvollendete, allegorische „Autobiographie" Kaiser Maximilians I., eine Mischung aus Heldenroman, Chronik und Fürstenspiegel, verfasst von seinem Sekretär Marx Treitzsaurwein (nach Diktat Maximilians) und ausgestattet mit 251 Holzschnitten von Hans Burgkmair und Leonhard Beck mit Darstellungen wichtiger Begebenheiten aus dem Leben des Kaisers. Das Buch ging wegen des frühzeitigen Todes von Maximilian nie in Druck und wurde erstmal 1775 in Wien veröffentlicht. Maximilian I. wird als der erste „Medienkaiser“ beschrieben, da er neben den von ihm streng kontrollierten Texten der seine Herkunft und Taten verherrlichenden Schriften „Theuerdank“ (zu Lebzeiten veröffentlicht) und „Weisskunig“ auch das Bildprogramm, das er von den bedeutendsten Grafikern seiner Zeit umsetzen ließ, maßgeblich bestimmte. Dass sich Maximilian dabei der Druckgrafik als am besten zur Verbreitung geeigneten Bildmedium bediente, beweist, wie vorausblickend er war.

 

250

3

Daniel und Hieronymus Hopfer

Brustbild Kaiser Karls V. vor ornamentalem Hintergrund
Eisenradierung, 1520.
Bei seiner Krönung zum deutschen Kaiser 1520 war Karl - ein Enkel Kaiser Maximilians I. - gerade einmal 20 Jahre alt. Seine Beziehung zu Luther (siehe nächste Nr.), der 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg seine berühmten „95 Thesen“ angeschlagen hatte, blieb Zeit seines Lebens von politischem Opportunismus geprägt. 1521 verhängte er die Reichsacht über Luther und verbot sämtliche seiner Schriften. Vor dem Hintergrund der Türkengefahr schloss Karl später Frieden mit den protestantischen Reichständen, deren militärische Hilfe er benötigte. Nach dem Tod Luthers führte er hingegen wieder Krieg gegen sie.

 

1800

4

Lukas Cranach d. Ältere (nach)

Das Munchkalb zu freyberg
Holzschnitt. Einblattdruck des 16. Jahrhundert.
Erstmals abgedruckt in: Philipp Melanchthon/Martin Luther: Deuttung der czwo grewlichen Figuren Bapstesels czu Rom und Munchkalbs zu Freyberg ynn Meysszen funden (Deutung der zwei gräulichen Figuren Papstesels zu Rom und Mönchskalbs zu Freiberg in Meißen gefunden). Wittemberg 1523.
Diese Kampfschrift gegen das katholische Papsttum gehört zu den bösesten und drastischsten Pamphleten der Zeit und wurde in zahlreichen Ausgaben verbreitet. Ein in Freiberg geborenes monströses Kalb, das angeblich Ähnlichkeit mit einem Mönch hatte, war mehrfach auf Luther gedeutet worden. Mit dem drastischen Holzschnitt von Cranach versehen, dreht Luther die Deutung um und bezieht die Missgeburt allegorisch auf den völlig verderbten und verweltlichten Zustand des Klerus und der Klöster.

 

1200

5

Jacques Callot

Les grandes misères de la guerre (La roue – Das Rad)
Radierung, 1633.
Nr. 14 der 18 Blätter umfassenden Serie zu den Gräueln des 30-jährigen Krieges "Les Misères et les Malheurs de la guerre" (Elend und Unheil des Krieges).
„Der Krieg der Kriege erschreckt schon durch seine Zahlen. Eine Serie von dreißig Jahren Krieg hat so gründlich gewütet, wie es in diesen Dimensionen in Deutschland nie zuvor und danach geschehen ist. […] Ein Drittel der Bevölkerung und mehr, in Extremfällen bis zu zwei Drittel, sind in diesem Krieg und durch ihn umgekommen. Und auch die Davongekommenen und Hinterbliebenen hatten viel auszustehen, haben selbst Schaden genommen und noch mehr zu bewältigen, wie eine große und weitgestreute Überlieferung bezeugt.“ (Johannes Burghardt: Der Krieg der Kriege, Stuttgart 2018)

 

450

6

Rembrandt Harmenszoon van Rijn

Der Stelzfuß
Radierung, um 1630.
Fast zeitgleich mit Callots „Misères de la guerre“ schafft Rembrandt berührende Abbilder der Folgen dieses „Krieges aller Kriege“ (siehe vorige Nr.). Callot hat sich im Übrigen ebenfalls Einzeldarstellungen von Bettlern und Krüppeln, die oft nur durch Zufall Kriegshandlungen, Hunger, Seuchen und nicht zuletzt die Verwüstungen durch plündernde und die Zivilbevölkerung mordende Soldaten überlebten, gewidmet.

 

4900

7

anonym

L'Assemblée des Aristocrates (Versammlung der Aristokraten)
Radierung mit Kolorit der Zeit, um 1790.
Die Französische Revolution lässt Köpfe der Aristokraten rollen, bevor sie sich in einem Blutrausch „gegen ihre eigenen Kinder“ wendet.

 

500

8

anonym

Qui trop embrasse, mal étreint (frz. Sprichwort: Wer viel beginnt, zu nichts es bringt)
Kupferstich mit Kolorit und Autograph der Zeit, um 1814.
Die Karikatur zeigt Napoleon, wie er von einem Preußen und Russland repräsentierenden Doppeladler ins Exil getragen wird. Unter ihm sein zerbrochenes Schwert, ein mit Leichen übersätes Feld und Karten von Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien – das zerbrochene Reich. In der rechten Hand hält Napoleon ein kleines Blatt Papier mit der Aufschrift „Elba“, alles, was unter seiner Kontrolle geblieben ist. Die Bildunterschrift besagt wörtlich: „Wer zu viel umarmt, hält wenig fest.“ Ein über den Ausgang der Geschichte offenbar zufriedener zeitgenössischer Besitzer des Blattes fügte mit Tinte Napoleons letzten Aufenthaltsort „Ste Helene (St. Helena)“ hinzu.

 

400

8a

Hieronymus Löschenkohl

Der Einfalts-Pinsel, als National-Gardist, nimmt Abschied von seiner alten Amme
Kupferstich mit Handkolorierung, zwischen 1789 und 1807.
Hieronymus Löschenkohl war ein deutscher Kupferstecher und Verleger, der von 1780 bis zu seinem Tod im Jahre 1807 in Wien ein erfolgreiches Geschäft für in Werkstattarbeit geschaffene, meist kolorierte Kupferstiche betrieb. Die Themen reichten von der Porträt-Silhouette bis zu tagespolitischen Themen (mit besonderer Berücksichtigung des Hauses Habsburg), die die Form eines "Broadsheet", also einer Einblattzeitung mit Bild und einem prägnantem, die Situation in einem Satz erklärenden Titel annehmen konnten. Hier gibt es durchaus Berührungspunkte zur Aufmachung der politischen Karikaturen des erst 40 Jahre später gegründeten "Le Charivari" mit den genialen Lithographien Daumiers. 1781 wurde die Zensur durch Joseph II. weitgehend aufgehoben, was Löschenkohl für die Erweiterung seiner Bildthemen nutzte. Das vorliegende Blatt ist im Zusammenhang mit Löschenkohls bissiger Satireproduktion während den Ereignissen der französischen Revolution, respektive der Zeit der Koalitionskriege Österreichs gegen Frankreich zu sehen. Constantin von Wurzbach schreibt im "Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich" dazu: "Die französische Revolutionsperiode gab natürlich den reichhaltigsten Stoff. Dabei war Löschenkohl ein guter Patriot und manifestirte seinen Franzosenhaß in seiner Weise. Die Franzosen wurden immer als zaundürre, ausgehungerte, zerlumpte Vautriens dargestellt." Die "Ur"-Nationalgarde (1848 im Zuge der Revolution auch in Österreich eingeführt) bildete die 1789 in Paris gegründete "Garde Nationale". Sie kämpfte auch auf Seiten der regulären französischen Armee u. a. gegen die Österreicher in den diversen Koalitionskriegen gegen Napoleon. Das endgültige Ende der Auseinandersetzungen der Habsburger mit Napoleon erlebte Löschenkohl, der 1807 starb, aber nicht mehr.

 

450

9

Honoré Daumier

Etienne-Joconde-cupidon-Zéphir-Constitutionnel
Lithographie und Buchdruck, 1834.
In komplettem Heft von: Le Charivari, 3ème annèe, 31 Aout 1834, no. 242.
Der dargestellte Charles Guillaume Etienne war Journalist, Autor des Librettos „La Joconde“ (worauf sich der Titel bezieht), Politiker und Abgeordneter und als solcher Bonapartist. Der Herausgeber der königstreuen Zeitung "Constitutionnel" wird hier als verliebter Troubadour und Amor („Cupidon“) dargestellt, der eine Liebeserklärung (an den König?) abzugeben scheint. Der vorletzte Satz der Bildunterschrift „sowohl die brünetten als auch die blonden hofierend“ könnte auch als Anspielung auf den Opportunismus des Politikers durchgehen, der als übergewichtig, mit kleinen Schlitzaugen und schweren Augensäcken beschrieben wurde, wobei sein Gesicht Arroganz und Selbstgefälligkeit ausstrahlte.

 

sold

10

Honoré Daumier

Mr. Montaugibet en patissier-gâte-sauce
Lithographie und Buchdruck, 1833.
In komplettem Heft von: Le Charivari, 2ème annèe, 5 Fevrier 1833, No. 66. Aus der Serie „Bal de la cour“. Daumier stellt in dieser Serie mehrere Abgeordnete und Minister dar, die verkleidet am Hofball teilnehmen. Der dargestellte Marthe Camille Bachasson Montalivet war nicht nur ein enger Verbündeter König Louis-Philippes, sondern auch zuständig für die Verwaltung der Schlossküchen. Auch hier gilt die Birne (frz. umgangssprachlich für „Trottel“) als das von Daumier eingeführte Symbol für den König, der die Darstellung seiner persönlichen Züge verbieten hatte lassen. „Montaugibet (Monte au gibet)“ ist eine Verballhornung des Namens Montalivet und heisst wörtlich „Geh zum Galgen“.

 

180

11

Honoré Daumier

Le Chapitre des interprétations - Voice votre compte
Lithographie, 1843.
Probedruck mit autographem Entwurf des Zeitungsredakteurs für die Bildunterschrift. Diese lautete bei Erscheinen in „Le Charivari“ im September 1843 (ins Deutsche übersetzt): „Hier ist Ihre Abrechnung: Ihnen stehen 150.000 Francs zu. Ich habe Ihnen als Anzahlung schon einmal 100 Francs gegeben, und etwas später folgten noch 50 Francs, macht total 150 Francs. Hier gebe ich Ihnen 1.000 Francs, was insgesamt 150.000 Francs ausmacht, und ich bitte Sie nun, mir zu quittieren, dass Sie den gesamten Betrag erhalten haben.“ Daumier wandte sich in Zeiten allzu großer Bedrängung durch die politische Zensur – nicht weniger bissig –gesellschaftspolitischen Themen zu.

 

1800

12

Constantino Escalante

La destitucion de Saligny (Die Absetzung Salignys)
Lithographie, 1863.
Probe- oder Sonderdruck auf Chinapapier. Erschienen in der mexikanischen satirischen Zeitschrift „La Orquesta“ (Tomo III/ No. 23 vom 16. Juli 1862).
Der Zeichner Constantino Escalante, der die während der Zeit der französischen Interventionen für Mexiko politisch bedeutsame Zeitschrift „La Orquesta“ zusammen mit seinem Cousin Carlos R. Casarín herausgab, wurde auch der „Daumier Mexikos“ genannt. Die hier dargestellte Szene beschreibt aussagekräftig das unrühmliche Ende von Dubois de Saligny, einem französischen Diplomaten und von Napoleon III. eingesetzten Generalbevollmächtigten für Mexiko. Sein Nachfolger war der als Kaiser von Mexiko inthronisierte Habsburger Maximilian, der genauso glücklos agierte, aber noch tragischer 1867 durch Erschießung endete.

 

120

13

Gustave Doré

Warehousing in the City (London - A Pilgrimage)
Holzstich, 1872.
Aus: Supplement zu Harper's Weekly, 9. November 1872 als Folge 8 von "London: A Pilgrimage. By Gustave Doré and Blanchard Jerrold. To be Completed in Twelve Parts." Ein Jahr (und möglicherweise davon angeregt) nach den Ereignissen um die „Pariser Kommune“ (siehe die zwei nächsten Nummern), ging Gustave Doré als Zeichner nach London, um erstmals vor Ort Szenen aus dem Berufs- und Alltagsleben des Lumpenproletariats festzuhalten, die im Wechsel mit Darstellungen der Vergnügungen des Adels und Bürgertums bei Publikation in der frühen „Illustrierten“ Harper’s Weekly noch skandalöser gewirkt haben müssen.

 
reserviert

14

Alfred Le Petit

L'État de Siège (Status der Belagerung)
Guillotage (Zinkhochätzung) mit Handkolorit der Zeit, 1871.
Titelillustration zu „Le Grelot (Die Schelle)“ Nr. 31, 12. Nov. 1871. Im Schatten des deutsch-französischen Krieges entstand in Paris am 18. März 1871 die "Pariser Kommune" - der Versuch, Paris gegen den Willen der konservativen Zentralregierung sozialistisch zu verwalten. Der Rat der Kommune strebte programmatisch die Umwandlung Frankreichs in einen Bund souveräner Gemeinden (Kommunen) an. Weitere Ziele waren die Volksbewaffnung, die Gleichberechtigung der Frau und weitere soziale, politische und wirtschaftliche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen des einfachen Volkes. Die Regierung antwortete darauf mit der militärischen Belagerung der Stadt. Mit Unterstützung des deutschen Reichskanzlers Bismarck gelang es Truppen der Regierung, bereits im Mai 1871 in Paris einzudringen, die Kommunarden in blutigen Kämpfen niederzuschlagen und die Pariser Kommune zu beenden. Bei den Kämpfen sowie den folgenden Massenexekutionen wurden 30.000 Menschen getötet. Zehntausende wurden verhaftet und viele von ihnen in Strafkolonien verbannt. Die politischen Karikaturen und Texte in der Zeitschrift „Le Grelot“ spiegeln die feindselige Linie des Blattes gegen die Bestrebungen der Pariser Kommune wieder.

 

100

15

Honoré Daumier

Les trains parlementaires
Guillotage (Zinkhochätzung), 1872.
Illustration aus „Le Charivari“ vom 22.1.1872. Bildunterschrift: „Als er die rote Fahne eines Bahnstreckenwärters erblickt, glaubt ein Mitglied der Rechten, dass in Versailles gerade die Kommune ausgerufen wurde.“ Im Gegensatz zu den Karikaturen im „Grelot“ machte sich Daumier über die Parlamentarier lustig, die aus Paris geflohen waren und sich in Versailles, wo sie sich ganz offensichtlich auch nicht wirklich sicher fühlten, verschanzt hatten.

 

sold
andere Motive auf Anfrage

16

 

Kriegserklärung
Titelblatt zur Kronenzeitung vom 29. Juli 1914.
Wiedergabe des Titelblattes der „Wiener Zeitung“ vom Tag zuvor.

 

sold

16a

Monogrammist FM

Francesco Giuseppe, Imperatore d'Austria - Morto (finalmente) il 21-11-16
Postkarte mit Lichtdruck (?) nach einem älteren (?) Stich und gedrucktem Text "Francesco Giuseppe, Imperatore d'Austria / Caricatura allegorica del Risorgimento / (da una stampa dell'epoca sequestrata dal I. R. Governo)" (Franz Joseph, Kaiser von Österreich / Allegorische Karikatur des Risorgimento / nach einem zeitgenössischem Stich, der von der k. k. Regierung beschlagnahmt wurde). Um 1914.
Das Motiv lehnt sich an die berühmten, z. T. im Kunsthistorischen Museum in Wien befindlichen Gemälde mit Phantasieköpfen des Giuseppe Arcimboldo, eines Malers des italienischen Manierismus, an. Arcimboldo war zwischen 1562 und 1587 Hofmaler der Habsburger in Wien und Prag.
Die Hassfigur Kaiser Franz Joseph als Personifikation der habsburgischen Territorialforderungen stand der Einigung Italiens (=Risorgimento) entgegen. Seine Porträtbüste ist hier aus Personifikationen der sieben Todsünden sowie einem Säugling (=Italien als Nation), der von einem Dämon namens "Austria" gesäugt, gleichzeitig aber von einer Schlange mit Namen Tirannia (Tyrannei), Despotismo (Despotismus), Ingiustizia (Ungerechtigkeit), Gesuitismo (Jesuitentum), Assolutismo (Absoultismus) und Ingratitudine (Undankbarkeit) erwürgt wird, zusammengesetzt. Der Text im Bild "Giocate il terno al lotto (Spielt Lotterie!)" dürfte schon bei der Herausgabe, möglicherweise zu Kriegsbeginn 1914, auf der Karte aufgedruckt gewesen sein, der übergestellte Text "Morto (finalmente) il 21-11-16" erst nachträglich aufgestempelt, um der Karte dem Anlass entsprechend Aktualität zu geben.

 

120

17

Olaf Gulbransson

Willkommen in Sibirien
Strichätzung nach Zeichnung, 1917.
Titelblatt mit Kriegspropaganda zur Zeitschrift „Simplicissimus“, Jg. 22, Nr. 24, 11. September 1917. „Die politische Orientierung des Simplicissimus (Anm: gegründet 1896) war eindeutig sozialdemokratisch und gegen die Missstände gerichtet, für die das Kaiserreich den Nährboden bildete.“ (Maria Rennhofer: Kunstzeitschriften der Jahrhundertwende in Deutschland und Österreich 1895-1914.)
„Aus Opposition wurde Opportunismus, ohne dass allerdings die graphische Qualität der meisten Zeichnungen Schaden erlitt. War man bis dahin die Stimme der Opposition gewesen, so wurde nunmehr jegliches Opponieren verunglimpft. In Abwandlung des Bonmots, das meist Rudyard Kipling zugeschrieben wird ‚Im Krieg stirbt als erstes die Wahrheit‘, könnte man sagen: Im Krieg stirbt als erstes die Satire. Damit und in den neuen Themen der Zeitschrift bietet die Ära 1914/18 im Simplicissimus ein erschreckendes Vorbild für den zweiten Sündenfall der Zeitschrift, die Zeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933.“ (Andreas Strobl: Zwischen Patriotismus und Propaganda. Der Simplicissimus und der Erste Weltkrieg.)

 

80

18

Alistair Fuller

Heroes
C-Print on matt paper, 2014.
Aus der Serie: „As far as anyone knows we're a nice normal family“.
Wenn Alistair Fuller mit dem iPhone durch Wien läuft, bleiben sehr häufig Bilder auf dem Screen, bei deren nachträglichem Betrachten man sich fragt, ob da nicht insgeheim eine Inszenierung stattgefunden hat. Denn in Wirklichkeit kann es ja so etwas wohl nicht geben. Und doch sind gerade in Wien diese Bilder ungestellt so möglich, wenn man mit wachen und vorurteilsfreien Augen durch die Stadt geht. Denn gerade beim Beobachtetwerden (siehe die Filme von Ulrich Seidl) scheint die Spezies „Wiener“ erst so richtig in ihr Element zu kommen. Nicht dass man da etwa versuchte, sich besser darzustellen, als man eigentlich ist. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Lust an der Absonderlichkeit und einem trotzigen „Mir san mir“ scheint nirgends auf so fruchtbaren Boden zu fallen wie in Wien. „Helden“ könnte daher nicht nur der Titel einer unzeitgemäßen Parade zur Glorifizierung einer der größten Schlächtereien der Weltgeschichte sein, sondern auch die ironische Bezeichnung für all diejenigen, die immer noch – sowohl real als auch im übertragenen Sinn – den „Zauber der Montur“ so „fesch“ finden und die salbungsvollen Worte so zu Herzen gehend, auch wenn der ganze (faule) Zauber heutzutage öfter mal ohne Krawatte daherkommt.

 

300

19

Erwin Lang

Der Gefangene (Heimito von Doderer)
Holzschnitt, 1920.
Neudruck vom Original-Holzstock vom Sohn des Künstlers Konrad Lang. Erwin Lang und Heimito von Doderer (und noch andere österreichische Künstler, Schriftsteller und Verleger) kannten sich aus gemeinsam verbrachter russischer Kriegsgefangenschaft nach dem Ende des 1. Weltkrieges. Doderers Roman „Das Geheimnis des Reiches“ (1930), dessen Neuauflage er später unter dem Vorwand, die Privatsphäre seiner Kommilitonen schützen zu wollen, verbot, fußt auf den Erlebnissen aus dieser Zeit.

 

1200

T1

Vinzent Katzler
Heinrich Reschauer

Die ersten Freiheitsopfer
Holzstich, 1872.
In: Heinrich Reschauer,  1848. Geschichte der Wiener Revolution. 1. Band, Verlag von R. v. Waldheim, Wien 1872. (siehe nächste Nr.)

 

50

T2

Ferdinand I.

An die Landbewohner der Länder Meiner ungarischen Krone
Buchdruck und Holzschnitt, 7. 11. 1848.
Zu Beginn der Märzrevolution  1848  im Kaiserreich Österreich forderte der ungarische Rechtsanwalt und Politiker Lajos Kossuth in einer am 3. März 1848 verfassten Rede die konstitutionelle Umwandlung der Monarchie sowie Verfassungen  für die österreichischen Länder. Im Verlauf der Revolution  radikalisierte er seine Vorstellungen bis hin zur Forderung nach Unabhängigkeit  Ungarns von Österreich. Am 13. März wurde Kossuths Rede in Wien auf Deutsch verlesen und hatte entscheidenden Einfluss auf Forderungen und Entwicklung der Revolution. Noch am selben Tag trat Metternich zurück. Kaiser Ferdinand erfüllte zwar die Forderung nach Aufhebung der Zensur (was Nestroy die Gelegenheit gab, sein die Revolution persiflierendes Stück „Freiheit in Krähwinkel“ aufzuführen – siehe nächste Nr.) und erließ eine provisorische Verfassung, die aber im Juli bereits wieder zurückgenommen wurde. Im Oktober kam es im Wien zum Aufstand. Den Auftakt markierte die Meuterei  eines Grenadierregiments , das den Befehl zum Auszug gegen die aufständischen Ungarn, mit denen die Wiener Arbeiter und Studenten sympatisierten, missachtete. In der Folge kam es zu Straßenschlachten (siehe vorige Nr.), bei denen rund 2000 Menschen ihr Leben verloren. Ferdinand floh nach Olmütz und überließ im Dezember seinem 18-jährigen Neffen Franz Joseph I. die Regierungsgeschäfte, die dieser bis ins Jahr 1916 führen sollte. Praktisch alle Errungenschaften der Märzrevolution wurden binnen kurzer Zeit wieder zurückgenommen.

 

150

T3

anonym
Johann Nestroy

Tyrannsky absolutsky regiersky Volcksky despotsky
Kupferstich, 1849.
In: Johann Nestroy, Freiheit in Krähwinkel, Verlag und Druck von J. B. Wallishauser, Wien 1849 (EA).
Dem 1848 in der kurzen Spanne der zensurfreien Zeit uraufgeführten Stück, das aus den Teilen „Die Revolution“ und „Die Reaktion“ besteht, waren nur 36 Aufführungen beschert, bis den Hoffnungen der Revolutionäre durch die kaiserlichen Armee unter dem Oberkommandanten Fürst Windisch-Grätz (siehe Kat. Nr. T1) ein blutiges Ende gesetzt wurden. Nestroys sarkastischem Witz entkamen hingegen weder die einen, noch die anderen. So richtet sich der „Kampf des Satirikers gegen den patriarchalischen Despotismus, gegen Bürokratismus, Zensur und Spitzeltum“. Aber er zeigt auch, „wie die unzulänglichen Menschen an der Größe revolutionärer Ideen scheitern.“ (Jürgen Hein im Nachwort zur Textausgabe, Stuttgart 1969)

 

480

T4

Paul César Helleu
Frances Trollope

A Condemned Murderer in his Prison
Holzstich, 1838.
In: Frances Trollope, Vienna and the Austrians, in two Volumes. Richard Bentley, London 1838.
Die konservative englische Reiseschriftstellerin Trollope verbrachte 8 Monate in Wien, während derer sie – durch die Bekanntschaft mit Metternich ermöglicht – Zugang zu den höchsten Kreisen erhielt, und einem strengen Diktat von „Mesage Control” unterlag. Mit einem Wort: Sie durfte nur zu hören und sehen bekommen, was sie hören und sehen sollte. Genau dies wurde dann auch veröffentlicht: Harmlosigkeiten wie ermüdende Detailschilderungen von Ballbesuchen aber auch die folgende Einschätzung der auch in „humanitärer” Hinsicht „vorzüglichen” Gefängniseinrichtungen der Monarchie (hier über das permanente Schweigegebot unter Häftlingen), samt interessanter und dem herrschenden System durchaus genehmer Analogien: „Wenn es den Sträflingen verstattet bleibt, miteinander zu reden, wie oft muβ es sich da nicht ereignen, daβ diejenigen, welche an Jahren und Schuld noch jung sind, die Lehren derjenigen einsaugen, welche in der Ruchlosigkeit zu weit vorgerückt sind, als daβ ihre Gespräche nicht Verderbniβ säen sollten. Wo eine solche Erlaubnis stattfindet, muβ ihr Einfluβ so giftig sein, als der einer unbeschränkten Preβfreiheit, unter welcher kein Grad von Reinheit lange mit Sünde und Obscönität unvertraut bleiben kann.” (aus der dt. Erstübersetzung von 1838)

 

200

20



Franz M. Jansen

Straßenkampf
Holzschnitt, 1915.
In: Zeit=Echo, Ein Kriegs=Tagebuch der Künstler, hrsg. von Otto Haas-Heye im Graphik-Verlag München. Titelillustration (Holzschnitt) von Max Unold sowie weitere Illustrationen von O. Kokoschka (Strichätzung nach einer Zeichnung), René Beeh (Lithographie) und Franz Reinhardt (Lithographie).

 

80

K1

Frans Masereel

Moderne Plastik
Hochätzung, 1920.
In: Frans Masereel, Politische Zeichnungen. Nr. 10 der Schriftenreihe „Tribüne der Kunst und Zeit. Eine Schriftensammlung“, hrsg. Von Kasimir Edschmid. Erich Reiß Verlag, Berlin 1920.
Vorhanden sind die Nummern 1-8, 10, 12, 15-22, 24-27 gebunden in 4 blauen Leinenbänden.
Die „Tribüne der Zeit“ erschien zwischen  1919 und 1922 in 29 Nummern, wovon hier 23 Nummern gebunden vorliegen. Jeder Band war einem bestimmten Thema/Künstler/Autor gewidmet, die Themen variierten zwischen Politik, Literatur, Publizistik, Kunst und Musik, wobei expressionistischen Strömungen ein breiter Raum gewidmet war. Liste der einzelnen Beiträge auf Anfrage.

 

400

21

Filippo Tommaso Marinetti

Le soir, couchée dans son lit, Elle relisait la lettre de son artilleur au front
Buchdruck und verschiedene Holz- und Metall-Klischees, 1919.
Faltblatt aus: Les mots en liberté futuristes, Editioni futuriste di "Poesia", Milano 1919.
1909 hatte Marinetti in seinem Gründungsmanifest des Futurismus noch unter Punkt 9 verkündet (orig. frz.): „Wir wollen den Krieg verherrlichen — diese einzige Hygiene der Welt -, den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt und die Verachtung des Weibes.“ 1919 war der Spaß vor lauter Vernichtung und Kriegsgetöse vorbei, als „sie am Abend, in ihrem Bett liegend, den Brief ihres Artilleristen von der Front erneut las“ (wie der Titel besagt).

 

450

22

George Grosz

Der Mensch ist gut
Offsetlithographie nach Aquarell, 1922.
Blatt 12 aus kompletter Mappe: Ecce Homo. Ausgabe B II, mit 16 nummerierten Farbtafeln in Büttenmappe, Malik-Verlag, Berlin 1922/23.
„[June Mansfield] returned with a copy of that sensational album of George Grosz’ Ecce Homo. [...] What a revelation it was! Such unmitigated savagery, such sublime desperation, such remorseless excoriation! An enlightened madman, I thought. A Goya come to life. A more ferocious Goya than ever Goya was. And what magistral, devastating use of the water color medium.” (Henry Miller: To paint is to love again, 1968)

 

on request

23

George Grosz

Walzertraum
Offsetlithographie nach Aquarell, 1922.
Blatt 13 aus kompletter Mappe: Ecce Homo. Ausgabe B II, mit 16 nummerierten Farbtafeln in Büttenmappe, Malik-Verlag, Berlin 1922/23. (siehe auch vorige Nr.)

 

on request

24

Karl Rössing

Die Partei
Holzstich, 1929.
Blatt 1 aus der kompletten Mappe: „Mein Vorurteil gegen diese Zeit“. 26 von den erhaltenen Holzstöcken gedruckte und signierte Holzstiche. Publikation der Salzburger Landessammlungen Rupertinum (Hrsg. Otto Breicha) 1984. Neben George Grosz Bildern (siehe vorige 2 Nummern) rechneten Rössings Holzstiche, die bei ihrer Erstveröffentlichung 1932 als Bilderbuch nur von Klischees gedruckt worden waren, mit Abstand am schonungslosesten mit den politischen und sozialen Verhältnissen im Deutschland nach dem ersten Weltkrieg ab. Rössing dürfte sich dabei (im Gegensatz zu Scheele – siehe Kat. Nr. 27 und 37) nicht wirklich immer bewusst gewesen sein, welche Gefahren mit der sehnlichst gewünschten „Klärung“ der politischen  und wirtschaftlichen Verhältnisse unmittelbar bevorstanden und wem er daher seine Stimme in Hinblick auf diese „Klärung“ leihen sollte.

 

1500
(26 Blätter)

25

Karl Rössing

Die öffentliche Meinung
Holzstich, 1931.
Blatt 16 aus der Mappe: „Mein Vorurteil gegen diese Zeit“ (siehe vorige Nr.)

 

1500
(26 Blätter)

26

Shepard Fairey

The Damaged Times
Screenprint, 2017.
Lot also includes a „Damaged Times“ newspaper. The exhibition exclusive newspaper was published as a 26-page supplement to Fairey's show DAMAGED, in Los Angeles. There are articles written by Henry Rollins, Shepard Fairey, Naomi Klein and others. The newspaper flips the standard model by having REAL news and FAKE ads. If you don’t like deterioration of mass media, be the media yourself!

 

450

27

Kurt Scheele

Einflüsterung des Teufels
Holzschnitt, 1937.
Scheele galt in Nazideutschland ab 1937 als „entarteter“ Künstler und erhielt 1939 generelles Berufsverbot. 1940 wurde er mit 35 Jahren zum Kriegsdienst eingezogen und 1943 sein Berliner Atelier und damit der Großteil seiner Werke bei einem Bombenangriff zerstört. Er starb 1944 in russischer Kriegsgefangenschaft. Scheele geriet in der Folge – wie so viele Künstler seiner Generation, die aufgrund ihrer Opposition zum Nationalsozialismus ihre Karriere frühzeitig beenden mussten – in Vergessenheit. Das vorliegende Bild bedarf in Berücksichtigung der Begleitumstände seiner Entstehung keiner weiteren Erklärung. Es ist aber interessant, es im Zusammenhang mit dem anderen Holzschnitt in dieser Ausstellung (Kat. Nr. 38 direkt gegenüber) „Leute vergnügen sich mit Puppen“ zu sehen. Letzterer entstand 1933, also im Jahr der Machtergreifung Hitlers. Man ist geneigt, zwischen Krokodil im dem einen Bild und dem symbolisch angedeuteten Teufel in dem anderen eine Analogie herzustellen, die durch die Jahre 1933 und 1937 (dem Jahr der berühmt-berüchtigten Ausstellung „Entartete Kunst“ in München) zusätzliche Stringenz erhält.

 

1200

K2





John Heartfield
Kurt Tucholsky

Das Parlament
Fotomontage, 1929.
In: Deutschland, Deutschland über alles. Ein Bilderbuch von Kurt Tucholsky und vielen Fotografen. Montiert von John Heartfield. Universum-Bücherei für alle. Berlin 1929

 

120

28

Shepard Fairey

Noise and Lies
Screenprint, 2018.
Fairey, alias „Obey“, Schöpfer einiger visuell ansprechender und erfolgreicher Wahlplakate für Obama, nimmt virtuos Anleihen beim Stil der deutschen Expressionisten mit Tendenz zur „Neuen Sachlichkeit“, wie man im Vergleich mit dem Blatt von Scheele (siehe Nr. 27) leicht feststellen kann, und beschwört damit eine wohl gewollt unheimliche Erinnerung an Zeiten und Taten, von denen es nicht nur hierzulande einigen Politikern schwerfällt, sich glaubhaft zu distanzieren. Die Naivität, mit der Fairey dabei Stilzitate verwendet und mit aktuellen (schlagwortartigen) Botschaften kombiniert, hat dabei aber eher wenig mit dem Geist derer zu tun, die ursprünglich mit diesem Stil – wie Scheele – ihren drängenden Anliegen Gestalt verleihen wollten. Nichtsdestotrotz beweist auch noch bei Fairey der expressionistische Stil seine zähe Lebensfähigkeit in Verbindung mit politischen Aussagen.

 

450

G1





Lili Réthi
Upton Sinclair

Briefe an einen Arbeiter
Umschlagentwurf, 1932.
Aus dem Amerikanischen von Tibor Barta. Mit zwanzig Zeichnungen von Lili Réthi. E. Prager-Verlag, Leipzig/Wien 1932. Deutsche Erstausgabe (amerik. EA: Letters to Judd, an American Workingman, Selbstverlag, Passadena 1925). Mit Besitzeintrag von Erik Skeel-Görling, datiert 1935, Notiz "Von Margit Weidmann im Herbst 1933" und zahlreichen Unterstreichungen (vermutlich von Skeel-Görlings Hand). Unter dem Besitzeintrag findet sich auch die interessante Notiz: "?/Verramscht/weil konfisziert". Die Bücher Upton Sinclairs zählten zu denjenigen, die 1933 von den Nazis öffentlich verbrannt wurden. Erik Skeel-Görling war von 1921-1922 der erste Cellist des legendären, 1921 in Wien im Kontext von Arnold Schönbergs "Verein für musikalische Privataufführungen" gegründeten Kolisch-Quartetts, das sich vor allem für neue Musik, im Speziellen für die zweite Wiener Schule (Schönberg, Berg, Webern), einsetzte. 1944 fand das letzte Konzert des Kolisch-Quartetts in New York statt. Zu Lili Réthi siehe Kat. Nr. G11.

 

100

G2




John Heartfield (= Helmut Herzfeld)
Upton Sinclair

Boston
Fotomontage, 1929.
Aus dem Amerikanischen von Paul Baudisch. Malik-Verlag, Berlin 1929. Einbandentwurf von John Heartfield. Der Roman behandelt die reale Geschichte von Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti , die unschuldig für sieben Jahre im Gefängnis landeten und danach auf dem elektrischen  Stuhl hingerichtet wurden. Die Meldung über ihren Tod wurde von Menschen auf der ganzen Welt mit Wut und Trauer zur Kenntnis genommen. Erst 1977 – 50 Jahre nach der Hinrichtung – wurden beide posthum rehabilitiert.

 

120

G3

Karl Rössing

Die traurigen Augen der Welt
Holzstich, 1947
Umschlagillustration zu: Passion unserer Tage. Einleitung und 24 Holzstiche von Karl Rössing. Aldus Verlag, Diez an der Lahn 1947. „Die Holzstiche dieses Buches entstanden zwischen Februar und November 1946. Ich widme sie allen Leidenden unserer Tage, die das Schicksal durch die Hölle geführt hat.“

 

120

G4

Frans Masereel
Arthur Holitscher

Der Narrenbaedeker
Umschlagillustration nach Holzschnitt, 1925.
Aufzeichnungen aus Paris und London. Text von Arthur Holitscher und 15 Holzschnitte sowie Einbandzeichnung von Frans Masereel.  S. Fischer, Berlin 1925
„Diese Zivilisation ist zu groß, zu stark geworden, aufgedunsen, in ihren Geweben zersetzt vom Gift des Militarismus. Sie ist organisch krank, todkrank, man kann ihr das Gift nicht mehr entziehen, sie würde an dieser Roßkur krepieren. Laßt sie doch krepieren.“

 

100

G5

Wassily Masjutin

Wettlauf mit der Zeit
Holzschnitt, 1942.
Schlussillustration aus dem Buch "Wettlauf der Zeit" von Fritz Meixner, erschienen 1942 in der Serie "Die neue Bücherei" im Wiking Verlag Berlin. In Fritz Meixners Groschenroman wird wohl zum ersten Mal in der Geschichte öffentlich die Möglichkeit angesprochen, mit der Sprengung eines New Yorker Wolkenkratzers weltweit "ein Zeichen zu setzen". Man schreibt das Jahr 1942 und in dieser, in flüssigem Kolportagestil geschriebenen Science-Fiction-Geschichte wird mit keinem Wort erwähnt, dass man sich im Krieg befindet, noch dass sich das Erzählte um "Fiction" handeln könnte. Die Deutschen sind die Guten, sie haben nur das Wohl der Welt im Sinn und ziehen deswegen aus aller Welt die besten Forscher an, die sich in weitläufigen unterirdischen Raumfluchten bzw. auf einer nicht näher definierten unbewohnten Insel mitten im Meer der Entwicklung einer mysteriösen Maschine widmen. Bis kurz vor Schluss wird der Leser darüber im Unklaren gelassen, was mit dieser Maschine bezweckt wird, nur dass sie dem "Guten" und "Richtigen" dient, welches, wie man schließlich doch noch erfährt, in der Beseitigung der amerikanischen Lügenpresse in Gestalt der Tageszeitung "New York Star" besteht. Und so wird eines frühen Abends das mitten in Manhattan befindliche Redaktionsgebäude lange vor Al-Kaida und ganz ohne Flugzeuge, einfach durch die Fernwirkung mysteriöser "Wellen" mitsamt der Belegschaft unter weltweitem Applaus dem Erdboden gleichgemacht. Goebbels hätte es nicht besser erfinden können und sicher war es ganz in seinem Sinne. Je weniger für die Zeitgenossen Propaganda nach Propaganda aussah, umso perfider konnte sie ihre Wirkung entfalten.

 

100

G6

Otto Rudolf Schatz
Josef Luitpold

Häuserschlucht
Holzschnitt, 1927.
In: Die neue Stadt. Text von Josef Luitpold. Bild- und Textholzschnitte von O. R. Schatz. Druck der Buchdruckwerkstätte G.m.b.H. Berlin, Büchergilde Gutenberg, Berlin 1927.
„Immerhin stellt dieses Werk die Spitze sozialdemokratischer Buchkunst zwischen den beiden Weltkriegen dar und ist für die Affektlage der Sozialisten – säkularisiertes Judentum und Christentum, sowie naive Zukunftsgläubigkeit – außerordentlich signifikant. Stark in der Kritik, naiv in der Selbstdarstellung und völlig illusionistisch hinsichtlich der Zukunft. Schatz ist stark in der Kritik, gut agitatorisch, rührend in der Zukunftsdarstellung. Aber er pumpt gequält Affekte und gerät hier, und nur hier, in die Nähe der NS-Kunst, wenn er seine proletarische Heroen produziert, an die er nicht glauben kann. So hat sein politisches Engagement sein Niveau gedrückt, wenn er besonders positiv sein wollte.“ (Wilfried Daim: Otto Rudolf Schatz. Grafik, 1978)

 

500

G7

Max Pechstein

Aufruf zum Sozialismus
Klischeedruck in rot und schwarz, 1919.
Umschlagillustration zur gleichnamigen Broschüre, die als Privatdruck in Berlin im Rahmen der Aktivitäten der „Novembergruppe“ erschien. Außer dem Vorwort von Kurt Erich Meurer enthält das Bändchen Gedichte von Werfel, Rubiner, Hasenclever, Ehrenstein, Zech, Wolfenstein und J. R. Becher.

 

300

G8

Václav Mašek
Alexandr Blok

Dvanáct ("Die Zwölf")
Zinkhochätzung auf Umschlag, 1925.
Das berühmte "Revoluční epos" des russischen Symbolisten Alexander Alexandrowitsch Blok (Александр Александрович Блок) von 1918 in der ersten tschechischen Übersetzung von Bohumil Mathesius und 8 kongenialen Zeichnungen (in Zinkhochätzung) von Václav Mašek. Erschienen im Verlag Plamja, Prag 1925. Mit gedruckter Widmung an den tschechischen Dichter, Übersetzer und Literaturkritiker Josef Hora und einem Nachwort des Übersetzers.

 

180

G9





Václav Mašek
Wladimir Majakowski
(Владимир Владимирович Маяковский)

150.000.000
Farblithographie, 1945.
In: Wladimir Majakowski, 150.000.000. Übersetzung ins Tschechische von Bohumil Mathesius. Mit 10 Lithographien (davon eine auf dem Schutzumschlag) von Václav Mašek. Melantrich, Prag 1945.
Dies ist die zweite Illustrationsfolge zu Majakowskis 150.000.000 von Václav Mašek. Die erste stammt zur tschechischen Erstausgabe von 1925. (siehe Nr. G13)

 

150

G10



Otto Rudolf Schatz
Karl Schröder

Klasse im Kampf
Umschlagillustration nach einem Holzschnitt von 1928.
Karl Schröder: Klasse im Kampf. Mit einem ganzseitigen Originalholzschnitt von O. R. Schatz.
Knapp vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland erschien der Band in Berlin in der Büchergilde Gutenberg 1932. Der Autor war im Widerstand aktiv und wurde im KZ Börgermoor inhaftiert.

 

50

G11

Lili Réthi
Werner Illing

Utopolis
Roman von Werner Illing. Umschlagentwurf von Lili Réthi (siehe auch Nr. G1). Der Bücherkreis, G.m.b.H., Berlin 1930.
Lili Réthi, die 1894 in Wien geboren wurde, hier die Kunstschule für Frauen und Mädchen und die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt besuchte, seit 1929 in Berlin lebte, wo sie als bekennende Sozialdemokratin jahrelang für die Buchgenossenschaft „Der Bücherkreis“ (für die der weltberühmte Typograph Jan Tschichold ab 1930 als Chefdesigner fungierte) als Illustratorin tätig war, sucht man bezeichnenderweise vergeblich in der deutschen Wikipedia. Deswegen hier noch einige aufschlussreiche Details aus der englischen Version: „She received a commission in Germany from Nazi politician Hermann Göring to execute drawings that glorified the Third Reich. To avoid completing the commission, she left Germany by explaining that she had a prior commitment to complete drawings of a bridge in Denmark.“ 1939 emigrierte Réthi über London in die USA, wo sie 1971 nach einer erfolgreichen Karriere als Illustratorin starb.

 

40

G12

László Moholy-Nagy
Erwin Piscator

Das politische Theater
Fotomontage, 1929.
Schutzumschlag zu: Erwin Piscator, Das politische Theater. Verlag Schultz, Berlin 1929. Erstausgabe. (Sehr seltener) Original-Schutzumschlag mit einer Fotomontage von Laszló Moholy-Nagy. Mit zahlreichen Abbildungen im Text und Fotografien von Sasha Stone, Lotte Jacobi u.a. auf 16 Tafeln.
Aus dem Text: „R.R.R. Das heißt: Revue Roter Rummel. Politisch-proletarische Revue. Revolutionäre Revue. [...] Unsere Revuen [...] hatten ihre Vorläufer in den bunten Abenden, wie ich sie zusammen mit der Internationalen Arbeiterhilfe (I.A.H.) veranstaltet hatte. [...] Diese Form rein politisch zu verwenden, war seit langem eine Vorstellung von mir, mit einer politischen Revue propagandistische Wirkungen zu erzielen [...] Die Revue gab die Möglichkeit zu einer ‚direkten Aktion‘ im Theater.“

 

500

G13

Václav Mašek
Wladimir Majakowski
(Владимир Владимирович Маяковский)

150.000.000
Linolschnitt, 1925.
Revolutions-Poem von Wladimir Majakowski . V. Petr (Edice Atom), Prag 1925. Erste Ausgabe auf Tschechisch (Übersetzung Bohumil Mathesius). Die Illustrationen sind Zinkhochätzungen nach Zeichnungen von Václav Mašek, die Vorder- und Rückseite des Einbandes Linolschnitte. Die russische Originalfassung des berühmten Gedichtes erschien 1921. Majakowski schildert dort seine Vision eines Endkampfs zwischen Kapitalismus und Sozialismus in einem apokalyptischen Chicago der zwanziger Jahre, in dem selbst die Augenbrauen der Menschen elektrisch hochgezogen werden. (siehe auch Nr. G9)

 

250

29

Michail W. Matorin

Да здравствует Мировой Октябрь ! (Mirovoy Oktyabr' - Universeller Oktober)
Holzschnitt, auf lithographischem Weg vervielfältigt, 1920.
„Alle Macht den Sowjets/Es lebe der universelle Oktober/Mit den Kommunisten durch die Sowjets zur besseren Zukunft“ steht da u.a. zu lesen. Die Einsicht Lenins, dass ein in der Mehrzahl von Analphabeten bewohntes Riesenreich nur mit speziellen propagandistischen Mitteln zu motivieren sei, während der Ausgang des Bürgerkrieges zwischen Bolschewiken (den „Roten“) und der viel heterogeneren „Weißen Armee“ (einer Mischung aus Konservativen, Demokraten, gemäßigten Sozialisten, und Nationalisten) durchaus noch ungewiss war, führte zu einer Blütezeit des politischen Plakates, dessen stilistische Mittel auch später noch oft kopiert wurden. Darüber hinaus trug das neue Medium Film, zusammen mit einer ganz eigenen neuen Plakatkultur (siehe Kat. 40) entscheidend zum Ausgang des militärischen und damit auch ideologischen Konfliktes zugunsten der Bolschewiken bei.
Der Rest ist Geschichte.

 

1800

30

Dimitri Moor
(= Dmitri Stachijewitsch Orlow Дмитрий Стахиевич Орлов)

Erschossener
Tusche und Graphit, 1924.
Dimitri Moor war der Gestalter ikonischer Plakate im Kampf der Bolschewiken genauso wie für humanitäre Anliegen. Sein Plakat von 1921 mit dem Bild eines ausgemergelten Mannes mit hochgestreckten Armen und der einzigen Aufschrift „Hilfe“ im Kampf gegen die in der Folge des Bürgerkrieges in Russland grassierende Hungerkatastrophe, die angeblich mehr Menschenleben forderte, als 1. Weltkrieg und Bürgerkrieg gemeinsam, wurde legendär. Käthe Kollwitz schuf für ihr „Hunger“-Plakat (siehe nächste Nr.) ihre ganz eigene Version in der gleichen Sache und könnte dabei von Moors Plakat inspiriert worden sein. Die vorliegende Tuschezeichnung ist eine Vorzeichnung für eine Illustration in der russischen, antiklerikalen Zeitschrift Безбожник у станка (Bezbozhnik u stanka - Der Gottlose an der Werkbank). Sie verband aggressive Publizistik mit dem Ziel der Propagierung eines neuen, atheistischen proletarischen Menschen. Wieder gibt es eine seltsame Verbindung zu Kollwitz. Das Motiv des liegenden Erschossenen bei Moor könnte von ihrer berühmten Holzschnittfolge „Krieg“ inspiriert worden sein. Beim Motiv „Witwe II“ aus Kollwitz‘ Zyklus  liegt die Tote in ganz ähnlicher Weise mit hochragenden Füssen hingestreckt wie bei Moor.

 

750

31

Käthe Kollwitz

Hunger
Holzschnitt, 1923.
Zustand nach Entfernung des ursprünglich für den Seriendruck geschnittenen Titels "Hunger" über dem Motiv. Dieser Holzschnitt wurde vor der hier gezeigten signierten „Luxusausgabe“ von nur 20 Exemplaren auf einem Flugblatt (mit weit höherer Auflage) abgedruckt, das zusammen mit Texten verschiedener Persönlichkeiten die Öffentlichkeit zu einer Spendenaktion für die Betroffenen der Hungersnot von 1921/22 in Sowjetrussland aufrütteln sollte (siehe vorige Nr.). Selten, vor allem in so gutem Zustand!

 

4500

32

Conrad Felixmüller

Die Aktion: Der Kampf mit dem Engel
Holzschnitt auf Titelseite der Zeitschrift Aktion, VII. Jahr, Nr. 16/17, 1917.
Seit Februar 1911 erschien in Berlin die von Franz Pfemfert herausgegebene Zeitschrift „Die Aktion“ die den  Untertitel „Zeitschrift für freiheitliche Politik und Literatur“, später „Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst“ trug. Pfemfert umriss das Programm  in Nr. 1 so: „Die Aktion tritt, ohne sich auf den Boden einer bestimmten politischen Partei zu stellen, für die Idee der Großen Deutschen Linken ein. Die Aktion will den imposanten Gedanken einer ‚Organisierung der Intelligenz‘ fördern und dem lange verpönten Wort ‚Kulturkampf‘ […] wieder zu seinem alten Glanze verhelfen. In den Dingen der Kunst und Literatur sucht Die Aktion ein Gegengewicht zu bilden zu der traurigen Gewohnheit der pseudoliberalen Presse, neuere Regungen lediglich vom Geschäftsstandpunkt aus zu bewerten, also sie totzuschweigen.“

 

250

33

Karl Jakob Hirsch

Die Aktion: Rosa Luxemburg u. Karl Liebknecht zum Gedächtnis
Holzschnitt auf Titelseite der Zeitschrift „Die Aktion“, IX. Jahr, Nr. 2-5, 1919. Sondernummer Rosa Luxemburg/Karl Liebknecht.

 

80

34

Willi Tegtmeier

Die Aktion: Proletarierbilanz 1919
Holzschnitt auf Titelseite der Zeitschrift „Die Aktion“, IX Jahr, Nr. 51/52, 1919.

 

 

80

35

Rolf Tillmann

Die Aktion: Demonstration
Holzschnitt auf Titelseite der Zeitschrift „Die Aktion“, X. Jahr, Nr. 27/28, 1920.

 

80

36

Gerd Arntz

Bürgerkrieg
Holzschnitt, 31,8 x 40,2 cm. 1928. Neudruck von 1978. Vorliegend ein Druck aus dem Besitz des Druckers Joachim Schwarz. Bezeichnet "Bügerkrieg und H.C.", signiert "G. Arntz" und datiert "1928/'78".
„Bürgerkrieg kann man betrachten als den Abschluß meiner Düsseldorfer Zeit und den zusammenfassenden Rückblick auf die Ereignisse in Deutschland zwischen 1918 und 1923, besonders im Ruhrgebiet. Es ist der größte Holzschnitt, den ich damals gemacht habe. Links sind die Reaktionäre versammelt, in Gesellschaft schöner Frauen. Vergewaltigungen, wie rechts unten dargestellt, kannte ich aus Erzählungen. Was mir immer an diesem Bild verübelt wurde, ist die Rolle der Kirche, die mit dem Kreuz den Kampf segnet. In der Mitte der sich abseits haltende Künstler, dem Politik kein Thema für seine Malerei ist.“ (Gerd Arntz: Zeit unterm Messer. Holz- & Linolschnitte 1920-1970)

 

500

T5



anonym
Karel Teige
(Layout)

revoluce v Rusku (Revolution in Russland)
Fotomontage, 1930.
In: Tvorba (Schöpfung) Nr. 47, 1930. Týdenik pro literaturu politiku a umění (Woche für Literatur und Politik). Hrsg. von Julius Fucík. Layout und Typographie von Karel Teige. Annähernd Kompletter Jahrgang 1930 in 52 Nummern (fehlt Nr. 17). Die populäre linke Zeitschrift tvorba erschien wöchentlich mit zahlreichen Artikeln zur europäischen Politk der Zeit, aber auch zur europäischen Avantgarde. Mit Text- und Bildbeiträgen von und zu: Otto Heller, E. E. Kisch, Jiri Weil, Bela Balasz, George Grosz, Ernst Toller, John Dos Passos, Michael Kolzov, L. Moholy-Nagy, Lajos Kassák, Karel Teige, S. M. Eisenstein, Vsevolod Pudovkin, K. A. Wittvogel, Kurt Klaeber, Emil Burian, Karl Radek, Herwarth Walden, Hannes Meyer und das Bauhaus, Karel Teige mit mehreren Artikeln über das Bauhaus, Le Corbusier (über neue Architektur in Moskau), Max Hoelz, Tina Modotti u.v.a.

 

500

T6





anonym
Vladimir Okhochinsky

Nakanune mirovoi revolutsii  (Am Vorabend der Weltrevolution)
Farblithographie, 1926.
Verkleinerte Wiedergabe eines Plakates von 1920. In: Vladimir Okhochinsky, ПЛАКАТ (Plakat). Akademie der bildenden Künste, Leningrad 1926. Typographische Covergestaltung im Stil des Suprematismus von A. Samokhvalov. Mit zwei Farblithographien mit verkleinerten Abbildungen von Plakaten.

 

400

T7




Alberto Beltrán
Pablo Neruda

At procitne dřevorubec (Holzfäller erwachet!)
Holzschnitt, 1950.
Umschlagillustration zu der Broschüre „At procitne dřevorubec (Holzfäller erwachet!)“, die anlässlich des 1950 in Prag stattfindenden 2. Kongresses des Weltausschusses der Friedenskämpfer als Geschenk vergeben wurde. Gedicht von Pablo Neruda (von ihm auf dem Schmutztitel gewidmet, signiert und datiert), Nachwort von Jorge Amado. Mit Original-Holzschnitten des „Taller de Gráfica Popular“-Künstlers Alberto Beltrán, der schon die mexikanische Originalausgabe von Nerudas Gedicht „Que despierte el leñador“ illustriert hatte. (siehe auch nächste Nr.)

 

280

T8





Gabriel Fernández Ledesma

Mueran los traidores fascistas
Linolschnitt, 1949.
In: Hannes Meyer (Hrsg.), TGP Mexico. El Taller de Gráfica Popular. Doce años de obra artistica colectiva. The Workshop for Polular Graphic Art, a record of twelfe years of collective work. La Estampa Mexicana, 1949. Layout von Hannes Meyer und Lena Bergner. Mit 5 signierten Original-Linolschnitten von Alfredo Zalce, Alberto Beltrán, G. Fernandez Ledesma, Leopoldo Méndez, Francisco Mora. Eines von 600 nummerierten Exemplaren mit einer handschriftlichen Widmung der Ehefrau von Hannes Meyer Lena Meyer-Bergner, datiert 1956. Sehr selten!
Der Schweizer Architekt Hannes Meyer war seit 1928 Direktor des Bauhauses, das 1933 mit der Machtergreifung der Nazis seine Pforten schließen musste. Meyer ging nach seiner politisch motivierten Entlassung 1930 nach Moskau und floh 1936 vor den Säuberungsaktionen Stalins in die Schweiz. 1939 ging Meyer nach Mexiko und wurde dort Direktor des neu gegründeten Instituts für Städtebau. Daneben baute er den Verlag „La Estampa Méxicana“ auf und managte 10 Jahre lang die TGP höchst erfolgreich. Das vorliegende Buch dokumentiert diese Zeitspanne.

 

1200

T9

Luis Quintanilla
Ernest Hemingway

Ohne Titel
Lithographie, 1939.
In: All the Brave, Drawings of the Spanish War. Modern Age Books, New York 1939. Mit einem Vorwort von Ernest Hemingway und Texten von Elliot Paul und Jay Allen. Mit Reproduktionen nach Zeichnungen und 4 Original-Lithographien von Luis Quintanilla.

 

250

37









Frans Masereel

Ecce Homo
6 Holzschnitte, 1949
Aus der kompletten Mappe mit 12 Holzschnitten. Die Mappe im Impressum von Masereel mit Bleistift signiert. Europa Verlag, Zürich 1949. 1. - 3. Tausend. Band 1 (von 3) der Reihe "Chez les hommes/Unter den Menschen". Die Titel der hier gezeigten Holzschnitte sind (von links nach rechts, obere Reihe zuerst): Begierde, Profite, Ätherwellen, Eroberer, Waffen, Hoffnung

 

450

38

Kurt Scheele

Leute vergnügen sich mit Puppen
Holzschnitt, 1933. (Siehe Nr. 27)

 

1200

39

Hans Grundig

Widerstand
Radierung, 1938.
Auch Grundig galt – wie Scheeele – bei den Nazis als „entarteter“ Künstler. Wogegen sich sein „Widerstand“ richtete, ist also klar. Interessant ist, dass Grundig, der 1944 zur roten Armee überlief, 1946 nach Dresden zurückkehrte und auch später in der DDR verblieb, schon hier den symbolhaften Stil pflegt, der auch von manchen jüngeren „widerständigen“ Künstlern der DDR gerne angewandt wurde, um der Zensur zu entgehen (siehe auch Kat. 50 bis 52). „In der Nachkriegszeit fand eine weitgehende Vereinnahmung Grundigs durch die SED-Kulturpolitik statt, die ihn als ‚Helden des antifaschistischen Widerstands‘ hofierte. Seine Arbeiten gehören jedoch zu den wesentlichen Arbeiten der realistischen deutschen Kunst im 20. Jahrhundert.“ (Wikipedia)

 

450

K3

Carry Hauser

2x auf der Flucht
Umschlagillustration nach einer Zeichnung von Carry Hauser zu: Franz Milik (Vorwort): Zweimal auf der Flucht. Nach Russland geflüchtete und freiwillig zurückgekehrte ehemalige Schutzbündler berichten über ihre Erlebnisse. Hrsg. vom Verein „Arbeiterpresse, Redaktion Ferdinand Riefler, Wien 1936.

 

30

K4

John Heartfield (= Helmut Herzfeld)
Ilya Ehrenburg

A soviet writer looks at Vienna
Fotomontage, 1934.
Umschlag mit Fotomontage von John Heartfield zur gleichnamigen Broschüre von Ilya Ehrenburg über den Zustand der österreichischen Sozialdemokratie Ende der zwanziger Jahre, die Machtergreifung der Nazis in Deutschland und die Februarkämpfe 1934 in Wien. Übersetzung ins Englische von Ivor Montagu. Verlag Martin Lawrence, London 1934.

 

180

K5

Clément Moreau  (= Carl Meffert)

Así no me reconoce nadie (So erkennt mich keiner)
Zinkhochätzung, 1938.
Umschlagzeichnung (im Inneren mit Bildunterschrift wiederholt) zu: Contra el nazismo y el fascismo. 30 dibujos de clément moreau del año 1938 (Gegen Nazismus und Faschismus. 30 Zeichnungen von Clément Moreau aus dem Jahr 1938). Mit einem Vorwort (in Spanisch) von Dr. A. Siemsen, Abgeordneter des Reichstags. Von den 30 „Zeichnungen“ sind 26 im Hochätzungsverfahren widergegeben und 4 Motive als Holzschnitte ausgeführt. Jede Zeichnung von Moreau handsigniert, sowie mit handschriftlichem Vermerk Moreaus auf der Titelseite „Buenos Aires Febrero 1939 Clement Moreau“. Selbstverlag. Sehr selten!
Eine der seltensten Publikationen Clément Moreaus (d.i. Carl Meffert), geboren 1903 in Koblenz und später in Berlin ansässig, und neben den Fotomontagen John Heartfields die schärfsten Hitler-Karikaturen der Zeit. Meffert erlebte seine Kindheit im Waisenhaus und wurde mit der bildnerischen Verarbeitung seiner dortigen Erlebnisse in der Holzschnittfolge mit dem ironischen Titel  „Fürsorgeerziehung“ (1929) bekannt. Noch frühere Grafikfolgen mit gesellschaftskritischem Hintergrund waren „Deine Schwester – Sie hatte ein uneheliches Kind und keine Arbeit. Das Weitere besorgte unsere Gesellschaftsordnung“ oder „Erwerbslose Jugend“ (beide 1928). 1933 entging er in Berlin knapp der Verhaftung und floh in die Schweiz, wo er sich wegen mangelnder Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung das Pseudonym Clément Moreau zulegte, das er fortan als Künstlernamen führen sollte. Um einer weiteren Verhaftung zu entgehen, übersiedelte Moreau 1935 nach Argentinien. Dort schuf er hauptsächlich für Tageszeitungen hunderte von politischen  Zeichnungen wie die hier gezeigten.

 

900

K6



Monogrammist „rg“
Peter Brandt

Wege zur Freiheit
Umschlagillustration zur gleichnamigen Broschüre von Peter Brandt. Aus der Serie „Freiheitliche Schriften“, Druck der Kooperative „Éditions du Libertaire“, um 1949. Aus dem Inhalt: Die Jugend hat genug, Der Sinn des Lebens, Der Wohlstand für alle, Staatskapitalismus, Die deutsche Einheit, Ostflüchtlinge, Nationalsozialismus, Entnazifizierung, Widerstand, Neue Lebensformen.
„Die « nationale Einheit » mag in früheren Jahrhunderten ein erstrebenswertes Ziel gewesen sein,  heute ist sie durch die moderne Welttechnik als Wirtschaftsbegriff längst überholt und muss daher zu immer blutigeren Kriegen führen […] Beseitigung der nationalen und staatliche  Grenzen, Freizügigkeit für alle Menschen, unabhängig von ihrer Abstammung, freie Entwicklungsmöglichkeit für alle Erdenbürger!“

 

20

K7




Sergei Eisenstein,
John Heartfield,
F. Slang

Mörder!
Filmstills aus dem Film Броненосец Потёмкин (dt. Panzerkreuzer Potemkin) von Sergei Eisenstein, 1925. In: F. Slang, Panzerkreuzer Potemkin, Der Matrosenaufstand vor Odessa 1905. Nach authentischen Dokumenten mit 5 Originalphotographien und 10 Filmbildern. 5. ergänzte Auflage, Malik-Verlag, Berlin 1926. Einbandgestaltung von John Heartfield. „Als Propagandafilm sollte Panzerkreuzer Potemkin starke emotionale Reaktionen im Sinne der sowjetischen Massenideologien hervorrufen. Er geht aber in Form und Inhalt über simple Propaganda weit hinaus und wurde mehrfach als einer der einflussreichsten und besten Filme aller Zeiten ausgezeichnet." (Wikipedia)

 

40

40

Кош (Kosch)

Соперницы (Sopernitsy - Rivalen)
Farblithographie, 1929.
Plakat zum gleichnamigen Film, der von der von Deutschland (in Form der Internationalen Arbeiterhilfe) mitfinanzierten Filmfirma Meschrabpom-Rus (Межрабпом-Русь) produziert wurde. Die von 1921 bis 1930 privat geführte Firma war für einige der herausragendsten russischen Filmproduktionen (u.a. auch „Die Mutter“ von Wsewolod Pudowkin – siehe nächste Nr.) verantwortlich, der Druck durch die ideologischen Vorgaben der Moskauer Zensurbehörde nahm aber ab 1925 immer mehr zu. Entsprechend gemischt war das Programm, das – um der Repression zu entgehen – einen Schlingerkurs zwischen Kunst, Propaganda und Dokumentarischem verfolgte. „Sopernitsy“, ein zum Großteil mit Laiendarstellern in Udmurtien gedrehter Film, kam der von Lenin entwickelten Strategie, auch die letzten Landesteile mit den neuen Medien zu erreichen, entgegen. Hier nun, worum es in „Rivalinnen“ ging: „Zwei Mädchen - die Tochter des Kaufmanns Italmas und die Aktivistin der kooperativen Bewegung Tutygash kämpfen um die Liebe des Jägers Yadygara. Wie üblich gewinnt Tutygash und damit die kooperative Bewegung.“ Somit war der Propaganda genüge getan. (Filmbeschreibung in Russisch auf Youtube, wo der Originalfilm unter https://www.youtube.com/watch?v=Zwyj5jrEaZY zu sehen ist)

 

2500

41



Anatoli Golownja

Die Mutter (original: мать – Mat)
Rollentiefdruck, 1927.
Begleitheft zur deutschen Verleihversion von Wsewolod Pudowkins Film MAT. UdSSR 1926, Verleih Sofar-Film (Weltfilm) Berlin 1927. Buch von Natan Sarchi nach Motiven des gleichnamigen Romans von Maxim Gorki. Für die „expressionistische“ Kameraführung war Anatoli Golownja verantwortlich. (siehe auch vorige Nr.)

 

60

42

Leopoldo Méndez

Fusilamiento
Klischeedruck nach einem Linolschnitt, 1950.
Vorsatzblatt zu der Broschüre „At procitne dřevorubec (Holzfäller erwachet!)“, die anlässlich des 1950 in Prag stattfindenden 2. Kongresses des Weltausschusses der Friedenskämpfer als Geschenk vergeben wurde. Gedicht von Pablo Neruda (von ihm auf dem Schmutztitel gewidmet, signiert und datiert), Nachwort von Jorge Amado. Mit Original-Holzschnitten des „Taller de Gráfica Popular“-Künstlers Alberto Beltrán. (Einband siehe Kat. 7)
„Fusilamiento“ wurde als einer von mehreren Linolschnitten ursprünglich als Unterlegung des Vorspanns zu dem mexikanischen Film „Un Día de Vida“ von 1950 verwendet. Die dargestellte Szene nimmt dabei den tragischen Ausgang der Filmhandlung vorweg.

 

siehe T7

43







Klaus Staeck

6 Künstlerpostkarten
6 von insgesamt 50 Postkarten aus dem Zeitraum von 1970 bis 1976.
In originaler Kartonschachtel mit dem Aufdruck "Klaus Staeck / Postkarten / Edition Staeck 69 Heidelberg / Postfach 102063. Um 1976. Aus der Einleitung: "Klaus Staeck tritt nicht mehr als Künstler auf, sondern als Firma, die z.B. Werbeflächen mietet. Er stellt Bildobjekte her, die von politischen Gruppen in der politischen Auseinandersetzung angewendet werden. Ihn interessiert die Frage nicht, ob seine Kunstgebilde schön sind. Der Wert der Bilder liegt in deren Brauchbarkeit". Die Postkarten von Staeck werden nach wie vor gedruckt und kommerziell  vertrieben. Seine Bild-Ästhetik wurde deutlich von der Fotomontagetechnik eines John Heartfield (eig. Helmut Herzfeld) beeinflusst, der einer der erbittertsten und schärfsten Verfasser von Karikaturen gegen die Nazis während der zwanziger und frühen dreißiger Jahre in Deutschland war, bevor er emigrieren musste (siehe Obergeschoss Kat. K4).

 

50

44

anonym

Fred Hampton
Titelillustration zu „movement“, Vol. 5 #12, Jan. 1970. Hrsg. von "The Movement Press".
Das Heft gedenkt dem 1969 im Schlaf von der Polizei erschossenen Bürgerrechtler und Black-Panther-Aktivisten Fred Hampton, der zum Zeitpunkt seines Todes erst 21 Jahre alt war. Hamptons Ermordung war Teil des staatlichen Aufstandsbekämpfungsprogrammes COINTELPRO, dessen Ziel die Störung unerwünschter politischer Gruppen war. Die am Titelblatt mitabgebildete geballte schwarze Faust – Symbol der Black Power Bewegung der 60er und 70er Jahre – war auch Teil einer der meist publizierten politischen Protestaktionen gegen die Benachteiligung von Schwarzen. Sie wurde den beiden Spitzensportlern Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko zum Verhängnis, als sie auf dem Siegerpodest die bewusste Geste vor den Kameras der Fotojournalisten und während der amerikanischen Hymne – zusätzlich mit einem schwarzen Handschuh bewehrt – ausführten. Beide Sportler wurden disqualifiziert und aus Mexiko ausgewiesen. Wenige Wochen zuvor hatte die mexikanische Regierung friedliche Studentenproteste brutal niederschießen lassen. (siehe auch Nr. 47)

 

120

45



Klaus Staeck

coca-cola-day (Konsumgedenktage 68)
Farbholzschnitt und Buchdruck, 1967.
Kalender für 1968 mit 13 Originalgrafiken (Farbholzschnitt, Siebdruck, Collage). Je eine Grafik für jeden Monat sowie ein Titelblatt. Eines von 500 im Impressum vom Künstler signierten Exemplaren. Die Titel für die 12 Monate sind: 1. ampel-tag 2. tag der kleinaktien 3. coca-cola-day 4. tag der unbekannten rabattmarke 5. conserven-tag 6. computer-tag 7. test-tag 8. packdentiger-tag 9. blutundbild-tag 10. television-tag 11. sperrmüll-tag 12. servus-werbe-tag
Am Höhepunkt der weltweiten Proteste gegen den Vietnamkrieg erinnert Staeck an die Verbindung zwischen  Wirtschaft und Politik, im Falle des Märzbildes symbolisiert durch den Coca-Cola-Schriftzug, die amerikanischen Sterne und ein junges Vietnamopfer. Aber auch hinter scheinbar harmlosen Titeln wie „conserven-tag“ verbergen sich brisante innenpolitische Themen. Der Schriftzug NDP (die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands, gegründet 1964 und vom deutschen Verfassungsgericht erst 2017 für legal erklärt, da sie „angesichts ihrer Bedeutungslosigkeit im politischen Geschehen keine konkrete Bedrohung für die freiheitliche demokratische Grundordnung darstelle“) warnt bereits früh vor der Wiederorganisation der Unbelehrbaren. Aus dem Problem der „Alt“- ist aber längst das Problem der „Neo“-Nazis geworden.

 

600
(12 Blätter)

46

Atelier Populaire

Usine Universite Union
Siebdruck, 1968.
Gedruckt von „Atelier Populaire de l' École des Beaux Arts“, Paris 1968. Probedruck.
Eines von bisher 634 nachgewiesenen Motiven für Kleinplakate, die von Studenten der Pariser Kunstakademie im Schnellverfahren als Handsiebdruck zur Unterstützung der revoltierenden Studentenschaft im Mai 1968 gedruckt wurden. Dieses Exemplar lässt an Aussagekraft (Fabrik Universität Einheit), unterstützt durch die Eindringlichkeit der Alliteration im Französischen und die symbolträchtige erhobene Faust, aber auch durch den verwischten Druck, dem man die Schnelligkeit des Produktionsprozesses ansieht, nichts an Authentizität zu wünschen übrig. Es stammt aus dem Privatbesitz eines Holländers, der als Studentenvertreter selbst an den Unruhen teilnahm und zum Ausschuss zählende Exemplare persönlich einsammelte.

 

400

47

Arwed D. Gorella

Kein dritter Weg für Mexiko
Farbholzschnitt und Buchdruck, 1968.
Was genau die Studentenschaft im Audimax der FU (= Freie Universität Berlin) diskutierte, ist wohl nicht mehr genau zu eruieren. Dass die trotz weit verbreiteter Proteste für Mexiko geplanten olympischen Spiele im selben Jahr u.a. Gegenstand der Gespräche waren, ist aber naheliegend.
(siehe auch Nr. 44)

 

150

48

Hector Tobar

Allende spricht
Holzschnitt, 1977.
Das sozialistische Projekt „Salvador Allende“ (dessen Nichte 2. Grades die berühmte Schriftstellerin Isabel Allende ist) sollte mit friedlichen Mitteln zu höherem Wohlstand der Arbeiter in Chile führen, wurde aber durch die USA, die Chile nicht nur bewusst in eine Hyperinflation trieben, sondern auch den Militärputsch gegen Allende 1973 unterstützten, unterwandert. Allende beging, nachdem er seine letzte Rede an die Nation gehalten hatte, Selbstmord, als das Militär den Präsidentenpalast bombardierte. Die daraufhin folgende Militärdiktatur Pinochets, die bis 1990 andauerte, forderte mehrere tausend Gefolterte, Tote und schlicht und einfach „Verschwundene“ – Verbrechen, für die der Diktator nie zur Verantwortung gezogen wurde.

 

300

49

Louis Szapary

Ira (Zorn)
Schablithographie, 2014.
Aus dem Zyklus „Die 7 Todsünden“. Szaparys Darstellung des Zorns basiert auf dem berühmt gewordenen Foto von Margaret Bourke-White „Severed Head of a North Korean Communist Guerilla“ von 1952, mitten aus dem Korea-Krieg. Der drei Jahre dauernde Stellvertreterkrieg zwischen dem kommunistischen  Osten und dem kapitalistischen Westen kostete beinahe einer Million Soldaten und drei Millionen Menschen aus der Zivilbevölkerung das Leben und änderte nichts an der bis heute aufrechten Teilung des Landes.

 

300

50

Gerhard Altenbourg

Der gelöschte Blick
Farbholzschnitt und Aquarell, 1970.
„Von Anfang an standen Altenbourgs Arbeiten in Opposition zum verlangten Sozialistischen Realismus. Sein Werk ist die permanente Verweigerung ihn anzuerkennen, seine Bilder entstehen aus der „inneren Sicht“ und folgen einer Wahrnehmung des Innenlebens, die im Kunstbetrieb der DDR nie gefragt war.“ (Edda und Sieghard Pohl: Die ungehorsamen Maler der DDR. Anspruch und Wirklichkeit der SED-Kulturpolitik 1965-1979)

 

1800

51

Wolfgang Mattheuer

Hin ist er (Ikarus)
Linolschnitt, 1977.
Wolfgang Mattheuer beschäftigte sich ab den frühen siebziger Jahren mit dem Sisyphos-Thema (Die Flucht des Sisyphos, Sisyphos im Rad, Im Teufelskreis, Der übermütige Sisyphos, Sisyphos behaut den Stein). 1977 entstand der vorliegende Linolschnitt mit dem Bild eines kopfüber vom Himmel stürzenden Mannes, mit der strahlenden Sonne im Hintergrund und ab 1979 zahlreiche Darstellungen geflügelter Menschen, sowohl im Flug als auch im und nach dem Absturz. „Ikarus“ findet sich im Titel dieser Bilder zwar nicht und erst ein aus dem Jahr 1989, dem Jahr des Zusammenbruchs der DDR stammendes Bild trägt den programmatischen Titel "Ikarus erhebt sich". Trotzdem war die versteckte Warnung der „Ikarus“-Bilder wie dem hier gezeigten wohl jedem DDR-Bürger unmittelbar verständlich: dass es gefährlich sei, sich in zu große Nähe zur Macht zu begeben und der Fall (mit schmerzlichem Ausgang) nur eine Frage der Zeit.

 

1200

52

Detlev Moosdorf

Befreiung
Holzschnitt, 1975.
„Verworfenes Blatt“. Wohl Unikat. Neben den bewusst „ungehorsamen“ Malern der DDR (siehe Literaturangabe zu Nr. 50) gab es wohl auch Künstler, die vor ihrem eigenen Mut Angst bekamen und wie in diesem Fall zur Selbstzensur griffen.

 

300

53

Nazim Ünal Yilmaz

The love that dare not speak its name in this century is… (Oscar Wilde)
Farbholzschnitt, 2002.
Laut dem türkischen Künstler Nazim Ünal Yilmaz ist jede Kunst „politisch“, da schon die Abkehr von der Ausübung eines klassisch bürgerlichen Berufes zum Zwecke des Broterwerbs ein politischer Akt sei. Eines explizit „politischen“ Motivs bedürfe es da gar nicht mehr. Trotzdem trifft Ünal immer wieder visuelle (und wie in diesem Fall auch explizit verbale) Aussagen zu gesellschaftsrelevanten Themen, besonders zur Genderdebatte.

 

1000

54

Jan Bons
Lucebert

Voordat je 't weet is het weer zover
Offset, 1991.
Von Jan Bons für Amnesty International gestaltetes Plakat mit einem Text des holländischen „Cobra“-Künstlers Lucebert (eigentlich Lubertus Jacobus Swaanswijk), der hier den wiederaufflammenden Antisemitismus in den Niederlanden anklagt: „Bevor Sie es wissen, ist es wieder soweit, der eine trägt eine Peitsche und der andere einen Judenstern“

 

100

55

Roland Maurmair

Klimaflüchtling #1
Kupferhochdruck und Linolschnitt, 2014.
„Roland Maurmair übersetzt menschliche Eigenschaften in seine Tierzeichnungen, kombiniert Bilder und öffentliche Räume, Objekte und Schrift, um Freiheitsdenken und Radikalität experimentell auszureizen. Die einzelnen  Komponenten lässt er dabei jeweils ihrer eigenen , subversiven und höchst ironischen Logik folgen.“ (Tereza Kotyk: Subversive Codes, in: Roland Maurmair, Nature’s Revenge, Wien 2012)

 

320

56

Joachim Keller

Insel der Seeligen
Farbholzschnitt und Handkolorierung. 2019
Das Sprichwort „Wer’s glaubt, wird selig“ könnte man für die Stammgäste des „Café Austria“ abwandeln in „Selig, wer’s glaubt… oder nicht glaubt – je nach Bedarf.“ Hauptsache, man muss die Meinung nicht ändern, das wär‘ ja noch schöner. Oder in guter alter Fledermaus-Tradition: „Glücklich ist, wer vergisst…“ Der Künstler Joachim Keller selbst hat noch folgendes Haiku hinzugefügt: Hüttenzauber, Dirndlklang
Auf ins nächste Festzelt

 

300

57

Alistair Fuller

Heute Management Club
C-Print on matt paper, 2014.
Aus der Serie: „As far as anyone knows we're a nice normal family“. (siehe auch Nr. 18)

 

300

58

Herwig Tachezi

Ölhafen Lobau – Feminismus oder Schlägerei
Ink jet print. 2019

 

unverkäuflich

59

Elke Krystufek

It's enough
Radierung, 1995.
Aus der „Stütz Mappe a. k. a. support portfolio“, hrsg. von der Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin 1995, in Kooperation mit der Druckwerkstatt Niels Borch Jensen, Kopenhagen. Die Mappe enthielt 10 Radierungen und drei Photogravuren von Peter Doig, Joachim Grommek, Stefan Hirsig, Damien Hirst, Olav Christopher Jenssen, Hubert Kiecol, Walter Kranz, Elke Krystufek, Sean Landers, John Miller, Chris Ofili, Daniel Richter und Rachel Whiteread .

 

500

60

Heiner Bauschert

Ölvogel
Farbholzschnitt, 1979.

 

500

61

Jari Genser

Thanks for making my life easier
Farbholzschnitt, 2019.
Jari Genser beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit Schriftbildern, die den Künstler selbstironisch als Egomanen und den Betrachter, der sich über Aussagen wie „Ideen habe ich grundsätzlich nicht“, „Ich muss das nicht ausprobieren ich weiss das auch so“ oder „Zu alt zu langweilig zu schlecht im Bett“ insgeheim selbst erkennt, als Kunstkenner entlarven, obwohl letzterer immer so tut, als verstünde er nichts davon. Ich bat Jari um einen Beitrag mit einer unsere höchst gesellschaftskritische Ausstellung erhellenden Aussage und fand mit Entzücken bestätigt, dass uns das Smartphone eh schon allen auf die Nerven geht. Und wie immer steckt natürlich in der Ironie eine bittere Wahrheit. (siehe auch nächste Nr.)

 

600

62

Louis Szapary

Superbia (Stolz)
Schablithographie, 2014.
Aus dem Zyklus „Die 7 Todsünden“. Auf die Frage, was ihn zur Darstellung der Todsünden bewegt habe, kommt Szapary bald auf zwei Dinge zu sprechen, die ihn sowohl mit der Tradition als auch mit aktuellen Problemstellungen verbinden: die Bildwirksamkeit des Schreckens und die alltägliche Versuchung, die ab und zu doch noch mahnende Stimme des eigenen Gewissens im Gewitter der neuen, verheißungsvollen Verlockungen des  Konsumkapitalismus zu überhören. […]  Den Zyklus leitet Superbia ein, der Stolz, der bei Szapary – fast schon klassisch – als Selbstverliebtheit gedeutet wird. […]  ein höchst aktuelles Bild für ungestraftes Sich-selbst-am-Nächsten-Sein und pars pro toto ein Sinnbild für den Umstand, dass das, was früher als Sünde galt, heute gesellschaftlich anerkannter Mainstream ist.“ (Herwig Tachezi: Das alltägliche Grauen oder "Die Macht der Gewöhnung" - Zu Louis Szaparys Lithographien-Zyklus "Die 7 Todsünden", erschienen in der Zeitschrift UM:DRUCK, 28.7.2015)

 

300