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Holzschnitte/woodcuts
   
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Hans Hartung


Hans Hartung wurde 1904 in Leipzig geboren und starb 1989 in Antibes. Nachdem er in Leipzig, Dresden, München und Paris Philosophie, Kunstgeschichte, Graphik und Malerei studiert hatte, verbrachte er den Großteils seines Lebens in Frankreich, diente während des 2. Weltkrieges in der Fremdenlegion, wurde 1946 französischer Staatsbürger und wurde in Frankreich so gut wie mit allen Ehrungen bedacht, die nur französischen Staatsbürgern und Künstlern zukommen können. Er ist einer der wichtigsten Vertreter des französischen Art informel, wird aber dennoch oft mit dem deutschen Informel in Verbindung gebracht, nicht zuletzt wegen seiner Beteiligungen an den ersten drei Ausgaben der documenta in Kassel in den fünfziger und sechziger Jahren. Die langjährige Zusammenarbeit Hans Hartungs mit der Erker-Presse St. Gallen begann im Jahr 1962 und kulminierte 1973, dem produktivsten Jahr des Künstlers als Druckgrafiker. In diesem Jahr entstanden insgesamt 101 Blatt Druckgrafik in großer technischer Bandbreite: bei Crommelynck in Paris Radierungen (Grabstichel, Weichgrundätzung, Aquatinta) und bei der Erker-Presse Lithographien, Holzschnitte und Linolschnitte – allein bei Erker in etwas mehr als einem Monat Arbeitszeit (aufgeteilt auf zwei Blöcke im Frühling und im Herbst) 88 verschiedene Motive.

In der Erker-Presse St. Gallen, die 1958 als Verlag und Kunstgalerie gegründet worden war und die ab 1963 bis zu ihrer Schließung im Jahre 2014 einen legendären Ruf als Lithographie-Druckwerkstatt erlangte, gingen neben Hans Hartung Künstler wie Piero Dorazio, Giuseppe Santomaso, Antoni Tàpies, Günther Uecker oder zuletzt Santiago Calatrava ein und aus. Hartung, der auch mit verschiedenen französischen und spanischen Druckern und Druckwerkstätten wie Crommelynck, Lacourière, Jean Pons, Mourlot, Adrien Maeght, Atelier Poligrafa oder Gustavo Gili kooperierte, realisierte allein mit der Erker-Presse 236 Werknummern und 36 Editionen an Grafiken, hauptsächlich Lithographien. Geneviève Laplanche schreibt über die Atmosphäre im dortigen Druckatelier: [Hartung] schätzt die Stimmung des Ortes und die Arbeit des Teams: der Techniker, allesamt ausgewiesene Könner, derjenigen Mitarbeiter, welche die Druckfarben und das Papier vorbereiten sowie an den Druckerpressen helfen, und schließlich der Hauptverantwortlichen der Werkstatt, die gleichzeitig die Herausgeber und Galeristen sind. Er ist nur von Spezialisten umgeben. Wohl aufgrund dieses Werkstattmodells konzipiert er später die Organisation seines eigenen Ateliers, als diese 1973 in Antibes eingerichtet wird.“ (Hartung 2010, S. 31)

Das Jahr 1973 sticht insofern heraus, als Hartung mit dem Holzschnitt (und zwei Linolschnitten) eine Technik aufnimmt, die er seit seinem allerersten druckgrafischen Versuch noch während seiner Schulzeit in Dresden nicht mehr angewandt hatte. Die 26 Holzschnitte und 2 Linolschnitte, die 1973 bei Erker entstehen (ein weiterer kommt 1976 hinzu) sollen auch die einzigen größeren, in dieser Technik ausgeführten Druckgrafiken im Werke Hans Hartungs bleiben. Hartung schreibt dazu im Speziellen: „Wenn man seine Druckstöcke schnell schneiden könnte, hätte ich es gemacht wie jeder, aber ich kann nicht langsam arbeiten, das gelingt mir nicht, ich habe nicht die Geduld. Ich musste also etwas erfinden. Ich bin in eine Schreinerei gegangen und habe dort nach großen Stücken Holz gefragt, einem Beil, einem großen Hammer und einem mit einem breitem und einem schmalen Ende, kurz gesagt, alles Schreinerwerkzeugen. Und dann habe ich mich an den Holzstücken ausgelassen, die man mir gegeben hatte. Sie waren gut fixiert, sonst wären sie herumgesprungen – so habe ich die Holzschnitte gemacht.“ (Hartung 2010, S. 39)

In der Regel handelt es sich um Auflagen von 100 Exemplaren sowie einer jeweils abweichenden Anzahl von Probedrucken und Künstlerexemplaren. Alle Exemplare wurden auf Vélinpapier mit Schöpfrand gedruckt und in den meisten Fällen mit dem Prägestempel der Erker-Presse versehen. Von einigen Motiven gibt es neben Exemplaren in reinem Schwarz oder der von Hartung bevorzugten Farbe Blauschwarz auch schablonenkolorierte Versionen. Zur Anwendung von Farbe bemerkte Hartung: „Die Arbeit mit nur einer Farbe – für diejenigen, denen das genügt – ermöglicht eine schnellerer Arbeitsweise, fast eine Momentaufnahme. Ich halte sie für die edelste Form dieser Kunst“ (Hartung 2010, S. 41). Einen Teil der Auflage besorgte wegen der großen Anzahl an Blättern übrigens die benachbarte Buchdruckerei Rüdiger Erben, doch es dauerte Monate, in einigen Fällen sogar Jahre, um die Auflage zu produzieren. Alle Graphiken wurden im letztgültigen Online-Werkverzeichnis von Rainer Michael Mason zusammengefasst und detailliert beschrieben.

Hartung 2010: Geneviève Laplanche, Das Leben des Künstlers als Druckgraphiker, in: Céline Chicha-Castex et al.: Hans Hartung – Estampes / Druckgraphik, Berlin/Paris/Genf 2010-2011


Hans Hartung was born in Leipzig in 1904 and died in Antibes in 1989. After studying philosophy, art history, printmaking and painting in Leipzig, Dresden, Munich and Paris, he spent most of his life in France, served in the Foreign Legion during the Second World War, became a French citizen in 1946, and received just about all of the honours bestowed by that country on  French citizens and artists. He is one of the most important representatives of French Art informel, but is often associated with German Informel, not least on account of his participation in the first three documenta exhibitions in Kassel in the 1950s and 1960s. Hartung’s long-standing collaboration with Erker-Presse St. Gallen began in 1962 and culminated in 1973, the artist’s most productive year as a printmaker. In that year he produced 101 prints using diverse techniques: etchings (burin, vernis mou, aquatint) with Crommelynck in Paris, and lithographs, woodcuts and linocuts with Erker-Presse, where he produced eighty-eight different subjects in just over one month’s work (in spring and autumn).

Erker-Presse St. Gallen was founded in 1958 as a publishing company and art gallery and from 1963 until its closure in 2014 enjoyed a legendary reputation as a lithography workshop, publishing prints not only by Hartung but also by artists such as Piero Dorazio, Giuseppe Santomaso, Antoni Tàpies, Günther Uecker or, most recently, Santiago Calatrava. Hartung, who also worked with various French and Spanish printers and print shops such as Crommelynck, Lacourière, Jean Pons, Mourlot, Adrien Maeght, Atelier Poligrafa and Gustavo Gili, produced 236 numbered works and 36 editions of prints, mainly lithographs, for Erker-Presse alone. Geneviève Laplanche wrote about the atmosphere in the print shop: “[Hartung] appreciates the atmosphere and the work of the team: the technicians, all experts in their trade, the workers who prepare the printing inks and paper and assist with the presses, and finally the manager, who functions simultaneously as publisher and gallery owner. He is surrounded by specialists. He might well have used this model as a basis for the organisation of his own studio established in Antibes in 1973” (Hartung 2010, p. 31).

The year 1973 is significant to the extent that Hartung returned to the woodcut technique that he had not used since his very first printmaking attempts while studying in Dresden. The twenty-six woodcuts created in 1973 at Erker (another one was added in 1976) were to remain the only large prints using this technique in Hartung’s oeuvre. He said of it: “If it were possible to cut the printing blocks quickly, I would have done like everyone else, but I don’t have the patience to work slowly. I had to invent something. I went to a joiner and asked for large pieces of wood, an axe, a large hammer and one with a wide and a narrow face, all joiner’s tools. And then I had a go at the pieces of wood I’d been given. They were clamped down, otherwise they would have jumped around. And that’s how I did the woodcuts” (Hartung 2010, p. 39)

He usually did editions of 100 copies and varying numbers of trial and artist’s proofs. The copies were all printed on wove paper with deckle edges, in most cases with the Erker-Presse embossed stamp. Only one colour was used for printing, namely black or Hartung’s favourite colour blue-black but some copies were coloured using stencils after the printing was finished. Hartung said of the use of ink: “With just one colour – for those who are content with that – it’s possible to work faster, almost at snapshot speed. I consider this to be the noblest form of this art” (Hartung 2010, p. 41). Because of the large number of copies, some of the print run was done with the neighbouring Buchdruckerei Rüdiger Erben, but it took months, in some cases even years, to produce the complete series. All of the prints are to be found with detailed descriptions in the most recent online catalogue raisonné by Rainer Michael Mason.

Hartung 2010: Geneviève Laplanche, “Das Leben des Künstlers als Druckgraphiker”, in Céline Chicha-Castex et al., Hans Hartung – Estampes / Druckgraphik (Berlin/Paris/Geneva, 2010–2011)


Alle Holzschnitte (ausser H-1-1976) all woodcuts (exept H-1976-1) je each 900 EUR, H-1-1976 1200 EUR, Plakat poster 300 EUR

H-8-1973 - Holzschnitt woodcut H-13-1973 koloriert
stencil coloring
H-15-1973 H-17-1973 H-18-1973t
         
H-19-1973 H-20-1973 koloriert
stencil coloring
H-21-1973 - Holzschnitt woodcut H-22-1973 H-1-1976
         
     
  Erker-Presse - Plakat poster