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Franz Herberth
Hans Hartung

und andere abstrakte Druckgrafik nach 1945


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29.4.—14.9.2019

In der abstrakten Kunst lassen sich sowohl vor als auch nach 1945 zwei dem Wesen nach gegensätzliche Ausrichtungen feststellen: eine geometrisch-konstruktivistische und eine informell-gestische. Waren konstruktive und expressive Tendenzen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von zahlreichen Utopien genährt, die sich in genauso zahlreichen Ismen ausdrückten, wurde nach 1945 im von Amerika ausgehenden „abstrakten Expressionismus“ und dessen europäischer Variante, dem „Informel“, wieder das Subjektive und Spontane in der Kunst gefeiert. Am deutlichsten drückte vielleicht der Amerikaner Ad Reinhard die Ablehnung jeder ideologischen  Vereinnahmung der neuen Tendenzen aus, als er proklamierte, dass „Kunst in unserer Zeit keine Rechtfertigung durch Realismus oder Naturalismus, Regionalismus oder Nationalismus, Individualismus oder Sozialismus oder Mystizismus oder durch irgendwelche anderen Ideen“ benötige.

Der 1907 in Wien geborene (gestorben 1973 in Pulkau/NÖ) und immer noch viel zu wenig bekannte Druckgrafiker Franz Herberth wandte sich just in dem Augenblick der Abstraktion zu, als er in den frühen fünfziger Jahren die kommunistische Partei, der er eine Zeit lang nach dem 2. Weltkrieg angehört hatte, verließ und mit der Aufgabe seines sozialkritisch-expressionistischen Stils der Vorkriegsjahre einen radikalen Stilwandel vollzog. Das fast alleinige Ausdrucksmittel von Herberths stiller, kleinformatiger aber nichtsdestoweniger hoch virtuoser Druckkunst, die beim Wiener Kinetismus der Vorkriegsjahre Anleihen nimmt, dann aber doch eine vollkommen eigenständige Richtung nimmt, ist der Farblinolschnitt, ab den sechziger Jahren auch der Holzstich.

Interessant für den vorher postulierten Gegensatz zwischen konstruierter und gestisch-spontaner Kunst ist die Gegenüberstellung von Hartungs Holzschnitten und Herberths Linolschnitten deswegen, weil beide Drucktechniken (in beiden Fällen Hochdruck, der dem Künstler bei der Gestaltung einen relativ hohen Grad an Planung abverlangt) weder im Konstruktivismus noch in der informellen Kunst Leitmedien darstellen, wenn sie denn dort überhaupt als geeignete Ausdrucksmittel erscheinen. Mit dem Holzschnitt verbindet man noch immer vor allem den deutschen Expressionismus à la „Brücke“ (also figurative Kunst) und mit dem Linolschnitt die billige Verfügbarkeit im Schulzimmer. Hartung – der Inbegriff des Informelkünstlers – gewinnt dem Holz mit reduzierten Mitteln und wenigen Schnitten, die im Druck als Linien oder Flecken weiß vor schwarzem Hintergrund erscheinen, ein Maximum an spontaner Wirkung ab. Herberth schafft aus dem vermeintlichen Billigmedium Linoleum ein Maximum an magischen Farb- und Formwirkungen, wobei durch Überdruck mehrerer Platten subtile Schattenwirkungen und Scheinräume entstehen, die den Betrachter in ihre eigene Welt ziehen. Hier ist jedes Blatt zugleich Unikat und auch Variante, da man die Platten in schier unendlicher Vielfalt von Einfärbungen, Farbverläufen und Drehungen übereinander drucken kann, wobei das Motiv erkennbar bleibt aber doch jedes Mal eine vollkommen neue Wirkung entfaltet. Hartungs „gestische“ Bilder sind dagegen, wenn einmal fixiert, so und nicht anders und dadurch unwiederholbar. Jede Platte wird bei ihm zu einem eigenständigen, unverwechselbaren Statement, das durch den harten Hell-Dunkel-Kontrast noch eine Bekräftigung erfährt. Herberth scheint uns hingegen mit seinen subtil farbigen, schillernden und wandelbaren (und damit die Op-Art vorwegnehmenden) Gebilden zu sagen, dass es auch dort, wo die Welt eine scheinbare Konstante bildet, für den Betrachter entscheidend ist, in welchem Licht oder aus welcher Richtung er sie wahrnimmt.


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