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Werke
   

Franz Herberth


Franz Herberth wurde 1907 in Wien geboren und studierte ab 1924 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Cizek, Erich Mallina, Anton Kenner, Rudolf Larisch und Berthold Löffler. Herberth verblieb nach Beendigung seines Studiums an der Schule, wo er ab 1930 als Lehrer in der Werkstätte für Druckverfahren tätig war. 1939 wurde er wegen seiner Ehe mit der Nichtarierin Bettina Freund in den Ruhestand zwangsversetzt, nachdem er schon im Jahr zuvor aus dem Bund Österreichischer Gebrauchsgrafik ausgeschlossen und zur Hilfsarbeit verpflichtet worden war. 1940 erhielt er endgültig Berufsverbot. Nach Beendigung des Krieges wurde Herberth zum Leiter der Werkstätte Druckverfahren an der nunmehrigen Hochschule für Angewandte Kunst bestellt und nach 20-jähriger Tätigkeit zum Hochschulprofessor ernannt. Herberth verstarb 1973 in Pulkau/Niederösterreich.

Während die „Wiener Kinetisten“ der zwanziger Jahre um die Klasse Franz Cizek (laut Oswald Oberhuber „die einzig existente Schule des Futurismus“) wie Erika Giovanna Klien, Otto Erich Wagner, L. W. Rochowansky, Friederike Nechansky, Elisabeth Karlinsky oder Marianne Ullmann in verschiedenen Publikationen breit rezipiert und auch in Museumsausstellungen gewürdigt wurden, wird Franz Herberth z.B. in dem Buch „Wiener Kinetismus - Eine bewegte Moderne“ nicht einmal mit Namen erwähnt. Dies mag daran liegen, daß sich Herberth zu seiner Studienzeit (die sich mit derjenigen von Erika Giovanna Klien teilweise überschnitt) und in den Jahren danach nicht der Abstraktion sondern dem deutschen Expressionismus verpflichtet fühlte. Erst Anfang der fünfziger Jahre wandte sich Herberth der Abstraktion zu und tat dies dann mit einer Experimentierwut, die in der österreichischen Nachkriegskunst ihresgleichen sucht.

Hierbei beschränkt sich Herberth technisch auf den Farblinolschnitt und ab Anfang der sechziger Jahre auf den Holzstich (bei letzterem verbunden mit einem dem Material geschuldeten stilistischen Wandel), schöpft dabei aber alle drucktechnischen Finessen bis zum Rande aus. Anders als die Künstler der Grosvenor School in London, die ab der Mitte der zwanziger Jahre den Farblinolschnitt zu einer ersten (figurativen) Blüte geführt und dabei deutliche Anleihen beim italienischen Futurismus gemacht hatten greift Herberth teilweise das abstrakte Vokabular des Wiener Kinetismus wieder auf. Im Gegensatz zum Futurismus (der auch Pate für den Kinetismus gestanden hatte) legt Herberth hierbei keinerlei Sendungsbewusstsein oder agitatorischen Eifer an den Tag und macht damit den Bruch mit dem sozialistischen Realismus noch deutlicher, den er mit dem Austritt aus der kommunistischen Partei Anfang der fünfziger Jahre hinter sich gelassen hatte. Seine in sich ruhenden und eher „kinetisch“ als „kinetistisch“ zu nennenden abstrakten Gebilde verdanken ihre Wirkung neben dem Experiment vor allem genauer Planung und dem Wissen um die technischen Möglichkeiten sowie dem virtuosen Ausloten derselben.

„Herberth erzeugt in seinen  Kompositionen räumliche Wirkung nicht nur durch die Linienführung, speziell das Überdrucken ein- und derselben Platte mit einer zweiten lasierenden Farbe, wobei der Überdruck leicht verschoben ist, wird zu einem fast bezeichnenden Element seiner Arbeiten. Ausgehend von parallelem Verschieben finden sich auch Blätter, bei denen der lasierende Überdruck leicht verdreht ist. Weitere Komplexität erlangen seine Kompositionen durch das Überdrucken ein- und derselben Platte um 180° gedreht. In weiterer Folge mischt und variiert Herberth diese Möglichkeiten...“ (Schneider 2003, S.10)

Bemerkenswert ist auch die konsequente Anwendung des Irisdrucks nach dem Vorbild des japanischen „Bokashi“, des Verlaufes einer Farbe von hell nach dunkel oder in eine andere Farbe: „Herberth schafft Farbverläufe, indem er den Verlauf nicht auf der Platte erzeugt, sondern auf der Walze. Durch Auswalzen der Farbe auf dem Litho-Stein zum gewünschten Verlauf wird dieser auf die Walze übernommen…“ (Schneider 2003, S.11). Um verschiedene Farbverläufe auf einer Platte zu erzeugen, zerteilt Herberth kurzerhand die Platten, walzt sie getrennt ein und setzt sie für den Druck wieder zusammen. Auflagen dieser Blätter gibt es nicht und mehrere Drucke in identischer Farbkombination sind selten. Stattdessen gibt es von ein- und demselben Motiv mehrere Farbvarianten, wobei die Ausrichtung nicht von vorneherein fixiert scheint, da das gleiche Motiv einmal als Hoch- und einmal  als Querformat erscheinen kann. Die Blätter sind nie betitelt, tragen dafür aber wie bei den Lithographien und Holzschnitten Hans Hartungs eine fortlaufende Nummerierung in der Form „Jahreszahl — fortlaufende Nummer des Motivs — Motiv-Variante“.

Am Erstaunlichsten an Herberths Farblinolschnitten ist vielleicht der Umstand, daß sie eine Erinnerung an ein wesentlich jüngeres Phänomen wachrufen. Was Grafikdesigner heute aus dem Rührtopf von Photoshop holen, hat Herberth in den Fünfzigern längst analog zustande gebracht.


Schneider 2003: Michael Schneider, Vom Gegenstand zum  Material – Zur Entwicklung der Technik des Hochdrucks im druckgrafischen Werk von Franz Herberth, in: Erika Patka (Hrsg.), Franz Herberth — Neue Dimensionen der Druckgrafik um 1950, Wien 2003)

 

1953 1954      
Franz Herberth 1953-6-1
Franz Herberth 1954-4-1 Franz Herberth 1954-4-2 Franz Herberth 1954-4-3 Franz Herberth 1954-5-3
6-1 4-1 4-2 4-3 5-3
         
Franz Herberth 1954-6-6 Franz Herberth 1954-13-4 Franz Herberth 1954-13-7 Franz Herberth 1954-13-8
6-6 12-1sold 13-4 13-7 13-8
         
      1955  
Franz Herberth 1954-18-1 Franz Herberth 1955-3-1 Franz Herberth 1955-4-2 Franz Herberth 1955-5-1 Franz Herberth 1955-5-2
18-1 3-1 4-2 5-1 sold 5-2
         
Franz Herberth 1955-8-1 Franz Herberth 1955-8-4 Franz Herberth 1955-8-5 Franz Herberth 1955-10-7 Franz Herberth 1955-11-2
8-1 8-4 8-5 10-7sold 11-2
         
Franz Herberth 1955-12-1 Franz Herberth 1955-12-6 Franz Herberth 1955-16-4 Franz Herberth 1955-16-6 Franz Herberth 1955-18-9
12-1 12-6 16-4 16-6 18-9
      1956  
Franz Herberth 1955-18-11 Franz Herberth 1955-20-2 Franz Herberth 1955-21 Franz Herberth 1956-3-1 Franz Herberth 1956-3-2
18-11 20-2sold 21 3-1 3-2
         
         
Franz Herberth 1956-3-6 Franz Herberth 1956-4.2-5 Franz Herberth 1956-5-1 Franz Herberth 1956-5-2 Franz Herberth 1956-6-1
3-6 4.2-5 5-1 5-2 6-1
         
Franz Herberth 1956-6-12 Franz Herberth 1956-7-3 Franz Herberth 1956-13-3 Franz Herberth 1956-15 Franz Herberth 1956-17-1
6-12 7-3 13-3 15sold 17-1
         
    1957   1959
Franz Herberth 1956-17-7 Franz Herberth 1956-20-1 Franz Herberth 1957 Franz Herberth 1959-1-1
17-7 20-1 1-3 5-8sold 1-1
         
    1960    
Franz Herberth 1959-4-1 Franz Herberth 1959-7-1 Franz Herberth 1960-16-1 Franz Herberth 1960-29 Franz Herberth 1960-29-4
4-1 7-1 16-1 29 29-4
         
  1961      
Franz Herberth 1960-37-1 Franz Herberth 1961-1-2 Franz Herberth 1961-1-3
37-1 1-2 1-3 8 8-6
         
1962        
Franz Herberth 1962 Franz Herberth 1962-2-16 Franz Herberth 1962-3-1 Franz Herberth 1962-6-1 Franz Herberth 1962-9.2-9
  2-16 3-1 6-1 9.2-9